Gemeinsamer Aufstieg von Nürnberg und Düsseldorf Meister fürs Protokoll

In letzter Minute hat sich Fortuna Düsseldorf die Zweitliga-Meisterschaft beim direkten Konkurrenten Nürnberg gesichert. Dessen Fans feierten trotzdem, denn beide Klubs steigen gemeinsam in die Bundesliga auf.

Fortuna-Trainer Funkel (r.) und Club-Trainer Köllner
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Fortuna-Trainer Funkel (r.) und Club-Trainer Köllner


Gerade hatte der Stadionsprecher die feierbereiten Nürnberger Fans noch gebeten, doch bitte, bitte erst fünf Minuten nach Abpfiff auf den Rasen zu rennen, um gemeinsam mit ihren Spielern zu feiern, was es nun mal zu feiern gab: den Aufstieg, die Meisterschaft. Und das Leben. Nur blöd, dass kurz darauf Fortunas Kaan Ayhran per Kopf zum Düsseldorfer 3:2 traf. Denn mit einem Mal war nicht mehr der FCN Meister der diesjährigen Zweitliga-Saison, sondern Düsseldorf. Geschenkt.

Die Fortuna hatte sich diese protokollarische Ehre verdient, indem sie einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Auswärtssieg verwandelte. Mit dem Schlusspfiff feierten dann alle 50.000 Zuschauer im ausverkauften Max-Morlock-Stadion. Sie wussten ja, dass es letztlich völlig egal ist, ob man nun Erster oder Zweiter wird, wenn man so oder so in die erste Liga aufsteigt.

Angesichts der Jubelbilder, die Tausende Club-Fans nach dem Spiel auf dem voll besetzten Rasen lieferten, hätte man fast vergessen können, dass genau das ja bereits seit vergangener Woche feststand, als der FCN in Sandhausen den Aufstieg klargemacht hatte. Düsseldorf hatte sich die erste Liga schon eine Woche vor den Franken gesichert.

Jubel im Max-Morlock-Stadion
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Jubel im Max-Morlock-Stadion

Die schnöde Statistik konnte man allerdings leicht vergessen, wenn man sah, wie Club-Kapitän Hanno Behrens, Top-Torschütze Mikael Ishak, Georg Margreitter und all die anderen von Menschentrauben umringt und geherzt wurden. Und wie auf der anderen Seite die Fortunen fröhlich wie kleine Kinder Richtung Gästekurve rannten, um dort eine Saison zu zelebrieren, wie sie besser kaum hätte laufen können.

Zahl der Traditionsvereine bleibt stabil

Dabei hatten die Fans beider Mannschaften schon vor dem Spiel unterstrichen, dass es sich bei ihnen um Vereine mit einer jahrzehntelangen Geschichte im bezahlten Fußball handelt. Und tatsächlich sehen es viele Fans ja positiv, dass sich nach dem Abstieg des HSV und des 1. FC Köln die Zahl der Traditionsvereine in der Bundesliga nicht verringern wird. Zumal beide Teams auswärts von Tausenden begleitet werden dürften und zu Hause im Schnitt über 40.000 Fans begrüßen werden.

Der FCN war dann auch so clever, die Meistermannschaft von 1968 ins Stadion einzuladen, um 15.19 Uhr wurden die älteren Herren dem klatschenden Publikum präsentiert. Keine schlechte Idee, wenngleich der ursprüngliche Plan, 50 Jahre später wieder eine Meisterschaft zu feiern, nicht aufging. Das lag auch an der Fortuna, die ihren Teil zu einem attraktiven Spiel beitrug, das beide Mannschaften unbedingt gewinnen wollten. Ob es daran lag, oder am fehlenden Druck des Unbedingt-Gewinnen-Müssens: Dieses Spiel war jedenfalls deutlich unterhaltsamer als das Gros der Erstliga-Spiele in der zurückliegenden Spielzeit.

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Kurz nach Anpfiff, als die ersten Club-Fans sich schon Werbebanden und Grassoden als Souvenir gegriffen hatten, stimmte FCN-Kapitän Hanno Behrens dann den Evergreen "Nie mehr zweite Liga" an. Was man in der Euphorie so singt. Leicht vermessen klang das in Nürnberg trotzdem, denn natürlich wissen sie bei beiden Vereinen, wie schwer es wird, in der kommenden Saison die Klasse zu halten. Dass man sich "strecken muss" (Andreas Bornemann) beziehungsweise "das kleinste Licht in der Bundesliga" ist (sein Düsseldorfer Pendant Robert Schäfer) betonen dann ja auch beide Manager seit Tagen.

Aufstieg zu günstigem Zeitpunkt

Gemessen am Etat waren beide Teams allerdings schon in dieser Zweitliga-Saison Over-Performer. Je nach Rechnung gab es drei bis fünf Mannschaften mit höherem Etat. Und dennoch gelang der Aufstieg zum richtigen Zeitpunkt. In der kommenden Saison, wenn Köln und Hamburg mit mutmaßlich enormen Etats den sofortigen Wiederaufstieg anvisieren, wäre das für beide deutlich schwerer geworden.

Düsseldorfer Meisterfreuden
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Düsseldorfer Meisterfreuden

In dieser Spielzeit sind beide Mannschaften jedenfalls verdientermaßen aufgestiegen. Sie waren - obwohl sich beide in der Rückrunde auch jeweils eine längere Durststrecke gönnten - die besten Teams der Liga. Am Schluss liegen 12 (Nürnberg) respektive 15 Zähler (Düsseldorf) zwischen beiden Teams und dem Vierten aus Bielefeld. Dass das ein Grund zum Feiern ist, musste man am Sonntag 50.000 Fans nicht zweimal sagen. Viele von ihnen dürften am Montagmorgen erstmals ein Stück Rasen im heimischen Blumentopf gießen, auf dem ein paar Stunden zuvor noch Fußball gespielt wurde.



insgesamt 7 Beiträge
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birdie 14.05.2018
1. Für mich als Düsseldorfer ist der Fortuna-Aufstieg ...
in die Bundesliga schier unglaublich. Denn in Düsseldorf sind seit Jahrzehnten Glücksspiele verboten. Hat daran niemand gedacht?
andreas.s 14.05.2018
2. In der Tat
war in der vergangenen Saison die zweite Liga die attraktivere Liga, was Spannung, Stimmung aber auch Fußballkultur anbelangt.
netroot 14.05.2018
3. Ein schöner Artikel
Danke. Zwischen aufgekündigtem Iranabkommen, verrücktem Präsidenten und Attentaten...mal eine sehr gute Nachricht. Danke!
JeanPriol 14.05.2018
4.
Lieber Cluub,sehr geehrter Herr Köllner, hallo Mannschaft, zum Aufstieg in die erste Liga möchte ich mit viel Freude gratulieren. Vor genau fünfzig Jahren hatte ich die Schale zwei Nächte unter meinem Kopfkissen. Euer Meisterschalenschläfer Andersen
schorri 14.05.2018
5. Desaströse Leistung
Nürnberg hat zum Saisonabschluss eine desaströse Leistung abgeliefert. Drei Gegentore zuhause. Meisterschaft vergeigt im heimischen Stadion vor 40.000. Obwohl der "Club", wie Köllner vor dem Heimspiel gegen Fürth tönte, zuhause angeblich "brutal stark" ist.(Fürth, Fast-Absteiger; ein Auswärtssieg in der Saison, den in Nürnberg!) Über die ganze Saison hat Nürnberg eine respektable Leistung abgeliefert. Respektabel, nicht sehr gut oder gar "überragend". Eine Mannschaft mit Perspektive, aber noch ein gutes Stück von der Bundesligatauglichkeit entfernt. Und zum Abschluss lässt sich die "bärenstarke Abwehr" (auch das Köllner) vor 40.000 drei unsägliche Eier einschenken. Eins schlimmer, als das andere.
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