Zweitliga-Rückrunde Der Ball rollt wieder - aber warum am Dienstag?

Die zweite Liga startet ins neue Jahr, mitten in der Woche. Was dieser ungewöhnliche Auftakt soll - und wer die Auf- und Abstiegskandidaten sind. Der Überblick.

Kiels Marvin Ducksch (rechts) jubelt nach einem Tor
DPA

Kiels Marvin Ducksch (rechts) jubelt nach einem Tor


Warum startet die zweite Fußball-Bundesliga mit einer englischen Woche?

Flutlichtspiel zwischen zwei Traditionsmannschaften: Der VfL Bochum und der MSV Duisburg stehen im Rampenlicht. Mit diesem Duell startet um 18.30 die zweite Fußball-Bundesliga ins Jahr 2018. An einem Dienstag? Genau.

Der Termin unter der Woche soll vor allem die Vermarktung fördern. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will eine Konkurrenzsituation mit der Bundesliga - so wäre es an einem Wochenende gewesen - vermeiden und hat daher eine englische Woche angesetzt. Also eine Woche, in der Mannschaften mehrere Spiele bestreiten müssen. Das teilte die DFL der "WAZ" mit. Neben den Spielen am Dienstag um 18.30 und 20.30 Uhr sind weitere Partien am Mittwoch- und Donnerstagabend angesetzt.

So weit die Idee. In der Praxis wird die zweite Liga zumindest am Mittwochabend in Konkurrenz mit einem anderen Sportevent stehen: Deutschlands Handballer könnten mit einem Sieg gegen Spanien (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) das Halbfinale der Europameisterschaft in Kroatien erreichen - übertragen im Free-TV.

Fortuna Düsseldorf jubelt
DPA

Fortuna Düsseldorf jubelt

Wer sind die Aufstiegskandidaten?

Fortuna Düsseldorf ist als Spitzenreiter der zweiten Liga in die Winterpause gegangen. Das Team steht mit 34 Punkten einen Punkt vor Holstein Kiel. Nürnberg folgt als Dritter mit 33 Punkten. Dahinter ist bereits eine kleine Lücke entstanden: Der Viertplatzierte, Ingolstadt, hat fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz.

Allerdings ist im Rennen um den Aufstieg mit dem FC Ingolstadt zu rechnen. Das Team hat sich nach dem Trainerwechsel Ende September stabilisiert und holte in den vergangenen zehn Spielen 21 Punkte - das ist der Top-Wert aller Zweitligisten in diesem Zeitraum. Außerdem hat der Klub einen namhaften Ex-Bundesligaprofi verpflichtet: Patrick Ebert. Der frühere Hertha-Profi war allerdings zuletzt vereinslos. Daher bleibt abzuwarten, ob der 30-Jährige wirklich eine Verstärkung ist.

Bekannte Zweitliga-Zugänge*

Name Neuer Klub Ex-Klub
Fabian Reese Greuther Fürth FC Schalke
Patrick Ebert FC Ingolstadt vereinslos
Slobodan Medojevic SV Darmstadt Eintracht Frankfurt
Jan-Ingwer Callsen-Bracker FC Kaiserslautern FC Augsburg
Philipp Ochs VfL Bochum TSG Hoffenheim
Romain Brégerie SV Darmstadt FC Ingolstadt
Ulisses Garcia FC Nürnberg Werder Bremen
*Stand: 22. Januar

Wenn man den Trend als Maßstab nimmt, spricht dieser klar gegen einen Aufstieg von Düsseldorf und Kiel. Die beiden Führenden der Liga haben jeweils nur eines ihrer vergangenen sieben Zweitligaspiele gewonnen. Holstein gehört als Aufsteiger zu den großen Überraschungen der Saison (bester Torjäger: Marvin Ducksch, zehn Treffer), und steht zu Wiederbeginn der Rückserie vor einer schweren Prüfung: Am Abend empfängt das Team Union Berlin (20.30 Uhr). Düsseldorf trifft im Heimspiel am Mittwoch auf Erzgebirge Aue (20.30 Uhr).

Wer sind die Abstiegskandidaten?

Tabellenletzter mit zwölf Punkten, sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und dem schlechtesten Torverhältnis der zweiten Liga: Für den 1. FC Kaiserslautern sieht es nach dem erstmaligen Absturz in die Drittklassigkeit aus. Mit Augsburg-Leihgabe Jan-Ingwer Callsen-Bracker hat der Klub zwar einen erfahrenden Profi für die Defensive verpflichtet. Allerdings ist das größere Problem der Angriff. Der Klub stellt mit erst 14 Treffern die schlechteste Offensive der Liga. Bis zum 31. Januar können die finanziell angeschlagenen Pfälzer noch einen neuen Spieler unter Vertrag nehmen. Dann endet die Transferperiode.

Fans des 1. FC Kaiserslautern
DPA

Fans des 1. FC Kaiserslautern

Bis dahin muss der FCK noch mit seinem aktuellen Personal auskommen. Im ersten Duell am Mittwoch bekommt es das Schlusslicht mit Darmstadt zu tun (18.30 Uhr), der Klub belegt aktuell den Relegationsplatz. Der Hoffnungsträger in Darmstadt kam bereits vor der Winterpause: Trainer Dirk Schuster soll das Team vor dem doppelten Abstieg von der ersten in die dritte Liga bewahren.

Dabei ist selbst Greuther Fürth als Vorletzter (18 Punkte) im Abstiegskampf noch nicht verloren. Das achtplatzierte Jahn Regensburg steht mit 25 Punkten gerade einmal sieben Punkte vor den Franken. Die Entscheidung um den Ligaverbleib fällt spätestens am 13. Mai. Dann ist der letzte Spieltag.

jan



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
radbodserbe 23.01.2018
1. Wer braucht schon noch den Stadionbesucher ?
Früher fanden die Spiele in der Regel am WE statt, eventuell gab es durch nationale oder internationale Pokalspiele die ein oder andere "englische Woche" mit Mittwochsspielen. Spätestens am frühen Sonntagabend war der ganze Spuk vorbei und die Fans konnten sich aus den Stadien auf ihren Heimweg machen. Eine Regelung, die vor allem auch den mehr oder weniger weit angereisten Auswärtsfans entgegenkam. Wenn Spiele abends in der Woche angesetzt werden, zeigt dies deutlich, wie wenig interessant der Stadionbesucher noch ist. Andere Einnahmequellen sind für Vereine längst lebenswichtiger geworden als die Eintrittskarten. Wen interessieren da noch die Menschen, die ein Spiel live vor Ort erleben möchten, nur weil sie die Vereine früher mit groß gemacht haben ? Aber wenn schon Adidas, ein Vorreiter der Kindervollbeschäftigung in Südostasien und guter Freund diverser Bundesligavereine, dessen Namen ich hier nicht nennen will, um nicht wieder als "Neider" zu gelten, überlegt, das DFB-Pokalfinale in China stattfinden zu lassen, erscheinen die heutigen Anstoßzeiten geradezu "fangerecht". Wir werden das Rad nicht zurückdrehen können, sollten aber wenigstens dazu stehen und nicht irgendwelche geheuchelten Gründe vorschieben, warum das alles einzig und allein zum Wohle des Stadionbesuchers und/oder der Spieler geschieht.
dynamoraul 23.01.2018
2. so ein unsinn
dann haette man eigentlich die dritte liga in der woche starten lassen muessen,denn dort hat man viel oefter das phaenomen das neben seiner mannschaft noch ein 1.liga klub oder auch plastikklub auf dem fanschal steht.
harms 23.01.2018
3. Zustimmung
Zitat von radbodserbeFrüher fanden die Spiele in der Regel am WE statt, eventuell gab es durch nationale oder internationale Pokalspiele die ein oder andere "englische Woche" mit Mittwochsspielen. Spätestens am frühen Sonntagabend war der ganze Spuk vorbei und die Fans konnten sich aus den Stadien auf ihren Heimweg machen. Eine Regelung, die vor allem auch den mehr oder weniger weit angereisten Auswärtsfans entgegenkam. Wenn Spiele abends in der Woche angesetzt werden, zeigt dies deutlich, wie wenig interessant der Stadionbesucher noch ist. Andere Einnahmequellen sind für Vereine längst lebenswichtiger geworden als die Eintrittskarten. Wen interessieren da noch die Menschen, die ein Spiel live vor Ort erleben möchten, nur weil sie die Vereine früher mit groß gemacht haben ? Aber wenn schon Adidas, ein Vorreiter der Kindervollbeschäftigung in Südostasien und guter Freund diverser Bundesligavereine, dessen Namen ich hier nicht nennen will, um nicht wieder als "Neider" zu gelten, überlegt, das DFB-Pokalfinale in China stattfinden zu lassen, erscheinen die heutigen Anstoßzeiten geradezu "fangerecht". Wir werden das Rad nicht zurückdrehen können, sollten aber wenigstens dazu stehen und nicht irgendwelche geheuchelten Gründe vorschieben, warum das alles einzig und allein zum Wohle des Stadionbesuchers und/oder der Spieler geschieht.
Ich kann Ihrem Beitrag nur voll zustimmen.. Fussball ist halt inzwischen ein mehr oder weniger gut funktionierendes Geschäftsmodell mit dem mafiösem DFB als Geschäftsführung. Ach, das waren noch Zeiten, als ich als Hamburger Ikonen wie Uwe Seeler live erleben dürfte.. Naja, die Zeiten ändern sich halt. Ich bin als Fan und Mitglied vom FC St.Pauli froh, das "mein" Verein in der zweiten Liga gute Spiele abliefert und nicht seit fünf Jahren permanent gegen den Abstieg kämpfen muss wie der HSV. Ich wünsche mir, das mein St.Pauli nicht wieder aufsteigt und in den Sog der Geschäftemacher gerät.
lofi 23.01.2018
4.
Harms, ich stimme vollkommen zu. Im Vergleich zur boring boring Buli herrscht in der 2. Liga wenigstens noch Wettbewerb, das ganze ist insgesamt ziemlich offen, und die Spiele teilweise nicht schlechter. Und ich freue mich sehr auf das Spiel gegen Ihren Verein am Donnerstag abend. Aber eben mit dem Wermutstropfen der eigentlich unzumutbar späten Anstoßzeit. Das andere Extrem für Liga 2 ist dann in der Woche 17:30. Wie wäre es denn einfach mit 19:00 Uhr z.B? Auf der anderen Seite liefern wir natürlich schlechte Argumente. Das Spiel am Donnerstag abend gegen Pauli ist so gut wie ausverkauft. Und die DFL wird sagen: na bitte, geht doch.
NorbertRick 23.01.2018
5.
Zitat von radbodserbeFrüher fanden die Spiele in der Regel am WE statt, eventuell gab es durch nationale oder internationale Pokalspiele die ein oder andere "englische Woche" mit Mittwochsspielen. Spätestens am frühen Sonntagabend war der ganze Spuk vorbei und die Fans konnten sich aus den Stadien auf ihren Heimweg machen. Eine Regelung, die vor allem auch den mehr oder weniger weit angereisten Auswärtsfans entgegenkam. Wenn Spiele abends in der Woche angesetzt werden, zeigt dies deutlich, wie wenig interessant der Stadionbesucher noch ist. Andere Einnahmequellen sind für Vereine längst lebenswichtiger geworden als die Eintrittskarten. Wen interessieren da noch die Menschen, die ein Spiel live vor Ort erleben möchten, nur weil sie die Vereine früher mit groß gemacht haben ? Aber wenn schon Adidas, ein Vorreiter der Kindervollbeschäftigung in Südostasien und guter Freund diverser Bundesligavereine, dessen Namen ich hier nicht nennen will, um nicht wieder als "Neider" zu gelten, überlegt, das DFB-Pokalfinale in China stattfinden zu lassen, erscheinen die heutigen Anstoßzeiten geradezu "fangerecht". Wir werden das Rad nicht zurückdrehen können, sollten aber wenigstens dazu stehen und nicht irgendwelche geheuchelten Gründe vorschieben, warum das alles einzig und allein zum Wohle des Stadionbesuchers und/oder der Spieler geschieht.
Ein Umdenken wird m.E. erst dann einsetzen, wenn die für die mediale Inszenierung (oder "Verwertung" - ein schönes Wort in diesem Kontext ...) erforderliche Stimmung und Atmosphäre spürbar darunter leidet. Ein mit 20.000 Leuten besetztes 70.000-Mann-Stadion macht sich halt sowohl im TV als auch bei der Vermarktung teurer VIP-Lounges nicht so gut. Aber bis das einen wirtschaftlich nennenswerten Effekt hat, wird's wohl noch etwas dauern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.