Aus von Flick in Hoffenheim Hopps nächste Fehlentscheidung

Hans-Dieter Flick kam als Geschäftsführer zu 1899 Hoffenheim, doch was genau sein Job war, blieb unklar. Sein Abgang ist das Ende eines Missverständnisses.

Hansi Flick
DPA

Hansi Flick


Julian Nagelsmann brachte die Spieltagskonferenz am Donnerstag gut gelaunt, auskunftsfreudig und angemessen ironisch über die Bühne. Dass er "schmallippig", "beleidigt" und "schlecht gelaunt" gewesen sein soll, wie es manche Zeitungen gedeutet hatten, kann man nicht behaupten.

Bis zu dem Moment, als Nagelsmann auf die Trennung von Geschäftsführer Hans-Dieter "Hansi" Flick angesprochen wurde.

Der Vertrag mit Flick ist am Montag nach nur 241 Tagen im Amt aufgelöst worden. Der ehemalige DFB-Sportdirektor selbst sagt nichts zu der Angelegenheit. Was gleich in zweierlei Hinsicht zu ihm passt. Einerseits, weil ihm die Medienarbeit nicht liegt. Und andererseits, weil er niemand ist, der Talent für Kampagnen in eigener Sache hätte. Dazu ist er zu uneitel und zu anständig.

Eloquent agierte hingegen die Hoffenheimer Pressestelle. In den Tagen zuvor hatte es geheißen, man wisse nichts von anstehenden Veränderungen in der Geschäftsführung. Dann erschien eine Pressemeldung ("Veränderung in der TSG-Geschäftsführung"), die viele Zitate von Flick und Vereinsboss Dietmar Hopp enthielt. Beide legten "Wert auf die Feststellung, dass Berichte über Machtkämpfe in der TSG-Führung oder abgelehnte Strukturpläne frei erfunden sind und jeder Grundlage entbehren."

Ein Missverständnis, das auf eine Entscheidung von Dietmar Hopp zurückgeht

Das stimmt zumindest insofern, als sich mancher im Verein auch nach acht Monaten noch gefragt hat, worin genau der Aufgabenbereich von Flick besteht. Er hat unter anderem Expertisen über Trainer erstellt, die irgendwann einmal Nagelsmann ersetzen könnten, falls der seinen gültigen Vertrag nicht verlängert. Er hat Trainingseinheiten beobachtet, wie Nagelsmann berichtete: "Ich habe ihn oft gesehen, wir hatten einen guten Austausch. Er war manchmal auch in der Kabine." Das allerdings gilt auch für Manager Alexander Rosen, der ebenfalls nah an der Mannschaft ist.

Hansi Flick, Dietmar Hopp (Hintergrund)
DPA

Hansi Flick, Dietmar Hopp (Hintergrund)

Womit das eigentliche Problem der Causa Flick beschrieben wäre: Sie war von vornherein ein Missverständnis, und nicht zum ersten Mal in der Hoffenheimer Geschichte eines, das auf eine Entscheidung von Eigentümer Hopp zurückgeht. Flick war ohne Stellenbeschreibung verpflichtet worden, letztlich auch, ohne dass es eine Leerstelle im Organigramm des Klubs gegeben hatte. Bei der TSG kann man auch 2018 nur dann effizient arbeiten, wenn man sich mit Hopp gut stellt.

Eine neue Organisationsstruktur, die Flick hätte entwerfen können, hätte aber genau diese Abhängigkeit von Hopp problematisieren müssen - und das ist auch 2018 noch unmöglich. Zumal Hopp Flick als seinen Vertrauten geholt hatte. Es hatte Signale aus Frankfurt gegeben, dass sich Flick, der unweit des Trainingszentrums in Bammental wohnt, verändern wollte. Für Hopp war die Verpflichtung eines Weltmeisters schon aus Prestigegründen ein Selbstgänger. Zumal Hopp selbst weiß, dass es ein großer Fehler war, Flick 2005 nach fünf Jahren als Cheftrainer entlassen zu haben.

Womöglich eine Wiedergutmachung für 2005

Der Fußballfachmann, dessen Anteil am Gewinn des WM-Titels unterschätzt wird, hatte eine junge, spielstarke Drittliga-Mannschaft zusammengestellt, die vor dem Aufstieg in die Zweite Liga stand. Doch da Hopp die Geduld verlor, ersetzte er ihn durch Lorenz-Günther Köstner. Prompt ging es bergab, Köstner warf hin, im Sommer darauf übernahm Ralf Rangnick, der Rest der Erfolgsgeschichte ist bekannt. Gut möglich also, dass Flicks Verpflichtung 2017 auch eine Wiedergutmachung für 2005 war.

"Wir erwarten eine Aufbruchstimmung, von der alle profitieren", hatte Hopp damals gesagt. Doch die entstand schon deshalb nicht, weil die TSG zum Zeitpunkt von Flicks Inthronisierung die beste Saison ihrer Geschichte gespielt hatte und keiner so recht wusste, was es bei der Zusammenarbeit von Nagelsmann, Rosen und Sport-Geschäftsführer Peter Görlich zu verbessern geben sollte.

Dass der harmoniebedürftige Flick zurück zur TSG ging, war ein schwerer Fehler. Finanziell dürfte er nicht zu seinem Schaden gewesen sein. Und so endete Anfang der Woche eine auf fünf Jahre angelegte Zusammenarbeit als kostspieliges Missverständnis.



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gammoncrack 02.03.2018
1. Wenn man liest, dass Flick
ohne Stellenbeschreibung bei Hoffenheim angefangen hat, dann ist mir nun klar, dass die Erfolgsgeschichte von SAP bestimmt nur zu einem geringen Anteil sein Verdienst war. Das müssen wohl eher die Verdienste von Plattner, Wellenreuther, Hector und Tschira gewesen sein. Wer einen guten Mann wie Flick ohne eine solche Beschreibung, die Verantwortungsbereiche und deren Grenzen, zu beiden Seiten, festlegt, ins Unternehmen holt, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Das kann keine Erfolgsgeschichte werden.
forestfox 02.03.2018
2. Teamplay und Stellenbeschreibungen
Hopp hat nach meiner Beobachtung bei SAP immer Teamplay, Fairness und Kompetenz gefördert. Wobei Letzteres in den ersten Jahren bei SAP deutlich bedeutsamer als die Stellenbeschreibung war.
rme 02.03.2018
3.
Ich hatte irgendwo gehört, Flick sollte den Verein bei dessen Auftritt im internationalen Geschäft verstärken. Ich fand das damals eine gute Idee, gibt es doch genügend Beispiele für Mannschaften, die zum ersten Mal international spielten und dabei nicht gut aussahen, erst recht in Liga. Aber das scheint nicht geklappt zu haben, war der Auftritt von Hoffenheim in EL doch recht überschaubar. Auch in der Liga läuft es in dieser Saison nicht so recht, aber immerhin ist Hoffenheim kein Abstiegskandidat wie die auch international spielenden Kölner.
gammoncrack 02.03.2018
4. Das hat damit doch nichts zu tun.
Zitat von forestfoxHopp hat nach meiner Beobachtung bei SAP immer Teamplay, Fairness und Kompetenz gefördert. Wobei Letzteres in den ersten Jahren bei SAP deutlich bedeutsamer als die Stellenbeschreibung war.
Sie sprechen von der Zeit nach der Einstellung eines Mitarbeiters.Hier geht es doch, wie bei Flick, darum, jemandem zu sagen, was sein Job ist. Und zwar vor der Einstellung. Was nützt mir Teamplay, Fairness und Kompetenz, wenn ich nicht weiß, was ich tatsächlich zu tun und zu lassen habe. Jede SAP-Anzeige beinhaltet heute eine kurz gefasste Stellenbeschreibung. War das zu Hopps Zeiten nicht so?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.