Drei Thesen zum Zweitligaauftakt In Hamburg sagt man Tschüs

Die Kölner überragen alles, der HSV ist erstmals dabei - und für den FC St. Pauli könnte es schwer werden. Am Abend startet die Zweite Bundesliga in ihre neue Saison. Ein Ausblick in drei Thesen.

Sami Allagui (r.)
DPA

Sami Allagui (r.)

Von León Küther


These 1: In der kommenden Saison wird es in der 2. Bundesliga einen klaren Auf-und Abstiegskampf geben.

Die vergangene Saison in der zweiten Liga war kurios: Die halbe Liga steckte bis zum Schluss im Abstiegskampf und auch das Rennen um die vorderen Plätze war bis zum Ende spannend. In der kommenden Saison dürfte die 2. Bundesliga dagegen ein klares Gesamtbild abgeben.

In puncto Aufstiegskampf gibt es zwei klare Favoriten. Die beiden Absteiger aus der Bundesliga, der Hamburger SV und der 1. FC Köln, dürften die ersten beiden Plätze wohl unter sich ausmachen. Allein die Marktwerte ihrer Kader übertreffen die der anderen KIubs weit. Laut Transfermarkt.de kommt das komplette Team der Kölner auf einen Marktwert von 75,18 Millionen Euro, das des HSV auf 53,5 Millionen. Der Vorjahresdritte aus Kiel liegt mit 13,6 Millionen weit dahinter.

Dazu kommt die große Erfahrung bei beiden Mannschaften. Mit Jonas Hector, Timo Horn, Marco Höger und Marcel Risse haben sich bei den Kölnern gleich vier Führungskräfte dazu entschlossen, mit ihrem Verein in die Zweitklassigkeit zu gehen. Bei der Elf von Christian Titz sind Lewis Holtby, Aaron Hunt, Nachwuchsstürmer Jann-Fiete Arp und Gotoku Sakai an Bord geblieben. Die Rahmenbedingungen für den direkten Wiederaufstieg der beiden Traditionsvereine stimmen.

Mit dem 1.FC Magdeburg und dem SC Paderborn starten zwei Aufsteiger ihr Zweitligaabenteuer, bei denen bis auf wenige Ausnahmen noch nicht allzu viele Spieler Erfahrung in der neuen Spielklasse aufweisen können. Der Qualitätsnachweis steht hier noch aus. Dazu kommen Vereine wie der FC St. Pauli, der SV Sandhausen und der Tabellensechzehnte der Vorsaison, Erzgebirge Aue, die sich kaum verstärkt haben. Aue hat zudem noch seinen besten Stürmer und Klassenerhaltsgaranten Pacal Köpke an Hertha BSC abgegeben. Leicht wird es für diese fünf Teams nicht werden.

These 2: Der FC St. Pauli wird es schwer haben, sich in der 2. Bundesliga zu halten

Bereits in der vergangenen Saison kämpfte der FC St. Pauli um den Klassenerhalt und konnte sich erst am 33. Spieltag durch einen Sieg gegen Arminia Bielefeld retten. Personell hat sich beim Klub seither wenig getan. Den Abschied von Lasse Sobiech zum 1.FC Köln soll der Regensburger Marvin Knoll kompensieren.

Ob es für den FC St. Pauli reicht, ausschließlich einen Ersatz für Sobiech verpflichtet zu haben, ist fraglich. Immerhin haben im Vorjahr nur fünf Teams mehr Gegentore kassiert. Offensiv sieht es am Millerntor sogar noch düsterer aus. Gemeinsam mit dem SV Sandhausen und Erzgebirge Aue teilen sich die Kiezkicker den Titel "schlechtester Angriff in der 2. Bundesliga". St. Pauli wird bis zum Saisonende gegen den Abstieg spielen.

These 3: Holstein Kiel könnte erneut um den Relegationsplatz mitspielen - oben oder unten

Kiel-Trainer Tim Walter
Getty Images

Kiel-Trainer Tim Walter

Für Holstein Kiel war die zurückliegende Saison erfolgreich - Platz drei als Aufsteiger. In den Relegationspartien unterlagen sie schließlich dem VfL Wolfsburg und verpassten somit den Durchmarsch in die Fußball-Bundesliga.

Die Folge war ein Verkauf der Kieler Leistungsträger. Mit Dominick Drexler, Rafael Czichos und Top-Stürmer Marvin Ducksch stehen dem neuen Kieler Trainer Tim Walter gleich drei Leistungsträger aus der zurückliegenden Saison nicht mehr zur Verfügung. Neu dazugekommen sind neben Jonas Meffert, der bislang beim Karlsruher SC Zweitligaerfahrung sammeln konnte, Stefan Thesker von Twente Enschede und WM-Fahrer Lee Jae Song, der von Jeonbuk Motors zu Holstein Kiel gewechselt ist.

Ansonsten haben sich vor allem Nachwuchsspieler den Kielern angeschlossen, die sich auf eine Saison des Umbruchs einstellen müssen. Ein Blick in die Historie zeigt: Die Spielzeit nach einem dritten Platz und einem verpassten Aufstieg war in den seltensten Fällen eine sorgenfreie für den jeweiligen Verein. Zuletzt traf es Eintracht Braunschweig. Nachdem die Braunschweiger in der Saison 2016/2017 noch um den Aufstieg mitspielten, stiegen sie in der zurückliegenden Saison aus der zweiten Liga ab. Eine Warnung für Holstein Kiel.

Mehr zum Thema


insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
polza_mancini 03.08.2018
1. Mal abwarten
der Kölner Bürokollege trägt auch schon sein T-Shirt "Europapokal 2020" zur Schau - aber mit objektiven Vorhersagen haben es die Böckchen ja nicht so. Höger und Risse sind absoluter Bundesliga-Durchschnitt und ob Horn und Hector die anderen mitreißen können, wird sich zeigen. Sowohl der Effzeh als auch die Hamburger sind ab Spieltag 1 die Gejagten, auf die Situation muss man sich erst mal einstellen - und dazu natürlich der Druck, mit diesen Etats eigentlich aufsteigen zu MÜSSEN. Meine These: es bleibt bis weit in die zweite Saisonhälfte oben spannend!
naeggha 03.08.2018
2. medienlandschaft passt nicht zum hsv-aufstieg
wenn die meiden den hsv bei jedem punktverlust abschreiben, wird das dieses jahr nichts. die struktur im verein ist immer noch nicht professionell und die neuzugänge sind ein witz für das vorhandene etat. ein hsv-aufstieg wäre für mich die größte überaschung der saison. wenn ingolstadt, dynamo oder union sauber ihre rolle als geheimfavorit annehmen, landen sie auf jeden fall vor dem hsv. beim hsv hab ich die befürchtung, dass sie nach 4 wochen sogar die rote laterne halten. köln traue ich das schon eher zu.
social_d 03.08.2018
3. #2
Selten so einen Käse gelesen. Wenn die Medien in Hamburg auch nur annähernd so kritisch und hetzerisch wären wir Ihnen nachgesagt wird, dann wäre der HSV niemals in die Situation geraten in der er jetzt ist. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Medien betreiben nichts anderes als Hofberichterstattung, da sie gar nicht in die Gefahr kommen wollen die Akkreditierung zu verlieren. Was den Kader angeht ist der HSV sehr gut aufgestellt und wird mit Sicherheit auch aufsteigen.
Franke aus Hamburg 03.08.2018
4. So sehr ich es dem HSV
gönne, es wird eng. So, wie im DFB-Pokal gelegentlich der Kleine dem Großen ein Bein stellt, ist es in Liga 2. Und ob der HSV mit den neuen Spielern ein Großer ist, wird die Zukunft zeigen. Auch im Fußball bekommst Du nichts geschenkt.
Papazaca 03.08.2018
5. Die finanzielle Kluft zur Bundesliga
Was fast noch wichtiger als wer auf-und absteigt, ist die finanzielle Kluft zur1. Bundesliga. Und die ist sehr groß und bedeutet für viele Aufsteiger bald wieder den Abstieg. Und die Bundesliga hat inzwischen ähnliche Probleme auf internationaler Ebene. Der deutsche Fußball braucht möglichst bald eine Erneuerung der Strukturen, denn wettbewerbsfähig ist er nur noch bedingt. Die 2. Bundesliga mit Ihrer großen Kluft zur ersten Liga ist das beste Beispiel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.