3. Fußball-Liga: Rette sich, wer kann
Die dritte Liga soll eigentlich ein Prestigeobjekt des DFB sein, doch es klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das Magazin "SPONSORS" analysiert die weitreichenden Probleme der Drittliga-Clubs - die teilweise selbstverschuldet sind.
Es ist schon paradox: Fußball-Drittligist Wacker Burghausen befand sich infolge sportlichen Misserfolgs in den vergangenen drei Jahren eigentlich schon zweimal in der unterklassigen Regionalliga Süd. Eigentlich. Denn der Club profitierte beide Male vom finanziellen Kollaps eines Konkurrenten.
Dieses Jahr ist es nicht anders: Mit TuS Koblenz und Rot Weiss Ahlen konnten gleich zwei Vereine die Lizenzauflagen nicht erfüllen. Nutznießer war neben den solventen Burghausenern auch Werder Bremen II. Insgesamt mussten sich im aktuellen Lizenzierungsverfahren gleich acht Clubs ernsthafte Gedanken machen, wie sie den Verbleib in der 3. Liga unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sichern.
Derlei Umstände sorgen für schlechte Stimmung und schlechte Presse. In der Öffentlichkeit ist die 3. Liga längst zur "Pleiteliga" verkommen. Aber ist dieses negative Image überhaupt gerechtfertigt? Oder wirtschaften die Drittligisten über ihre Verhältnisse mit dem sehnlichen Wunsch, endlich die 2. Bundesliga zu erreichen?
Über folgende Fakten dürften sich die Vereine zunächst freuen: Die 3. Liga verbuchte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 117 Millionen Euro, die Zuschauerzahlen stiegen um 0,3 Millionen auf 2,2 Millionen Zuschauer. Die regelmäßige Fernsehberichterstattung im Vorfeld der ARD "Sportschau", Sendeflächen in den dritten Programmen und nicht zuletzt der Rekordwert von 24 Live-Übertragungen in der abgelaufenen Saison belegen die gute mediale Präsenz sowohl regional als auch national.
"Bestdotierte 3. Liga der Welt"
Dennoch ist die Stimmung beim Blick auf die Einnahmenseite getrübt. "Die guten Mediawerte werden nicht in Fernsehgelder umgemünzt", moniert etwa Hajo Sommers. Der Präsident von Rot-Weiß Oberhausen ist von der abgelaufenen Zweitliga-Saison noch andere Summen gewöhnt. Nach dem Abstieg muss RWO durch wegfallende Einnahmen aus der TV-Vermarktung nach eigenen Aussagen "eine Lücke von rund vier Millionen Euro abfangen". In der 3. Liga muss der Club nun mit einem abgespeckten Etat von knapp drei Millionen Euro wirtschaften.
Mit einem solchen Budget könnte so mancher Club aus der Basketball-Bundesliga (BBL) oder der Handball-Bundesliga (HBL) mehr als gut leben - Fußball-Drittligisten anscheinend nicht. Nicht nur Rot-Weiß Erfurts Präsident Rolf Rombach musste zuletzt "alle Kosten auf das Minimum begrenzen". In Oberhausen stimmt Sommers in das Klagelied ein: "Wir würden mittlerweile so ziemlich alles verkaufen, um Einnahmen zu generieren."
Derartige Sorgen finden beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) nur bedingt Anklang. "Das ist die bestdotierte 3. Liga der Welt", erklärte Wolfgang Niersbach jüngst. Der DFB-Generalsekretär bezog sich auf die Summe von 860.000 Euro, die ein Drittliga-Club jährlich aus dem großen Topf der Fernsehgelder erhält. Aus Sicht der Drittliga-Vereine ist das eindeutig zu wenig.
Doch würde eine Anhebung der Geldverteilung überhaupt etwas ändern? Wahrscheinlich nicht. Denn die Erfahrung zeigt, dass Sportclubs in der Regel jeden neuen Euro direkt in Gehaltserhöhungen für Spieler umwandeln.
Problemfall Absteiger
Zudem beweist ein weiterer Vergleich mit Profiligen anderer Sportarten, dass die betroffenen Clubs auf hohem Niveau klagen: Selbst absolute Spitzenteams wie etwa der THW Kiel (HBL), Alba Berlin (BBL) oder die Eisbären Berlin (DEL) erlösen pro Saison mit rund 225.000 Euro zusammen nur knapp ein Viertel von dem, was ein einziger Fußball-Drittligist jährlich an Geldern aus der TV-Vermarktung vom DFB bekommt. Helmut Sandrock, DFB-Direktor der 3. Liga, weiß die Verhältnisse einzuschätzen: "Die Fernsehgelder, die wir ausschütten, sind um ein Vielfaches höher, als die Liga am Markt wert ist."
Doch die Cluboberen haben neben den TV-Einnahmen auch bei der Vermarktung so ihre Schwierigkeiten. "Der Großteil der Gelder kommt aus der regionalen Industrie", beklagt der Erfurter Rombach. Auch andere bemängeln das zu geringe Interesse und daraus resultierend zu geringe Einkünfte. Nach SPONSORS-Informationen zahlt ein Hauptsponsor im Durchschnitt immerhin rund 400.000 Euro an einen Drittligisten.
Helmut Sandrock sieht da keine weiteren Stellschrauben beim DFB: "Die Standortnachteile der Clubs können nicht beim Verband geltend gemacht werden", sagt er. Schließlich gebe es in praktisch jeder Spielklasse Standortnachteile - angefangen bei der ersten Liga.
Sandrock verweist derweil auf ein ganz anderes Problem im Lizenzierungsverfahren: "Per Saldo nehmen alle Clubs, die von oben kommen, immer einen Malus in die nächste Liga mit", erklärt der DFB-Mann mit ernster Stimme. Will heißen: Man denkt bei der Lizenzierung kurzfristig - ausstehende Forderungen, beispielsweise aus Catering oder Ticketing, werden in die nächste Saison geschoben, um die Lizenz zu erhalten. Folglich potentiert sich das Problem.
Die finanziellen Probleme von TuS Koblenz und Rot Weiss Ahlen sind mahnende Beispiele dafür. Beide spielten 2009/2010 noch in der 2. Bundesliga - sie haben nur ein Jahr in der 3. Liga durchgehalten.
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- Donnerstag, 07.07.2011 – 09:38 Uhr
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