Nürnbergs Sieg gegen Leipzig Bescheidene Überflieger

Die Euphorie beim "Club" wird größer: Durch Nürnbergs Sieg im Spitzenspiel gegen Leipzig entsteht ein Dreikampf um die direkten Aufstiegsränge. Ausgerechnet der große Favorit RB wirkt anfällig.

Von , Nürnberg

Mannschaftsjubel beim 1. FC Nürnberg
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Mannschaftsjubel beim 1. FC Nürnberg


Nürnbergs Trainer René Weiler ist nicht für laute Sprüche bekannt. Dabei hätte er aktuell allen Grund dazu: Sein Team blieb auch in der 17. Zweitliga-Partie in Folge ohne Niederlage - das jüngste 3:1 gegen den großen Aufstiegsfavoriten aus Leipzig war hochverdient.

Und dass aus dem Zweikampf zwischen RB und Freiburg nun ein Dreikampf mit dem 1. FC Nürnberg geworden ist, sollte den Coach eigentlich in großen Jubel versetzen. Weiler bleibt jedoch ruhig, obwohl seine Mannschaft mittlerweile richtig gute Chancen auf den direkten Sprung in die erste Liga hat.

"Wenn wir verloren hätten, wäre das eine Entscheidung im Aufstiegsrennen gewesen", sagte Weiler nach dem Erfolg: "Aber jetzt ist es schon so, dass sich auch die beiden Mannschaften ganz oben nicht mehr ganz sicher sein können." Das klang wie eine Kampfansage, schnell kehrte Weiler aber zur bekannten Bescheidenheit zurück. Er sprach vom "Rückspiegel", in den der "Club" bei aller Freude weiter schauen müsse.

Lauter als im Derby gegen Fürth

Dabei könnte der Blick durchaus nach vorne gerichtet werden. Sollte der Tabellenzweite Freiburg sein Spiel gegen den Karlsruher SC am Montag (Liveticker SPIEGEL ONLINE) verlieren, wäre Nürnberg weiter punktgleich mit dem Sportclub. Zuletzt war der SC jedoch mit fünf Siegen in Folge sehr stabil in Richtung Aufstieg unterwegs. Den Rückstand auf RB Leipzig hat der Club bereits auf nur noch drei Zähler reduziert.

Bescheiden, aber immer glücklicher - so lässt sich die Stimmungslage beim FCN derzeit beschreiben. Die 40.600 Zuschauer im Nürnberger Stadion feierten den Sieg gegen RB bereits ausgelassen - sogar viel euphorischer als den 2:1-Derbysieg gegen Fürth Ende Februar.

Für die traditionsbewussten Nürnberger Fans war der Sieg nicht nur wegen seiner sportlichen Bedeutung wichtig, sondern vor allem, weil der Gegner RB Leipzig hieß. "Against the machine" prangte vor der Partie in riesigen Lettern auf einem Transparent vor der Nordkurve. Eine deutliche Kritik an die fragwürdigen Vereinsstrukturen beim Gegner.

Doch egal, ob die Kommerz-Diskussion nun essentiell ist, wie die Club-Fans finden, oder falsch, wie man in Leipzig sagt: Darüber, dass der Nürnberger Sieg verdient war, gab es nach dem Schlusspfiff keinen Dissens.

Niclas Füllkrug (l.) mit René Weiler
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Niclas Füllkrug (l.) mit René Weiler

"Es ist ärgerlich, dass wir keinen Punkt mitgenommen haben", sagte Leipzigs Coach Ralf Rangnick, der nicht erwähnte, dass einige seiner Spieler unter der Woche grippekrank gefehlt hatten. "Wir haben es immer noch selbst in der Hand und in den Füßen." Zumal Leipzig individuell die stärkste Mannschaft der Liga hat. Allerdings war die Niederlage in Nürnberg bereits die dritte im Jahr 2016 - schon bei St. Pauli und in Freiburg hatte der Spitzenreiter das Nachsehen. Gegen den FCN verteidigte RB nicht nur unkonzentriert, sondern erspielte sich vor allem im Nürnberger Strafraum kaum Gelegenheiten.

Der FCN hatte in einem hochklassigen Spiel von Beginn an die besseren Chancen: Sebastian Kerk vergab zwei gute Möglichkeiten (33. Minute/34.). Kurz vor der Halbzeit wurde Kerk erneut zum Hauptdarsteller, als Leipzigs Verteidiger Marcel Halstenberg ihm im Strafraum das Standbein wegzog. Ein klarer Elfmeter, dem Schiedsrichter Felix Zwayer allerdings die Anerkennung versagte (40.). "Es war aus 50 Metern Entfernung zu sehen, dass das ein Strafstoß war", sagt Weiler: "Gut, dass das nicht spielentscheidend war."

Kurz nach dem Wiederanpfiff ging Leipzig in Führung. Nach schönem Pass von Emil Forsberg legte Yussuf Poulsen quer auf Davie Selke, der den Ball über die Linie schob (52.). Doch Nürnberg kam zurück und erzielte durch Ondrej Petrak (70.), Niclas Füllkrug (75.) und Guido Burgstaller (90.) drei sehenswerte Treffer. Das 17. Spiel in Serie ohne Niederlage stellt zudem einen neuen Vereinsrekord dar.

Das Fazit des Spiels war dann dem Mann vorbehalten, der zwar kein Tor geschossen hatte, aber zumindest in der ersten Hälfte der beste Spieler auf dem Platz war. "Das war ein geiles Spiel", sagte Kerk. Und damit übertrieb er kein bisschen.

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speedy 20.03.2016
1. Die Legende lebt
Es war ein echter Hammer dieses Spiel.Diese Clubmannschaft hat Nerven,ist stabil und glaubt an ihren Sieg.Es sieht so aus als wenn der Club erst immer einen Rückstand braucht um sein ganzes Potenzial zu entfalten.Wie auch immer seit Heute ist der Club beim Direkten Aufstieg wieder mit dabei.Vielleich heißt es ja in ein paar Wochen statt "Wir waren mal kurz weg","Wir sind wieder da und wollen bleiben".
speedy 20.03.2016
2. Rot und Schwarz wir steh´n auf eurer Seite
Am Montag sind wir Clubberer alle Karlsruher und hoffen auf eine Überraschung.
orthonormalbürger 20.03.2016
3. wahnsinn!
nur der FCN! War wieder ein super Spiel, jedesmal schön im Stadion vor allem wenn man es dem Dosenpfand zeigt! 1. Liga wir kommen
hirlix 20.03.2016
4. Es bleibt ein Hoffnungsschimmer
dass Redbull Leipzig nur auf den 3. Platz kommt und somit vielleicht nicht aufsteigt. Es ist eine Schande, dass die Regeln des DFB solche "Vereine" zulassen. Der "Verein" hat weniger Mitglieder als eine Fussballmannschaft Spieler hat...
widower+2 20.03.2016
5. Regeln
Zitat von hirlixdass Redbull Leipzig nur auf den 3. Platz kommt und somit vielleicht nicht aufsteigt. Es ist eine Schande, dass die Regeln des DFB solche "Vereine" zulassen. Der "Verein" hat weniger Mitglieder als eine Fussballmannschaft Spieler hat...
Die bestehenden Regeln lassen solche "Vereine" bei vernünftiger Interpretation eigentlich gar nicht zu. Die Regeln mussten gedehnt werden bis es quietscht, um Leipzig die Zulassung zu gewähren. Sollte Leipzig aufsteigen und in der 1. Liga weit oben landen, dürften sie nach den Regeln der UEFA eigentlich nicht in einem internationalen Wettbewerb (CL oder EL) spielen. Eigentlich. Nachdem man die Regeln des Financial Fair Play allerdings derartig seltsam interpretiert hat, dass sogar Wolfsburg international spielen darf, wird sich wohl auch für Leipzig eine Ausnahme konstruieren lassen. Leider!
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