Zweitliga-Start: Braunschweig, Hertha - und wer noch?

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Braunschweig-Trainer Lieberknecht: Eintracht nach 28 Jahren vor dem Aufstieg

Zwei Traditionsvereine vor der Rückkehr in die Bundesliga: Eintracht Braunschweig und Hertha BSC können schon fast mit dem Aufstieg planen. Um den wichtigen dritten Platz in Liga zwei gibt es dagegen noch einen heftigen Kampf. Und auch beim Abstieg mischen altehrwürdige Vereine mit.

Der Profi Torsten Lieberknecht gehörte zum Fußvolk der Bundesliga. 13-mal hat er für den 1. FC Kaiserslautern in Liga eins gespielt, ansonsten war die Zweite Liga sein Metier. Bei Waldhof Mannheim, Mainz 05, beim 1. FC Saarbrücken, bei Eintracht Braunschweig. Keiner, der in der Bundesliga Spuren hinterlassen hat. Das will er jetzt nachholen.

Lieberknecht ist seit 2008 Trainer in Braunschweig. Der 39-Jährige hat in den vergangenen sechs Jahren etwas aufgebaut, das er mit der an diesem Freitag fortgesetzten Rückrunde der 2. Liga (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) krönen dürfte. Die Eintracht ist auf dem besten Weg, nach 28 Jahren in die Bundesliga zurückzukehren.

Lieberknechts Thema der Abschlussarbeit beim Trainerlehrgang lautete: "Der schwierige Spagat zwischen Tradition und Zukunft bei Eintracht Braunschweig." An dieser Turnübung hat sich der Verein über Jahrzehnte verhoben. Danilo Popivoda, Franz Merkhoffer, Ronald Worm, Bernd Franke, Wolfgang Grobe, dazu die Präsidenten-Legende Günter Mast - lange Zeit mussten sich die Eintracht-Fans an der Erinnerung an all die berühmten Alten aus den Zeiten Braunschweiger Fußballherrlichkeit wärmen und dazu einen Jägermeister trinken. Tradition kann eine Last sein.

Vorsprung von zwölf Punkten zu groß, um nicht aufzusteigen

Lieberknecht hat den Club davon befreit. Die Eintracht müsste sich in der Rückrunde angesichts eines Vorsprungs von zwölf Punkten auf den Relegationsrang schon extrem ungeschickt anstellen, das große Ziel Aufstieg noch zu verfehlen. Zumal zwei Spieltage der Rückrunde bereits vor Weihnachten ausgetragen wurden, es jetzt also nur noch 15 zu absolvierende Pflichtübungen für die Eintracht sind. Das muss zu schaffen sein.

Ähnliches gilt für den Tabellenzweiten Hertha BSC. Der ruhige und sachliche Jos Luhukay hat die Chaostage bei den Berlinern, die in dem bizarren Relegations-Aus in Düsseldorf kulminierten, beendet. Bei der Hertha konzentriert man sich seit geraumer Zeit tatsächlich mal wieder aufs Fußballspielen. Und in dieser Hinsicht ist das Team in der Liga immer noch personell mit Abstand am besten ausgestattet. Der Aufstieg ist vor allem finanziell ein Muss für Hertha - aber der Vorsprung von zehn Zählern auf den nächsten Verfolger auch beruhigend genug.

Traditionsvereine vor dem Absturz

Es bleibt das Fragezeichen Platz drei: Wer schafft es auf den Rang, der über die Relegation gegen den Drittletzten der Bundesliga die große Chance eröffnet, aufzusteigen? Der 1. FC Kaiserslautern, noch so ein Traditionsverein, hält derzeit diese Position. Beim FCK hat man im Winter noch einmal ordentlich aufgestockt und den Kader mit den erstligaerfahrenen Erwin Hoffer, Benjamin Köhler und Chris Löwe verstärkt. Dazu kommt vom FC Bayern das hochgeschätzte Talent Mitchell Weiser.

Dermaßen ausgestattet sind die Lauterer wohl auch der gegenwärtige Favorit auf Rang drei. Auch wenn man auf die Konkurrenz schaut. Energie Cottbus und Union Berlin sind zu labil in ihrer Leistung. Bei 1860 München weiß man beim Einschlafen abends nie, ob der Verein am nächsten Morgen noch einen Vorstand, Aufsichtsrat, einen Trainer oder eine funktionierende Mannschaft besitzt. Und dem wackeren Neuling VfR Aalen traut man es bei allem guten Willen wirklich nicht zu, bis zum Saisonende oben mitzuhalten.

Ach ja, dann gibt es natürlich noch den 1. FC Köln. Wie Hertha und Kaiserslautern in der Vorsaison abgestiegen und derzeit von diesen dreien mit der schlechtesten Ausgangsposition, wieder direkt in die erste Liga zurückzukehren. Mitansehen zu müssen, wie sich die Rhein-Rivalen Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf zum Derby in der Bundesliga treffen und selbst am Samstag zum Heimspiel gegen Erzgebirge Aue zu pilgern - das fällt es selbst einem leiderprobten Anhänger des 1. FC Köln schwer, noch jönne zu könne.

Der FC weist einen Rückstand von sechs Punkten auf Platz drei auf. Das scheint immerhin noch aufholbar. Zumindest in Abstiegsgefahr dürfte das Team von Trainer Holger Stanislawski nicht mehr geraten. Dies ist anderen altehrwürdigen Fußballvereinen vorbehalten: Der FC St. Pauli, der VfL Bochum und der MSV Duisburg befinden sich zurzeit knapp über dem Strich, Dynamo Dresden steht als Drittletzter schon halb am Abgrund.

Hoffenheim statt Hertha, Augsburg statt Lautern, Heidenheim statt Dresden - so könnte die 2. Liga in der kommenden Saison aussehen. Es gab schon attraktivere Optionen.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Tradition
ogniflow 01.02.2013
Hertha,Braunschweig Klautern rauf - Fürth,Augsbug und vor allem Hoffenheim runter. Dann ärgern sich die Traditionshasser. Nächstes Jahr bitte Köln und 1860 rauf.
2. hmmm
hansmaus 01.02.2013
komisch, St.Pauli wird garnicht mehr großartig erwähnt. Als die noch in der Liga 1. waren hätte man meinen können das die ganze Spiegelredaktion eingefleischte Fans von diesem "anderen" "völlig coolem" Verein sind. schön das dieser Hype ein ende hat, jetzt ist Bayern alleine da :)
3.
Yves73 01.02.2013
Bielefeld, Lautern und die Hertha werden hoffentlich das Rennen machen. Wäre schade,w enn nicht.
4.
Justitia 01.02.2013
Zitat von ogniflowHertha,Braunschweig Klautern rauf - Fürth,Augsbug und vor allem Hoffenheim runter. Dann ärgern sich die Traditionshasser. Nächstes Jahr bitte Köln und 1860 rauf.
Wo kann ich unterschreiben ;-)?
5. Fahrstuhlvereine
phase 01.02.2013
..so wie yves73 glaube ich auch, dass es Hertha und Bielefeld machen werden. Beim FCK bin ich mir nicht sicher, ich glaube der andere Fahrstuhlverein, der 1.FCK, wird die 6 Punkte noch aufholen und Dritter werden. Für Bielefeld wäre es auf jeden Fall eine Art Quantensprung, voin Hetha erwartet man das.
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