2. Fußball-Bundesliga Bielefeld trennt sich von Trainer Gerstner

Arminia Bielefeld und Trainer Thomas Gerstner gehen ab sofort getrennte Wege: Der Zweitligist enttäuschte in den vergangenen Heimspielen - und sah seine Aufstiegschancen schwinden. Übergangsweise betreut nun Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier das Team.

Trainer Gerstner: Enttäuschende Heimauftritte kosteten ihm den Job in Bielefeld
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Trainer Gerstner: Enttäuschende Heimauftritte kosteten ihm den Job in Bielefeld


Hamburg - Die zuletzt enttäuschenden Heimauftritte von Arminia Bielefeld haben Thomas Gerstner den Job gekostet: Der Club aus der zweiten Fußball-Bundesliga trennte sich am Donnerstag mit sofortiger Wirkung von dem Trainer. Durch den Schritt wollen die Arminen ihre Chance auf die Rückkehr in die Bundesliga wahren. "Wir erhoffen uns mit dieser Maßnahme noch mal einen Schub im Hinblick auf die immer noch vorhandene Aufstiegschance", sagte Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier, der den Tabellenfünften am Freitag im Spiel bei Alemannia Aachen (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) übergangsweise gemeinsam mit Co-Trainer Frank Eulberg und dem ehemaligen Profi Jörg Böhme betreuen wird.

"Das ist in meinen Augen die logische Konsequenz, um die Dinge weiterzuentwickeln wie bisher - ohne alles umzukrempeln", so Dammeier, der nur für eine kurze Zeit als Trainer einspringen will. "Das ist meine vordergründige Idee. Jetzt geht es darum, kurzfristig Erfolg zu haben." Dabei seien vor allem die Profis gefordert: "Die Mannschaft steht im Vordergrund. Die Spieler müssen nun zeigen, ob sie Kerle sind."

"Mir persönlich ist die Beurlaubung sehr schwer gefallen, da er mein Wunschkandidat war", sagte Dammeier. "Ich finde es schade, weil wir einen guten Weg eingeschlagen hatten." Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführung der Arminia hatten sich drei Tage nach der enttäuschenden 0:1-Heimpleite gegen den Karlsruher SC für eine Trennung von Gerstner entschieden.

Nach glänzendem Saisonstart abgerutscht

Zwei Wochen zuvor waren die Arminen im eigenen Stadion beim 1:2 gegen den MSV Duisburg ebenfalls ohne Punkte geblieben. Der 43-jährige ehemalige Profi Gerstner hatte das Traineramt bei der Arminia zur laufenden Saison als Nachfolger von Jörg Berger übernommen, der es nicht geschafft hatte, Bielefeld vor dem Abstieg aus der Bundesliga zu bewahren. Von 1985 bis 1988 absolvierte Gerstner 99 Zweitligaspiele für die Ostwestfalen. Nach einem glänzendem Saisonstart mit zeitweise acht Siegen in Serie und der Tabellenführung an fünf Spieltagen müssen die Bielefelder nun um den Wiederaufstieg in die Bundesliga bangen. Nach zuletzt mäßigen Heimspielen sind die Ostwestfalen mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang nur noch Tabellenfünfter.

Die Trennung von Gerstner ist die insgesamt zehnte in der laufenden Zweitligasaison. Zuvor mussten bereits Andreas Zachhuber (Hansa Rostock), Edmund Becker (Karlsruher SC), Jürgen Seeberger (Alemannia Aachen), Stefan Emmerling (Rot Weiss Ahlen), Tomas Oral (FSV Frankfurt), Peter Neururer (MSV Duisburg), Uwe Rapolder (TuS Koblenz), Benno Möhlmann (SpVgg Greuther Fürth) und Jürgen Luginger (Rot-Weiß Oberhausen) vorzeitig ihren Stuhl räumen.

Millionendefizit offenbar noch größer als bislang angenommen

Offen ist noch, wer Gerstner folgen wird. "Ich habe noch keine Gespräche mit möglichen Nachfolgern geführt", erklärte Dammeier. Der Spielraum bei der Trainersuche dürfte dabei angesichts der Finanzierungslücke im Vereinsetat in Millionenhöhe sehr eingeschränkt sein. Nach einem Bericht des "Westfalen-Blatts" soll das Defizit des Clubs rund 3,5 Millionen Euro betragen und damit eine Million höher sein als zunächst angegeben. Zu dieser Bewertung sei die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach Durchsicht der Konsolidierungsunterlagen gekommen, die Arminia Anfang März vorgelegt hatte.

Arminias kaufmännischer Geschäftsführer Heinz Anders wollte die Zahl zwar nicht kommentieren, bestätigte aber der Zeitung: "Die beiden Beträge liegen in der Tat auseinander." Unruhige Nächte beschere ihm das aber nicht. Denn die DFL habe inzwischen signalisiert, die an Arminia gestellten Forderungen als erfüllt anzusehen. Schriftlich, so Anders, liege dem Verein allerdings noch nichts vor. Unter anderem deshalb könne er "noch keine komplette Entwarnung geben". Der Arminia drohen Punktabzug oder Geldstrafe für den Fall, dass die DFL-Vorgaben nicht erfüllt werden können. Dass dies abgewendet werden kann, glaubt Anders: "Wir kommen dem Ziel deutlich näher."

wit/dpa/sid



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