Auftaktniederlage des Hamburger SV Wichtig ist die Landung

Die Hoffnung unter den Fans war vorsichtig optimistisch und wurde wieder enttäuscht - jetzt auch in Liga zwei. Nach dem 0:3 gegen Holstein Kiel liegt der HSV erneut am Boden. Jetzt geht es nach Sandhausen.

Getty Images

Aus dem Volksparkstadion berichtet León Küther


Gerade hatten sich die Stadt Hamburg und ihr Sportverein damit abgefunden, erstmals in der Fußballgeschichte nicht mehr erstklassig zu sein. Mehr als abgefunden: "Heute beginnt der HSV-Aufstieg" hatte die Lokalausgabe der "Bild" getitelt, noch bevor die erste von 3060 Zweitligaminuten der Saison angebrochen war. Das Ergebnis dieser Autosuggestion: ein 0:3 gegen Holstein Kiel im ersten Saisonspiel. Holstein. Kiel. Wie ertragen Menschen so etwas? Mehr noch: Wie ertragen es HSV-Fans?

Tatsächlich war die Stimmung rund ums Stadion nicht euphorisch gewesen, sondern vorsichtig optimistisch - ein emotionaler Aggregatzustand, den man von den Anhängern dieses Vereins noch nicht kannte. Ja, der jüngste Kader der zweiten Liga in Kombination mit der erfahrenen Achse um Gotoku Sakai, Lewis Holtby und Aaron Hunt, das sei schon eine gute Basis. Nein, einfach werde es nicht. Wer weiß schon, wie das ist in dieser Liga, mit ihrer rustikalen Spielweise?

Die Mannschaft um Kapitän und Hoffnungsträger Holtby, der den verletzten Hunt vertrat, applaudierte schon vor Spielbeginn den eigenen Fans in der Nordkurve. Mehrmals. Diese antworteten mit einem großen Transparent und historischem Pathos: "Dies ist die Geschichte eines Vereins, der fällt, aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung."

Keine Tore, keine Pfiffe

Nach diesem Ablass spielten die Profis zunächst frei auf - vor allem Tatsuya Ito und Khaled Narey überzeugten. Was nicht kam, war ein Tor - das erste der Hamburger Zweitligageschichte. Was stattdessen kam: die Kieler. Sie wurden besser und besser. Was aber auch nicht kam: Pfiffe. Die HSV-Fans unterstützten ihre Mannschaft weiter, auch, als die von immer mehr Selbstzweifeln erfasst zu werden schien.

Aber Unterstützung schießt keine Tore. Kieler Konter und der überragende Holstein-Neuzugang Lee Jae Sung entschieden das Spiel für die Störche. HSV-Trainer Christian Titz sprach hinterher von einem "griffigen und giftigen Auftreten" der Kieler, das spielentscheidend gewesen sei. Auf dem Platz waren nach dem 0:2 durch David Kinsombi erste Brüche innerhalb der Hamburger Elf aufgetreten. Pierre-Michel Lasogga und Narey diskutierten und gestikulierten ausgiebig.

Und auf den Rängen? Viele Zuschauer verließen den Volkspark Minuten vor Spielende. Andere aber feuerten ihre Mannschaft auch nach der 0:3-Auftaktniederlage an. Trainer Titz bedankte sich auf der Pressekonferenz ausdrücklich für die Unterstützung.

Was nun? Ersatzkapitän Holtby hielt schon die ersten Durchhalteparolen bereit: Er versprach den Fans, nächste Woche "eine bessere Leistung aufs Parkett zu zimmern." Der Sieg im eigenen Haus hätte den Zimmermann vermutlich erspart. Aber vielleicht ist das Schreinerhandwerk ja auch das, was der HSV jetzt braucht. Am zweiten Spieltag geht es zum SV Sandhausen. Kaum etwas klingt zweitklassiger als das. Auch die Kulisse im Hardtwaldstadion dürfte ernüchternder sein als das, was die fast 60.000 Fans im Volkspark gezeigt hatten.

Wichtig ist die Landung. Da haben die Fans recht. Abzuwarten bleibt, ob es eine Punktlandung wird oder eine Null-Punkt-Landung.



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dermitdemworttanzt 04.08.2018
1.
Klar ist das der Auftakt auf den ziemlich alle außerhalb Hamburgs gehofft haben. Ausgerechnet im hochsterilisierten Duell gegen Kiel. Aber der HSV hat ein Spiel verloren. Mehr nicht. Mal abwarten wie die Tabelle nach 10 Spieltagen aussieht.
retterdernation 04.08.2018
2. Was eine Topleistung der Kieler!
Alle guten Spieler der vergangenen Saison und den Trainer abgegeben. Und dann fegen die Störche den HSV aus dem Stadion. Mit einem Minietat gegen die Millionentruppe aus der Hansestadt. Das spricht für eine super Arbeit der Kieler. Respekt und Glückwunsch. Und an den HSV: macht weiter so :-)))
Kurt2.1 04.08.2018
3. #2
Zitat von retterdernationAlle guten Spieler der vergangenen Saison und den Trainer abgegeben. Und dann fegen die Störche den HSV aus dem Stadion. Mit einem Minietat gegen die Millionentruppe aus der Hansestadt. Das spricht für eine super Arbeit der Kieler. Respekt und Glückwunsch. Und an den HSV: macht weiter so :-)))
Ganz offensichtlich hat Holstein NICHT alle guten Spieler abgegeben. Der Sieg war kein Zufall und sicher auch nicht deswegen, weil der HSV schwach gespielt ist.
micspiegelforum 04.08.2018
4. Wo sind sie denn?
Wer mal auf die Website des HSV schaut, der weiß das die nicht begriffen haben wo sie sind. Wahrscheinlich wissen sie nich mal warum. Testspiel gegen Monaco, Testspiel gegen Bayern. Ach und das Spiel gegen Holstein. Naja machen wir im vorbeigehen. Ja, es ging vorbei. Sehr schade
nahatschalah 04.08.2018
5. Die Frage ist,
ob die vergebenen Torchancen der Hamburger in der ersten Halbzeit mehr an Pech oder mehr an Unvermögen lag. Im ersten Fall dürfte sich der HSV mittelfristig doch oben einfinden, im zweiten Fall nicht. Das werden aber erst die nächsten Spiele zeigen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.