2:1 in Wien: Gomez besiegt Österreich und sein Trauma
Der sechste Triumph im sechsten Spiel: Deutschland hat die Teilnahme an der EM jetzt so gut wie sicher. Den Erfolg gegen die kreuzbraven Österreicher verdankte das Team von Bundestrainer Löw aber nur ihrem Mittelstürmer. Mario Gomez besiegte mit seinen beiden Toren aber auch sein Wiener Trauma.
An der Stadionregie im Wiener Prater hat es nicht gelegen. Sie hat alles gegeben. Schon vor dem Anpfiff ließ sie ausschließlich Hits aus den achtziger Jahren durchs weite Rund schallen: Dire Straits, Bon Jovi, Bruce Springsteen. Wohl in Erinnerung daran, dass dies das Jahrzehnt war, in dem Österreich letztmals gegen ein deutsches Team gewonnen hatte. Dann war der Radetzkymarsch an der Reihe, und 40.000 Österreicher schwenkten dazu inbrünstig ihre Fähnchen, die ein Salzburger Bierhersteller extra zur Verfügung gestellt hatte. Als das Spiel begonnen hatte, besang das rot-weiß-rote Publikum mit Verve 90 Minuten lang "Immer wieder Österreich".
Und all das wurde nicht belohnt. Vielmehr sogar brutalstmöglich bestraft durch Mario Gomez.
Zweimal brachte der Bayern-Stürmer das Publikum jäh zum Schweigen, als hätte er dem gesamten Ernst-Happel-Stadion den Strom auf einmal abgedreht. Pünktlich zum Ende der ersten und zum Ende der zweiten Hälfte schlug Gomez zu und bescherte der DFB-Elf somit den sechsten Sieg im sechsten EM-Qualifikationsspiel. Den mit Abstand glücklichsten noch dazu.
Dass Mario Gomez trifft, ist in diesen Monaten wirklich nichts Besonderes. Dass der Torschützenkönig der Liga dies gegen die Österreicher getan hat, schon. Im Vorfeld des Spiels hatte sich schließlich alle Welt darin versucht, den Stürmer an eine Szene zu erinnern, die er ohnehin nicht vergessen haben dürfte. Seine legendär vergebene Torchance aus dem EM-Vorrundenspiel 2008 gegen Österreich in der Sigmund-Freud-Stadt Wien hat das sogenannte Gomez-Trauma begründet. Dies dürfte nach dem jetzigen Abend nachhaltig beendet sein.
"Ich habe nach dem, was damals passiert ist, einfach immer weitergemacht", erinnerte Gomez in der Stunde seines persönlichen Triumphes noch einmal selbst an diesen düsteren Moment in seinem Stürmerleben. Tatsächlich hat Gomez eine lange Zeit gebraucht, um aus dem damals entstandenen Tief herauszukommen. Allerdings gab es auch genug andere Ursachen, warum er im Anschluss an die EM nicht mehr so treffsicher war wie vorher, Ursachen, die weit über den Fehlschuss von Wien hinausgehen. Gomez wollte das am Freitag im Detail alles gar nicht mehr analysieren. Und deswegen kann man das Thema jetzt auch getrost ruhen lassen.
Bundestrainer Joachim Löw hatte ohnehin, wie er behauptete, schon seit längerem wenig Zweifel gehabt, dass der Torjäger irgendwann auch in der Nationalelf seine Treffsicherheit zurückgewinnen würde. "Mario war zuletzt schon in seinen Aktionen ungemein klar und unglaublich sicher, zudem strotzt er vor Selbstbewusstsein", so Löw. Von daher strahle der Mittelstürmer derzeit "die Selbstsicherheit im Strafraum aus, immer das Richtige zu machen".
Fast alle im Team unter Normalform
Der verletzungsbedingte Ausfall von Stürmer-Konkurrent Miroslav Klose hatte Gomez für die beiden letzten Länderspiele gegen Österreich und am kommenden Dienstag in Aserbaidschan den Stammplatz zufallen lassen. Aber er hätte auch gespielt, wenn sein Münchner Teamkollege fit gewesen wäre, wie Löw anschließend verriet: "Ich hätte gegen Österreich sehr gerne im 4-4-2-System mit Klose und Gomez gespielt. Das hätte den Österreichern wahrscheinlich noch mehr Probleme bereitet."
Noch mehr Probleme? So viele hatte die Elf von Trainer Dietmar Constantini mit ihren deutschen Gegnern wirklich nicht zu bewältigen gehabt. Bis auf Gomez agierten praktisch alle im DFB-Team unter der Normalform. Vor allem Innenverteidiger Arne Friedrich zeigte eine ausnehmend schwache Partie und ließ sich selbst von einem durchschnittlichen Bundesligastürmer wie dem Kaiserslauterer Erwin Hoffer wiederholt düpieren. Marcel Schmelzer und Philipp Lahm zeigten sich als höfliche Gäste und überließen den österreichischen Angreifern bereitwillig die Außenpositionen, und selbst Torwart Manuel Neuer bolzte einen Abschlag ins Seitenaus und tauchte unter einem Eckball glatt hindurch.
"Die Spieler sind am Limit, am Ende ihrer Kräfte, sie brauchen unbedingt die vier Wochen Urlaub", so Löw, der vor der anstrengenden Reise nach Aserbaidschan denn auch die Spieler am Samstag und Sonntag gar nicht mehr mit dem Spielgerät belästigen wollte. "Ich gönne ihnen allen mal eine Pause vom Ball und vom Platz." Unter diesen Umständen "kann man doch irgendwie zufrieden sein, dass man auch solche Spiele trotzdem noch gewinnen kann".
Ein Spiel, das zuvor immerhin fast durchgehend gute Unterhaltung geboten hatte. Es gab zahlreiche Torgelegenheiten, viel Tempo, wenig Härten - aber für all dies sorgten vorrangig die Österreicher, die sich artig die Kehle aus dem Hals rannten, aber auch beim Torabschluss offenbarten, um was für eine kreuzbrave Truppe es sich dabei im Grunde handelt. Es ist, nicht zu vergessen, der 74. der Weltrangliste, der dort gegen den aktuellen Vierten antrat.
Ein Unentschieden hätten die Gastgeber in jedem Fall verdient gehabt. Gomez hat ihnen das verdorben. Als er zum 2:1 traf, verließen die Wiener Zuschauer kopfschüttelnd und fluchtartig das Stadion. Zurück bleiben die rot-weiß-roten Fähnchen des Sponsors, von vielen Zuschauern aus Frust entzweigebrochen. Geknickt - wie die ganze österreichische Fußballnation an diesem Wiener Abend.
Österreich - Deutschland 1:2 (0:1)
0:1 Gomez (44.)
1:1 Friedrich (50./Eigentor)
1:2 Gomez (90.)
Österreich: Gratzei - Klein, Scharner , Pogatetz, Fuchs - Ekrem Dag (66. Junuzovic), Kulovits, Baumgartlinger, Alaba - Harnik (81. Royer), Hoffer (88. Janko)
Deutschland: Neuer - Lahm, Friedrich, Hummels, Schmelzer - Khedira (69. Badstuber), Kroos (90+3. Aogo), Müller, Özil, Podolski (66. Schürrle) - Gomez
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)
Zuschauer: 47.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Baumgartlinger, Scharner - Gomez
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- Samstag, 04.06.2011 – 08:54 Uhr
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| DFB-Spielplan 2011 | ||
| Datum | Gegner | Austragungsort |
| 09.02. | Italien (1:1) | Dortmund |
| 26.03. | Kasachstan (4:0) | Kaiserslautern |
| 29.03. | Australien (1:2) | Mönchengladbach |
| 29.05. | Uruguay (2:1) | Sinsheim |
| 03.06. | Österreich (2:1) | Wien |
| 07.06. | Aserbaidschan (3:1) | Baku |
| 10.08. | Brasilien (3:2) | Stuttgart |
| 02.09. | Österreich (6:2) | Gelsenkirchen |
| 06.09. | Polen (2:2) | Danzig |
| 07.10. | Türkei (3:1) | Istanbul |
| 11.10. | Belgien (3:1) | Düsseldorf |
| 11.11. | Ukraine (3:3) | Kiew |
| 15.11. | Niederlande (3:0) | Hamburg |
*EM-Qualifikationsspiel
|
||
| Höchste DFB-Siege in der EM-Qualifikation | ||
| Datum | Gegner | Ergebnis |
| 06.09.2006 | San Marino | 13:0 |
| 28.02.1976 | Malta | 8:0 |
| 27.02.1980 | Malta | 8:0 |
| 08.04.1967 | Albanien | 6:0 |
| 02.06.2007 | San Marino | 6:0 |
| 07.09.2010 | Aserbaidschan | 6:1 |
| 08.10.1995 | Moldawien | 6:1 |
| 04.06.1999 | Moldawien | 6:1 |
| 17.10.1979 | Wales | 5:1 |
| 26.10.1983 | Türkei | 5:1 |
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- Tabelle: Deutschland mit deutlichem Abstand auf Rang 1
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