"1000 Tipps für Auswärtsspiele" Deutschland, deine Fußballstadien

Das Bier schmeckt schal, dafür ist die Stadionwurst ein Kracher: Bei einer Auswärtsfahrt sind manche Tipps für Fußballfans nahezu überlebenswichtig. Eine Buch-Neuauflage bietet nun die Rundumversorgung für reisewillige Anhänger und fasziniert mit Fotos aus der Stadionwelt Deutschlands.

Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena: Haupttribüne "verdammt steil"
Michael Seiß

Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena: Haupttribüne "verdammt steil"


Das Schönste an "1.000 Tipps für Auswärtsspiele" sind die Bilder. Okay, das ist für ein Sachbuch nur selten ein Kompliment. Aber in diesem Fall kommt man nicht daran vorbei. Trotz all der "knackig-kurzen und informativen Analysen", so der Verlag, für die Schlachtenbummler dieser Republik, fasziniert die Neuauflage der Kombination aus Liga- und Reiseführer von Michael Seiß vor allem durch die Aufnahmen der unterschiedlichsten Stadien deutscher Fußballvereine. Und für die hat der Autor und Fotograf ausdrücklich Lob verdient.

Das über 80 Jahre alte Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena in seiner vollen Pracht bei strömendem Regen. Das Stadion des FSV Frankfurt, gesponsort von einer deutschen Bank, das aussieht wie eine Bunkeranlage. Oder das baufällige Westsachsenstadion, die "Halde" in Zwickau, im winterlichen Schneetreiben. Seiß zeigt sie (fast) alle, von A bis Z. Die schönen und die hässlichen, die neuen und die alten. Auch für Fans sind echte Geheimtipps dabei. Wer war schließlich schon einmal bei der Spielvereinigung Bayern Hof? Das Städtische Stadion Grüne Au des Bayernligisten gilt unter Groundhoppern als Geheimtipp, gerade weil es nicht mehr taufrisch ist (Baujahr: 1913).

"1.000 Tipps für Auswärtsspiele" hat weitere Vorteile, auch wenn wir nicht nachgezählt haben, ob der Titel hundertprozentig berechtigt ist. Gute Currywurst? Gibt's offenbar in Essen zu essen. Das Stadionheft des Hamburger SV ist nicht nur preisgekrönt, sondern auch sein Geld wert, findet der Autor. Und die Stadionkneipe "Brazil" in Schweinfurt sei "unbedingt einen Besuch wert".

"Geschäfte überwiegend auf Dixi-Klos"

Auf 320 Seiten bietet das Buch Hilfe für die wichtigsten Probleme bei einer Auswärtsfahrt. Egal ob Eintrittspreise im fremden Stadion, Plätze für Rollstuhlfahrer und Öffnungszeiten von Fanshops: Seiß weiß Bescheid. In seinen besten Momenten kommentiert er ironisch die Kluft zwischen Stadionbau und sportlichem Absturz beim Traditionsverein Waldhof Mannheim oder ordnet die Qualität der Toiletten in der Fürther Trolli-Arena ein: "Im Gästebereich werden die Geschäfte überwiegend auf Dixi-Klos verrichtet."

Ob der Fußballfan allerdings ein Buch benötigt, das erklären will, wo es möglichst schnell zum Gästeblock geht, ist zweifelhaft. Im Zeitalter von Smartphones wirken auch die Hinweise der örtlichen öffentlichen Verkehrsmittel etwas überholt. Nützlicher sind da schon die Einschätzungen der Fanlager der Heimmannschaften oder Empfehlungen für eine Kneipentour nach dem Schlusspfiff.

Und wem das nicht genug ist, der kann sich von Autor Seiß, der Pressesprecher des ehemaligen Bundesligisten und aktuellen Westfalenligisten Wattenscheid 09 ist, einfach all jene Orte zeigen lassen, an denen Fußballfans am Wochenende schon einmal gewesen sein sollten, fernab des großen Bundesliga-Ballyhoos: Die Grotenburg-Kampfbahn in Krefeld, das Waldau-Stadion der Stuttgarter Kickers und, und, und.



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Querschläger, 06.10.2011
1. ...
---Zitat--- einfach all jene Orte zeigen lassen, an denen Fußballfans am Wochenende schon einmal gewesen sein sollten, fernab des großen Bundesliga-Ballyhoos: Die Grotenburg-Kampfbahn in Krefeld, das Waldau-Stadion der Stuttgarter Kickers und, und, und. ---Zitatende--- Wer sich in den 80er und 90er des Groundhopping betätigt hat bzw. seinem Verein zu Auswärtsspielen gefolgt ist, konnte in den v.g. Stadien sogar noch Bundesligaluft schnuppern. ;-)
Florentinio 06.10.2011
2. nun ja
Zitat von QuerschlägerWer sich in den 80er und 90er des Groundhopping betätigt hat bzw. seinem Verein zu Auswärtsspielen gefolgt ist, konnte in den v.g. Stadien sogar noch Bundesligaluft schnuppern. ;-)
So ganz stimmt das nicht, die Kickers spielten in der ersten Liga im Nackarstadion.
mrgraffity 07.10.2011
3. In meinem Schrank...
...steht noch die Erstausgabe vom Klartext-Verlag aus dem Jahr 1993. Was für eine schöne Zeit, die Stadien sahen von außen noch aus wie Stadien, sie hießen noch so und boten eine individuelle Architektur. Für Gästefans gab es genügend Stehplätze und die Gastronomie lud auch während des Spiels zu einem längeren Aufenthalt ein :-) Jaja, die gute alte Zeit...
ccaa 07.10.2011
4. Bin ich froh, ...
... wenn ich bei "meinem" Stadion von weitem schon die Flutlichtmasten sehe. Selbst Flutlichtmasten gehören inzwischen ja schon zu den gefährdeten Relikten einer anderen Fußballzeit...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.