Zweite Liga Darum wird Köln einen Punkterekord aufstellen

Der 1. FC Köln ist kein normaler Bundesliga-Absteiger. Wenn die mit Abstand beste Mannschaft ihre Rolle als die Bayern der zweiten Liga annimmt, kann ihr Historisches gelingen.

Mannschaft des 1.FC Köln beim Saisonauftakt 2018/19
imago/ Herbert Bucco

Mannschaft des 1.FC Köln beim Saisonauftakt 2018/19

Von


Die Kölner und ihr Effzeh, diese Beziehung ist eine ganz besondere. Vor etwas mehr als einem Jahr ertrank die Stadt in Europapokal-Glückseligkeit. Monate später wurden die weinenden Spieler trotz des Abstiegs gefeiert. Und zur Saisoneröffnung kamen vor wenigen Tagen 50.000 Fans - mehr als dreimal so viele Menschen wie Sandhausen Einwohner hat.

FC-Präsident Werner Spinner tat dann auch gar nicht so, als gebe es keine Euphorie in der Domstadt. "Wir sind top aufgestellt, nur in der falschen Liga", rief Spinner den Anhängern zu. "Ich gehe davon aus, dass wir das schnell reparieren und aufsteigen." Eine solche Aussage ist gefährlich, sie kann im Fall eines Fehlstarts gegen ihn verwendet werden. Letztlich ist es aber so: Spinner hat einfach recht.

Kölns Nationalspieler Jonas Hector
AFP

Kölns Nationalspieler Jonas Hector

Selten war die Frage nach den Aufstiegsfavoriten in der zweiten Bundesliga leichter zu beantworten als in dieser Saison. Nicht nur der FC, auch der zweite Bundesliga-Absteiger Hamburger SV steht deutlich über der Konkurrenz - auch, wenn es im Auftaktspiel gegen Holstein Kiel nicht so aussah. Und doch gibt es einen Unterschied: In Hamburg fehlt nach Jahren der sportlichen und finanziellen Depression dieser unerschütterliche Glaube an die Mannschaft.

In Köln lassen sich aber viele Gründe finden, warum Spinners Selbstvertrauen im Wiederaufstieg endet:

Der Kader

Auf nahezu jeder Position hat Trainer Markus Anfang zwei Spieler zur Verfügung, die er bedenkenlos einsetzen kann. Es wird viele knappe Duelle um Stammplätze geben. Vor dem Auftakt gegen den VfL Bochum am Samstag (13 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) muss sich Anfang in der Innenverteidigung zwischen Jorge Meré und Lasse Sobiech, im offensiven Mittelfeld zwischen Louis Schaub und Vincent Koziello sowie im Sturm zwischen Jhon Córdoba und Simon Terodde entscheiden.

"Die Qualität des einen brauchen wir für die eine Aufgabe, die des anderen für eine andere", sagt Anfang über sein Luxusproblem. "Das kann Woche für Woche, Gegner für Gegner unterschiedlich aussehen." Die Abgänge von Leonardo Bittencourt, Yuya Osako, Dominique Heintz und Milos Jojic sind gut kompensiert worden.

Die Zugänge

Sportdirektor Armin Veh und Trainer Anfang haben bei den Verstärkungen für den Kader eine gute Mischung gefunden: Lasse Sobiech (St. Pauli) bringt viel Zweitliga-Erfahrung mit. Dominick Drexler (Midtjylland) und Rafael Czichos (Kiel) kennen Anfangs bevorzugtes System sehr gut. Mit Benno Schmitz (RB Leipzig) und Matthias Bader (KSC) kämpfen zwei talentierte Rechtsverteidiger um einen Platz auf einer der Problempositionen der vergangenen Saison. Louis Schaub ist österreichischer Nationalspieler und bringt viel Spielverständnis mit.

Louis Schaub
imago/ Chai v.d. Laage

Louis Schaub

Die Treuebekenntnisse

Ihren Stammplatz sicher haben Kapitän Jonas Hector und Torhüter Timo Horn. Der gebürtige Kölner Horn und Hector als Nationalspieler und WM-Teilnehmer haben sich gegen die Möglichkeit entschieden, in der Bundesliga zu bleiben. Das kam bei den Fans natürlich sehr gut an, viel wichtiger ist aber die individuelle Qualität der beiden.

Der Trainer

Allzu viel Erfahrung bringt der gebürtige Kölner nicht mit. Aber seine beiden Jahre bei Holstein Kiel haben gezeigt, dass offensiver und dominanter Fußball in der zweiten Liga funktionieren kann. Nach Jahren der defensiven Orientierung unter Peter Stöger müssen sich die Spieler umstellen, aber mit Drexler, Schaub, Koziello, Christian Clemens, Sehrou Guirassy und Marcel Risse ist im Mittelfeld so viel Potenzial vorhanden, dass Anfang sein bevorzugtes 4-1-4-1 mit viel Überzeugung spielen lassen kann.

Kölns Trainer Markus Anfang
imago/ Herbert Bucco

Kölns Trainer Markus Anfang

Die Erfahrung

Anders als der HSV, der zum ersten Mal den Gang ins Unterhaus antreten musste, weiß der 1. FC Köln, was ihn 34 Spieltage lang als Topfavorit in einer kampfstarken, sehr mannorientierten und defensiven Liga erwartet. Der FC ist zum sechsten Mal abgestiegen, bisher gelang es erst zweimal, direkt im Jahr darauf den Wiederaufstieg zu schaffen.

Fazit: Der Sieg (22)- und Punkterekord (76) von Hertha BSC aus der Saison 2012/2013 wird vom 1. FC Köln gebrochen.

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rahelrubin 04.08.2018
1. Mal abwarten...
Natürlich ist der FC super aufgestellt, ich fand auch wirklich toll, dass so viele Spieler nicht gegangen sind. Das hat mir den FC viel sympathischer gemacht. Aber ein Selbstläufer wird das nicht automatisch. Ich gehe allerdings auch davon aus, dass sie wieder aufsteigen. Und dann irgendwann wieder EL spielen, und dann neues 100.000 Plätze-Stadion geplant wird für die sich ja bekanntlich an die EL-Saison anschließende CL-Saison (so wie die letzte...). Und dann steigen sie wieder ab. Langweilig wird es so nicht. Ich drücke die Daumen für nachher.
no_fake_comment 04.08.2018
2. Mal wieder grenzenloser Optimismus am Dom
... Auf dem Papier sah der FC in vielen Zweitliga-Saisons der letzten 15 Jahre als Favorit aus. Aber die Wahrheit liegt ja bekanntlich und zum Glück auf dem Platz. Die Begeisterung der Fans ist zumindest schon mal kein Garant für Erfolg, die pilgern auch zu 50.000 ins Stadion, wenn der FC in der zweiten Liga auf dem elften / zwölften Platz rumdümpelt. Ich drücke den Geißböcken alle Daumen, dass sie die Horror-Saison schnell abhaken können und sich den neuen Aufgaben gut widmen können. Denn eins sollte klar sein, die Leistungsdichte in der zweiten Mannschaft ist in den letzten fünf Jahren sicherlich nicht weniger geworden, und mit Holstein-Kiel Sandhausen und dem HSV hat man dort ein paar echt starke Teams, die alle nach oben drängen. Good Luck, FC
ThomasS79 04.08.2018
3. Das wird...
spannend und kein Selbstläufer! Ohne großartig auf den HSV Auftakt zu verweisen darf man gespannt sein! Geld schießt eben keine Tore, das hat man schon häufig erlebt! Die zweite Liga ist stark, und vor allem anders als die Erste! Ich tippe eher auf oberes Mittelfeld für Köln, und Hamburg muss unabhängig vom ersten Spieltag aufpassen, nicht durchgereicht zu werden!
könig der jogis 04.08.2018
4. Selbstläufer ?
Auf dem Papier sah der FC in vielen Zweitliga-Saisons der letzten 15 Jahre als Favorit aus. Aber die Wahrheit liegt ja bekanntlich und zum Glück auf dem Platz. Die Begeisterung der Fans ist zumindest schon mal kein Garant für Erfolg, die pilgern auch zu 50.000 ins Stadion, wenn der FC in der zweiten Liga auf dem elften / zwölften Platz dümpelt. Selten einen blauäugigeren, inkompetenten, ahnungslosen Artikel gelesen. Auch wenn hinten zwei Hörner, Hector und ein Katalane drin stehen, gibt es in der Mannschaft zu viele Risse, Handwerker, Bader, sowie Haupt und Lebemänner. Das wird sicher kein Selbstläufer! Ohne großartig auf den Auftakt des HSV zu verweisen, darf man gespannt sein! Geld schießt eben keine Tore, das hat man schon häufig erlebt! Die zweite Liga ist stark, und vor allem anders als die Erste! Ich tippe eher auf oberes Mittelfeld für Köln, und Hamburg muss unabhängig vom ersten Spieltag aufpassen, nicht durchgereicht zu werden!
Böttinger 04.08.2018
5. Erstklassig.
Man darf auch nicht vergessen, dass Köln in der letzten Saison unglaubliches Pech hatte. Videobeweis, wichtige Heimspiele (Freiburg, Stuttgart) sehr unglücklich verloren, usw. Mainz, Freiburg und Wolfsburg waren eher schlechter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.