3. Fußball-Liga: Saisonstart der "Geldverbrennungsliga"

Aachen, Karlsruhe, Rostock: Die Absteiger gehen als Favoriten in die neue Drittliga-Saison. Doch für viele Clubs rückt das sportliche Abschneiden in den Hintergrund. Sie sorgen sich schon vor dem Saisonstart um ihre finanzielle Situation.

Rostocker Profis: Ziel ist der Wiederaufstieg in Liga zwei Zur Großansicht
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Rostocker Profis: Ziel ist der Wiederaufstieg in Liga zwei

Hamburg - Sie wurde vom damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als "Erfolgsstory" angekündigt. Doch auch in ihrem fünften Jahr hat die am Freitag beginnende dritte Liga ein großes Strukturproblem. Zahlreiche Clubs ächzen schon vor dem Saisonstart über die finanziellen Rahmenbedingungen.

"Vom wirtschaftlichen Aspekt her ist die dritte Liga eine Geldverbrennungsliga", sagt Babelsbergs Geschäftsführer Klaus Brüggemann. Und Unterhachings Präsident Engelbert Kupka legte im "Münchner Merkur" nach: "Die dritte Liga wird ausgebeutet. Man kümmert sich nicht um dieses Kind. Ich habe oft das Gefühl, wir sind fast lästig."

Weitere Beispiele gefällig? Die Liga sei "wirtschaftlich eine volle Katastrophe", in der Clubs "auf Dauer keine Überlebenschance haben", sagte Wolfgang Gräf, Geschäftsführer des SV Wehen Wiesbaden, dem "Kicker". Und Michael Schädlich, Boss des Aufsteigers Hallescher FC, sprach in der "Mitteldeutschen Zeitung" davon, dass "der Aufwand in keinem Verhältnis zur Entschädigung" stehe.

Sie alle prangern die zu niedrigen TV-Gelder an, jeder Club erhält nur 700.000 Euro pro Spielzeit. Zudem verpasste es der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bisher, die Clubs mit der Akquirierung eines Ligasponsors finanziell weiter zu entlasten. Beim DFB sieht man die Problematik jedoch nicht. Es seien "Einzelmeinungen", sagte DFB-Direktor Ulf Schott: "Unser Zulassungsverfahren zeigt eine stabile wirtschaftliche Lage."

Aachen eröffnet Saison gegen Bielefeld

Vielleicht ist aber auch seine Einschätzung eine Einzelmeinung. Schon nach der Saison 2011/2012 wurden bei diversen Clubs große Finanzprobleme offensichtlich. Aus Geldnot sind über die Jahre Clubs wie TuS Koblenz, Kickers Emden und Rot-Weiß Ahlen aus der Liga verschwunden. Doch bis heute hat es der Verband nicht geschafft, die Strukturen zu verbessern.

Auch wegen dieser schwierigen Situation gehen die Zweitliga-Absteiger mit einem klaren Ziel in die Saison: Alle drei wollen die Liga schnellstmöglich wieder verlassen und den Wiederaufstieg schaffen. "Wir werden um den Aufstieg mitspielen", so Karlsruhes Trainer Markus Kauczinski, der über den teuersten Kader der Liga verfügt. Sieben Millionen Euro pumpt der KSC ins Team. Und Hansa-Coach Wolfgang Wolf sagte: "Ich will mit meiner Mannschaft hoch, dieses klare Ziel brauchen wir."

Nur bei Alemannia Aachen gibt man sich vor dem Saison-Eröffnungsspiel bei Arminia Bielefeld am Freitag (20.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zurückhaltender. "Wir haben eine tolle Mannschaft, müssen aber erst einmal in dieser Liga ankommen. Konkrete Saisonziele werden wir ab September formulieren", sagte Trainer Ralf Außem.

Für die Aufsteiger Hallescher FC, Stuttgarter Kickers und die Reservemannschaft von Borussia Dortmund geht es hingegen nur um den Klassenerhalt. "Wir müssen erstmal sehen, wie wir mit dem höheren Niveau klarkommen, und dann versuchen, schnell Punkte zu sammeln", sagte HFC-Trainer Sven Köhler.

Der Club aus Sachsen-Anhalt hatte sich in der vergangenen Spielzeit vor dem finanzkräftigen Verein RB Leipzig überraschend die Meisterschaft in der Regionalliga Nord gesichert und nach 18 Jahren die Rückkehr in den Profifußball gefeiert. Doch die Euphorie ist weg, jetzt herrscht in Halle Realismus. Es geht ums sportliche Überleben - und ums finanzielle.

leh/sid/dpa

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1.
Robert_Rostock 20.07.2012
Zitat von sysopAachen, Karlsruhe, Rostock: Die Absteiger gehen als Favoriten in die neue Drittliga-Saison. Doch für viele Clubs rückt das sportliche Abschneiden in den Hintergrund. Sie sorgen sich schon vor dem Saisonstart um ihre finanzielle Situation. 3. Fußball-Liga startet am Freitag - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,845418,00.html)
Was für Dopingmittel die nehmen, steht natürlich nicht in dem Artikel. Diesen unglaubwürdigen Sport sollte man ignorieren!
2. Doping?
honeybadger 20.07.2012
Ähem, war Doping irgendwie das Thema des Artikels. Wenn man Fußball nicht abkann und keine Ahnung hat, bzw. Beweise, und nicht nur Vermutungen, dann sollte man einfach mal nichts schreiben, bevor man Bullshit "trollt". Man kann nicht alle über einen Kamm scheren.
3. Ignorieren...
Pillendreher 20.07.2012
Zitat von Robert_RostockWas für Dopingmittel die nehmen, steht natürlich nicht in dem Artikel. Diesen unglaubwürdigen Sport sollte man ignorieren!
...sollte man in jedem Fall ihren Beitrag!
4.
Robert_Rostock 20.07.2012
Zitat von honeybadgerÄhem, war Doping irgendwie das Thema des Artikels. Wenn man Fußball nicht abkann und keine Ahnung hat, bzw. Beweise, und nicht nur Vermutungen, dann sollte man einfach mal nichts schreiben, bevor man Bullshit "trollt". Man kann nicht alle über einen Kamm scheren.
Ich habe nur dasselbe gemacht, was bei allen Radsport- und Tour de France-Diskussionen hier bei SPON üblich ist. Auch da werden bei jedem Artikel, auch wenn es in diesem überhaupt nicht um Doping geht, sofort reflexartig solche Beiträge wie mein erster abgesondert. Fast wortgleich. Aber ich weiß, beim Fußball gibt es kein Doping, kann es gar nicht geben.
5. Fragt sich nur, wie...
Trendgenerator 20.07.2012
Zitat von Robert_RostockWas für Dopingmittel die nehmen, steht natürlich nicht in dem Artikel. Diesen unglaubwürdigen Sport sollte man ignorieren!
"glaubwürdiger Sport" denn zu definieren ist. Kameras nur noch auf rhythmische Sportgymnastik und Seniorinnen beim Kieser-Training halten! Ausserdem: ignorieren schön und gut, aber Herr Rostock liest ja sogar Artikel zum Saisonstart der dritten (!!) Liga (und freut sich wahrscheinlich wie ein Schneekönig auf den Start der ersten...
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