Reals Rekordverpflichtung Bale Das 100-Millionen-Versprechen

Was verspricht sich Real Madrid von Gareth Bale? Ziemlich viel, sonst würde der Club nicht 100 Millionen Euro für den Waliser zahlen. Tatsächlich dürfte die Real-Offensive mit ihm nahezu übermächtig werden.

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Real-Zugang Bale: Zug zum Tor, dynamisch, starke Schusstechnik
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Real-Zugang Bale: Zug zum Tor, dynamisch, starke Schusstechnik


Was die Transferpolitik angeht, hat Real einen schlechten Ruf. Der Club bevorzuge Superstars mit großer Strahlkraft; ob diese in das sportliche Konzept der Mannschaft passen, sei nebensächlich. So lauten gängige Vorurteile.

Der Real-Ablösewahnsinn dient Kritikern stets als weiteres Argument. Für Zinedine Zidane bezahlte der Club 2001 76 Millionen Euro - nie zuvor hatte ein Club für einen Fußballspieler mehr hingeblättert. Übertroffen wurde die Summe acht Jahre danach von Real selbst, als 93 Millionen in den Transfer von Cristiano Ronaldo investiert wurden.

Ob Verpflichtungen wie diese aus sport- oder vor allem aus marketingstrategischen Gründen realisiert wurden, bleibt unklar. Doch bei aller Skepsis: Sinnlos waren sie nicht.

Auch dank Zidane gewann der Club Meistertitel, Champions League und Weltpokal. Mit Cristiano Ronaldo gelang die Meisterschaft trotz des Über-Konkurrenten Barcelona, und die individuelle Bilanz des Portugiesen ist überragend. In 197 Pflichtspielen für Madrid hat er 201 Tore geschossen.

Und jetzt er: Gareth Bale. Warum zahlt Real laut Medienberichten für ihn 100 Millionen Euro?

Zug zum Tor, Dynamik, Schusstechnik - Bale garantiert Treffer

Zunächst: Bale garantiert Tore. In der vergangenen Saison erzielte Englands Fußballer des Jahres für Tottenham Hotspur und die walisische Nationalmannschaft 32 Treffer in 50 Spielen. Dabei ist Bale kein Stürmer. Lange spielte er als linker Außenverteidiger, vor zwei Jahren wurde er aufgrund seiner Offensivstärke ins linke Mittelfeld vorgezogen. Vergangene Saison machte der heute 24-Jährige dann noch einen Schritt - auf dem Platz wie in seiner Entwicklung.

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Gareth Bale: Southampton, Tottenham, Real Madrid
Statt auf außen agierte Bale im offensiven Mittelfeld, schwang sich auf zur zentralen Figur im Angriffsspiel der Spurs. Trainer André Villas-Boas stattete den Waliser mit allen Freiheiten aus. Das äußerte sich so: Wenn er wollte, wechselte Bale nach links, bereitete mit Flanken Chancen vor. Oder er wich nach rechts aus, um von dort mit dem Ball nach innen zu ziehen und mit seinem starken linken Fuß abzuschließen. Oder er holte sich Bälle im Zentrum ab, um Zug zum Tor zu entwickeln. Seine Mitspieler hatten dann die Aufgabe, die Positionen einzunehmen, die Bale verwaisen ließ.

Diese Freiheiten machten ihn so gefährlich. So kann Bale die Räume suchen, die er für sein Spiel benötigt. Gerne kommt er aus der Tiefe, um mit Tempo in den Strafraum zu marschieren. Wie er im Vollsprint den Ball vor sich her dribbelt und selbst nach langen, kraftraubenden Wegen mit hoher Spannung und perfekter Schusstechnik abschließt: Das können sonst nur Spieler wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo.

Ronaldo ist dabei das richtige Stichwort. Bei Real bildet der Portugiese gemeinsam mit Bale die wohl gefährlichste Flügelzange der Welt. Beide sind mit dem Ball schneller als die meisten Verteidiger ohne, beide können aus nahezu jeder Position Tore schießen. Denkbar wäre, dass Ronaldo links, Bale rechts beginnt, und die Stars vom Flügel nach innen ziehen, um mit ihrem jeweils stärkeren Fuß den Abschluss zu suchen.

Reals schmaler Grat

Bale wäre auch im Zentrum denkbar. Ob es deshalb wohl die Wechselgerüchte um Mesut Özil gibt? Eigentlich müsste der deutsche Nationalspieler den Zugang nicht fürchten. Denn mit seiner Spielintelligenz ist Özil jemand, der verwaiste Positionen besetzen kann. Zugleich kann er gerade gegen tiefstehende Gegner wichtig sein, weil er mit seinen Bewegungen Freiräume für Ronaldo und Bale erzeugen und perfekt kombinieren kann. Özil kann sogar profitieren. Um Ronaldo zu bewachen, stellen viele Mannschaften zwei Verteidiger ab. Auch Bale wurde in England häufig gedoppelt. So könnten sich für Özil Lücken ergeben. Und für Gegner gravierende Probleme.

Ronaldo, Bale, Özil oder - im Falles eines Wechsels des DFB-Spielers -Zugang Isco: Sie alle auszuschalten, auch die übrigen Madrilenen zu neutralisieren und dabei selbst noch Torgefahr zu entwickeln, dürfte für viele Gegner unmöglich sein.

Gegen Spitzenteams könnten sich für Real indes neue Probleme auftun. Womöglich ist Madrid mit Bale und Ronaldo zu offensiv ausgerichtet. Beide Stars arbeiten nicht konsequent gegen den Ball, beide neigen dazu, nicht diszipliniert auf Abwehr umzuschalten, wenn der Gegner am Zug ist. Ronaldo bevorzugt es, auch dann vorne zu lauern. So spart er Kräfte für den nächsten Angriff und kann direkt in Strafraumnähe bedient werden, sobald die eigenen Abwehrspieler den Ball erobert haben. Auch Bale ging in der vergangenen Saison bei den Spurs nicht so regelmäßig ins Gegenpressing wie seine Mitspieler.

Ob Reals Plan mit Bale aufgeht, wird davon abhängen, ob Trainer Carlo Ancelotti die beiden Superstars in ein funktionierendes Defensivkonzept integrieren kann - ohne sie dabei ihrer Offensivstärken zu berauben. Nur eine gute Torquote und der Meistertitel werden Clubboss Florentino Pérez nicht genügen. Bale und Ronaldo: Gemeinsam sollen sie Real zum zehnten Triumph in der Champions League führen. Nur dann wird es in Zukunft heißen: Sinnlos war der Transfer jedenfalls nicht.



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Seite 1
stefansaa 02.09.2013
1.
Einfach nur noch Wahnsinn. Das schlimme daran ist, dass dieser Wahnsinn weiter gehen wird und die 100 Mio. nur die nächste Schallmauer war. Ich glaube nicht, dass Gareth Bale diese 100 Mio. wieder einbringt oder erspielen kann. Daher verstehe ich nicht, wie man aus reiner Wirtscahftlichkeit eine solche Ablösesumme rechtfertigen kann.
Msc 02.09.2013
2. optional
Für die 193 Millionen von Ronaldo und Bale hätten sie sich auch ganz Bayern München kaufen können.
no__comment 02.09.2013
3. Umsatzbringer
Zitat von sysopAFPWas verspricht sich Real Madrid von Gareth Bale? Ziemlich viel, sonst würde der Club nicht 100 Millionen Euro für den Waliser zahlen. Tatsächlich dürfte die Real-Offensive mit ihm nahezu übermächtig werden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/100-millionen-dollar-fuer-gareth-bale-das-kann-real-madrids-neuzugang-a-915957.html
Vermutlich wird ein Großteil dieser Summe über den Trikotverkauf an (englische) Fans wieder reingeholt. Ronaldo-Fans sollten mittlerweile zum größten Teil bedient sein. Ich denke nicht, dass Real ein schlechtes Geschäft macht. Und Fußball spielen kann Bale ja obendrein auch noch recht gut.
restauradores 02.09.2013
4. 100.000.000!
Zitat von sysopAFPWas verspricht sich Real Madrid von Gareth Bale? Ziemlich viel, sonst würde der Club nicht 100 Millionen Euro für den Waliser zahlen. Tatsächlich dürfte die Real-Offensive mit ihm nahezu übermächtig werden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/100-millionen-dollar-fuer-gareth-bale-das-kann-real-madrids-neuzugang-a-915957.html
Real und ähnliche Klubs sollten mit dem Geld lieber mal die Tafeln und Obdachlosen in Spanien unterstützen. Das wäre wirklich REAL, königlich!
agoptron 02.09.2013
5. Wo nimmt Real das Geld her?
Faktisch ist auch REAL derart hoch verschuldet das es diesen Transfer eigentlich gar nicht bezahlen kann. Ich kann mir auch nicht vorstellen das es mit den UEFA Regeln im Einklang steht.
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