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2:42-Pleite in österreichischer Fußball-Liga: "Wie Antilopen gegen Löwen"

Ein Interview von

Gegentor (Symbolfoto): "Muss den Burschen Respekt zollen" Zur Großansicht
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Gegentor (Symbolfoto): "Muss den Burschen Respekt zollen"

Der Mödling SC verlor in der untersten Wiener Spielklasse 2:42 - und verhinderte doch den Aufstieg des Gegners. Hier erklärt der Trainer, warum er auf seine Mannschaft stolz ist.

Der Mödling SC spielt in Österreich in der untersten Spielklasse des Wiener Fußballverbands (WFV), der 2. Klasse Ost/Mitte. Am letzten Spieltag verlor der Verein 2:42 gegen Unterwaltersdorf - und verhinderte doch die Meisterschaft des Gegners. Mödling beendete die Saison mit zwei Punkten und 10:223 Toren als Tabellenletzter, und trotzdem erklärt Trainer Michael Kanyka, warum er stolz auf seine Mannschaft ist.

SPIEGEL ONLINE: Herr Kanyka, Ihre Mannschaft hat am letzten Spieltag 2:42 gegen Unterwaltersdorf verloren. Gleichzeitig haben Sie Ihrem Gegner den Aufstieg vermasselt. Sind Sie peinlich berührt oder stolz?

Kanyka: Ich muss den Burschen Respekt zollen. Wir waren nur zehn Leute. Ich habe einen Spieler von der Reservemannschaft aufgestellt, der hatte ein paar Stunden zuvor schon einmal 90 Minuten gespielt und nach 20 Minuten Krämpfe bekommen. Einer hat mit Fieber gespielt, ich mit 49 Jahren habe mich auch noch aufgestellt ab der 15. Minute. Und wir hatten keinen Torwart, es stand ein Stürmer drin.

SPIEGEL ONLINE: Wie war er?

Kanyka: Er hat das Beste draus gemacht und sogar einen Elfmeter gehalten. Mit mir im Tor hätten wir sicher 70 Tore gekriegt.

SPIEGEL ONLINE: Alle zwei Minuten ein Gegentor - beschreiben Sie doch mal, was am Montag passiert ist.

Kanyka: Es war wie Antilopen gegen Löwen. Wir haben ein Tor kassiert, dann den Anstoß ausgeführt, den Ball weggeschossen, und schon lag er wieder in unserem Tor. So ist das die ganze Zeit gegangen. Die haben uns einfach überrannt. Aber ich bin Sportler durch und durch.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Kanyka: Dass man das fair zu Ende bringen und sich eingestehen muss: Die waren halt um die 40 Tore besser. Wir haben alles gegeben. Wenn ein Spieler gesagt hat, "Trainer, ich kann nicht mehr", haben wir ihn hinten reingestellt. Auch dass wir dann noch zwei Tore machen, ist sensationell. Das waren zwei klassische Kontertore.

SPIEGEL ONLINE: Neun Tore mehr und Ihr Gegner wäre aufgestiegen.

Kanyka: Genau, das war uns das Wichtigste: Niemand kann uns Wettbewerbsverzerrung vorwerfen. Wenn wir das gewollt hätten, dann wären wir gar nicht angetreten oder wären abgetreten in der Pause. Wenn Sie stark ersatzgeschwächt gegen den Meisterschaftsanwärter spielen, kann man nur schauen, dass man die Beulen wegspült. Es ist peinlich. Aber es wäre noch peinlicher gewesen, nicht rauszugehen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie jemals in ähnlicher Höhe verloren?

Kanyka: Nein, höchstens auf der Playstation gegen meinen Sohn.

SPIEGEL ONLINE: 223 Gegentore in der Saison, zehn Mal zweistellig verloren, nur zwei Punkte. Trainieren Sie das schlechteste Team Österreichs?

Kanyka: Von den Toren her auf alle Fälle, aber es gibt Vereine, die null Punkte haben. Jetzt werden wir schauen, was wir nächstes Jahr machen. Wir haben nun Zeit, in der Sommerpause etwas zu bewegen

SPIEGEL ONLINE: Und was ist das Ziel?

Kanyka: Auf alle Fälle nicht Letzter werden. Und nicht wieder 200 Tore kriegen.

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insgesamt 47 Beiträge
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1.
roflxd 16.06.2015
42 Gegentore in 90 Minuten? Da stellt sich zwangsläufig die Frage, wie so etwas möglich ist. Die verlierenden Spieler müssen blinde und übergewichtige Asthmatiker gewesen sein.
2. Hoppla
Eduschu 16.06.2015
Auch von mir: Respekt! Allein schon ein solches Spiel zu Ende zu spielen, nötigt Respekt ab. Erinnert mich an meine Jugend. Manchmal, wenn wir am Montag in der Schule über das am Wochenende Erlebte sprachen, hatten die Handballer unter uns niedrigere Niederlagen zu beklagen als wir Fußballer.
3.
Msc 16.06.2015
Ich hab gehört Weidenfeller wäre zu haben, das wäre doch was für ihn.
4. Passt schon
weem 16.06.2015
Ich kann ihn verstehen. Wurde mal selbst in meiner Jugendmannschaft Torschützenkönig mit 4 Toren..über den Rest decke ich ein Mantel des Schweigens..
5.
widastandiszwäglos 16.06.2015
Als Amateur-Fußballer fällt es mir schwer zu glauben, dass hier nicht doch der Aufstieg verschenkt werden sollte, was eben misslang, da man so viele Tore dann doch nicht hingenommen hat. Ich behaupte, dass man in der selben Spielklasse so spielen kann, dass nicht mehr als 10 Gegentore je Halbzeit fallen. Wenn man tatsächlich so schlecht ist, dann sollte man nicht mehr antreten, das hat mit Sportsgeist nichts mehr zu tun.
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