Skandalspiel in München DFB ermittelt nach Ausschreitungen von 1860-Fans

Die Fanausschreitungen beim Abstieg des Traditionsklubs 1860 München haben ein Nachspiel, der DFB ermittelt. Bayerns Innenminister fordert lange Stadionverbote für die Randalierer.

Polizeikette vor der Nordtribüne
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Polizeikette vor der Nordtribüne


Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bunds wird nach den Ausschreitungen im Relegationsspiel zwischen 1860 München und Jahn Regensburg Ermittlungen einleiten. Dies bestätigte ein DFB-Sprecher. 1860 droht eine harte Strafe.

Anhänger des Traditionsklubs hatten noch während der Partie für eine Spielunterbrechung gesorgt. Nachdem das 0:2 gefallen und der Abstieg des Münchner Zweitligisten fast sicher war, warfen die Fans Sitzschalen, Stangen und andere Gegenstände auf den Platz.

Schiedsrichter Daniel Siebert unterbrach das Spiel in der 81. Minute, Polizisten und Ordner positionierten sich vor der Nordtribüne. Nach einer 15-minütigen Unterbrechung wurde das Spiel fortgesetzt und auch nicht abgebrochen, als weitere Wurfgegenstände auf den Platz flogen. Mehrere Polizisten wurden leicht verletzt.

Jahn-Torhüter Philipp Pentke, in dessen Strafraum die Gegenstände flogen, berichtete nach dem Spiel - und dem Aufstieg seiner Mannschaft in die zweite Liga - von einem Deal mit Schiedsrichter Siebert: "Wir hatten die Absprache, dass wir weiterspielen, solange ich nicht getroffen werde. Ein bisschen Risiko war schon dabei."

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1860-Abstieg: Fliegende Sitze aus der Löwen-Kurve

Laut Pentke wäre die Gefahr bei einem tatsächlichen Spielabbruch groß gewesen, die Lage womöglich völlig aus dem Ruder gelaufen. Diese Einschätzung teilte offenbar auch die Münchner Polizei, die laut Informationen des Sportinformationsdienstes Schiedsrichter Siebert dazu geraten haben soll, die Partie fortzusetzen. Dadurch sollte eine weitere Eskalation verhindert werden.

Dies bestätigte indirekt auch Lutz Michael Fröhlich, Schiedsrichter-Chef des DFB: "Wichtig bei einer solchen Entscheidung ist die enge Kooperation mit den Sicherheitsverantwortlichen und dem Veranstalter. Im Sinne einer deeskalierenden Strategie war eine Fortsetzung des Spiels nachvollziehbar. Ein Abbruch des Spiels hätte die Situation noch verschlimmern können."

Kritik an den 1860-Anhängern äußerte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Die Aktionen "sogenannter Löwen-Fans" seien völlig indiskutabel, sagte der CSU-Politiker im Landtags-Innenausschuss. Er forderte den DFB auf, mindestens lang anhaltende Stadionverbote auszusprechen. Wer sich so verhalte, wer Spieler und Polizisten mit Gegenständen bewerfe, habe in einem Stadion nichts verloren, sagte Herrmann.

Die Polizei, die eine Ermittlungsgruppe eingerichtet hat, gab am Mittwoch bekannt, dass im Umfeld des Spiels insgesamt zehn Personen vorläufig festgenommen worden seien. Ihnen werden versuchte gefährliche Körperverletzungen, Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, Beleidigung und Diebstahl vorgeworfen.

bka/sid/dpa



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kraftmeier2000 31.05.2017
1. Da gibt es nicht viel
zu diskutieren, das heißt Randalierer ausfindig machen, dann eine Lebenslanges Stadionverbot, dazu noch ein Gerichtsverfahren wegen diverser (z.B. Sachbeschädigung, Körperverletzung etc.) Krimineller Handlungen. Das sind keine Fans mehr, sondern einfach nur Kriminelle, die Ihr bisschen Hirn dann wohl auch noch am Eingang des Stadions abgegeben haben.
ProbeersEinfach 31.05.2017
2.
Wäre auch eine gute Möglichkeit den Verein samt Fans endlich aus der Arena zu schmeißen @FCB. Sportlich dürfte es das sowieso gewesen sein mit den Löwen.
treime 31.05.2017
3. Was wäre ...
... noch deeskalierend gewesen, wenn der nicht unwahrscheinliche Fall eingetroffen wäre und ein Spieler hätte eine Sitzschale oder Eisenstange an den Kopf bekommen? Muss es erst soweit kommen? Deeskalation ist sicher die erste Wahl. Aber das gestern... Da hätte ich eine Räumung des Blocks durch die Polizei nur gewünscht. Inklusive anschließender Einkesselung bis alle "normalen Fans" abgereist sind. Und komm mir keiner mit "da waren auch normale Fans"... Von wegen. 1860 lief mit großen Schritten auf die Katastrophe zu - das muss jedem Fan bewußt gewesen sein, das die Wahrscheinlichkeit eines Abstiegs größer als 50% war. Die Mannschaft unter Führung eines nichtdeutschsprechenden Trainerteams, seit Monaten keine echte Startelf erkennbar - keine Spielidee. Wenn dann die Fans schon zum Ende von Halbzeit Eins dem Team den Rücken zukehren, ist das sicherlich förderlich für dessen Motivation... Haha 1860. Ich hoffe, euch folgen noch die widerlichen BTSV Fans nächste Saison in die Dritte Liga.
claude 31.05.2017
4. vieles aufzuarbeiten
Hier gibt es sehr vieles aufzuarbeiten. Von versuchter gefährlicher Körperverletzung oder gar versuchtem Totschlag einerseits, bis hin zur unterlassenen Hilfeleistung seitens der Sicherheitskräfte andererseits. Es kann doch nicht sein, dass man die Spieler von Regensburg wissentlich einer Gefahr im Verzug ausgesetzt hat, "weil es sonst noch hätte schlimmer können". Nie und nimmer dürfen Sicherheitskräfte wissentlich eine Person bewusst einer ernsten Gefahr für Leib und Leben aussetzen, um vielleicht (oder auch nicht) etwas anderes zu verhindern. Der Verantwortliche der Sicherheitkräfte gehört geteert und gefedert.
effesste 31.05.2017
5. Meiner Meinung nach ...
... gehört so ein Spiel in erster Linie - egal in welcher Spielminute und egal bei welchem Spielstand - sofort abgebrochen und mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen gegen den Verein gewertet, aus dessen Ecke die Randale kam. Ob gegen einen sofortigen Abbruch größere Sicherheitsbedenken bestehen als gegen eine Fortsetzung, vor allem so kurz vor ohnehin Spielende, ist eine Frage, die primär die Sicherheitskräfte vor Ort abwägen und entscheiden sollten; dann muss aber seitens des DFB eine nachträgliche Wertung des Spiels gegen den Verein "am grünen Tisch" möglich und auch regelmäßige Folge sein. Gewalt und Randale dürfen sich niemals und unter keinen Umständen auszahlen! Abbruch und "Strafwertung" dürften meines Erachtens übrigens durchaus auch greifen, wenn "nur" Pyrotechnik abgebrannt wird, erst recht natürlich wenn so etwas oder eben Böller (Braunschweig!) in den Innenraum geworfen wird. Erst wenn die "normalen" Fans (und teilweise auch die Vereinsführungen) merken, dass das asoziale Randaliererpack ihrem Verein massiv Schaden zufügt, wird (vielleicht) ein Umdenken einsetzen und werden diese Kriminellen (vielleicht) nicht mehr gedeckt.
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