Drittliga-Saison mit vielen Traditionsklubs Bundesliga Classic

Kaiserslautern, 1860 München - und Kevin Großkreutz: große Namen, aber wie reizvoll ist die dritte Liga? Eklatant ist, wie viel weniger die Klubs an TV-Geld im Vergleich zur zweiten Liga kassieren.

Uerdingens neuer Topstar Kevin Großkreutz
imago/ Revierfoto

Uerdingens neuer Topstar Kevin Großkreutz

Von und (Grafik)


Am 24. August beginnt mit dem Bundesliga-Start die Liga der Ex-Weltmeister. Wer nicht mehr so lange warten will, kann einen deutschen Weltmeister von 2014 schon früher im Pflichtspieleinsatz erleben. Am Freitag startet die dritte Liga in ihre elfte Saison und Kevin Großkreutz wird am Sonntag mit seinem neuen Klub KFC Uerdingen auf den Ex-Bundesligisten Unterhaching treffen.

Großkreutz war vor vier Jahren noch im Kader des Weltmeisterteams von Joachim Löw. Er steht symbolisch für das, was gerade in der dritten Liga passiert: Für den Absturz in die unterste deutsche Profiklasse, den einige Größen der Vergangenheit erleben. Neben Großkreutz werden mit Eintracht Braunschweig, Kaiserslautern, 1860 München und dem Karlsruher SC vier ehemalige Deutsche Meister zur neuen Drittliga-Saison gehören. Hansa Rostock, Energie Cottbus, Preußen Münster und Uerdingen spielten schon einmal Bundesliga. Oder andersherum betrachtet: Die dritte Liga ist so namhaft besetzt wie vielleicht noch nie.

Deswegen überrascht es nicht, wenn in einigen Medien von der attraktivsten dritten Liga überhaupt gesprochen wird - von einer Art Bundesliga Classic. Manche Fußballfans spotten, sie würden im kommenden Jahr lieber die dritte Liga verfolgen als den wahrscheinlich erneut von Langeweile geprägten "Meisterkampf" in der Bundesliga.

Aber: Was macht die dritte Liga aus? Die jüngere Vergangenheit der Klubs, Zuschauerzahlen und finanzielle Aspekte in der Analyse.

  • Ligazugehörigkeit von 2008 bis heute

Die 20 aktuellen Drittligisten haben in den vergangenen zehn Jahren von 200 Spielzeiten gerade einmal fünf in der Bundesliga verbracht. Kaiserslautern spielte von 2010 bis 2012 in der Bundesliga, der KSC in der Saison 2008/2009, Braunschweig im Jahr 2013/2014 und die Erstligazeit von Energie Cottbus liegt bereits zehn Jahre zurück. So klangvoll die Namen einiger Drittligaklubs auch sind - mit dem Spitzenfußball in Deutschland hatten sie zuletzt nur wenig zu tun.

In welchen Ligen haben die 20 aktuellen Drittligisten seit Bestehen der 3. Liga gespielt?
08/ 09 09/ 10 10/ 11 11/ 12 12/ 13 13/ 14 14/ 15 15/ 16 16/ 17 17/ 18
FC Kaiserslautern FC Kaiserslautern 2. 2. 1. 1. 2. 2. 2. 2. 2. 2.
Karlsruher SC Karlsruher SC 1. 2. 2. 2. 3. 2. 2. 2. 2. 3.
Eintracht Braunschweig Eintracht Braunschweig 3. 3. 3. 2. 2. 1. 2. 2. 2. 2.
1860 München 1860 München 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 4.
Energie Cottbus Energie Cottbus 1. 2. 2. 2. 2. 2. 3. 3. 4. 4.
Hansa Rostock Hansa Rostock 2. 2. 3. 2. 3. 3. 3. 3. 3. 3.
VfR Aalen VfR Aalen 3. 4. 3. 3. 2. 2. 2. 3. 3. 3.
VfL Osnabrück VfL Osnabrück 2. 3. 2. 3. 3. 3. 3. 3. 3. 3.
Wehen Wiesbaden Wehen Wiesbaden 2. 3. 3. 3. 3. 3. 3. 3. 3. 3.
SpVgg Unterhaching SpVgg Unterhaching 3. 3. 3. 3. 3. 3. 3. 4. 4. 3.
Preußen Münster Preußen Münster 4. 4. 4. 3. 3. 3. 3. 3. 3. 3.
Hallescher FC Hallescher FC 4. 4. 4. 4. 3. 3. 3. 3. 3. 3.
Carl Zeiss Jena Carl Zeiss Jena 3. 3. 3. 3. 4. 4. 4. 4. 4. 3.
Sonnenhof Großaspach Sonnenhof Großaspach 4. 4. 4. 4. 4. 4. 3. 3. 3. 3.
Sportfreunde Lotte Sportfreunde Lotte 4. 4. 4. 4. 4. 4. 4. 4. 3. 3.
Fortuna Köln Fortuna Köln 5. 5. 5. 4. 4. 4. 3. 3. 3. 3.
Würzburger Kickers Würzburger Kickers 5. 6. 6. 6. 4. 4. 4. 3. 2. 3.
SV Meppen SV Meppen 5. 5. 5. 4. 4. 4. 4. 4. 4. 3.
FSV Zwickau FSV Zwickau 5. 5. 5. 5. 4. 4. 4. 4. 3. 3.
KFC Uerdingen KFC Uerdingen 6. 6. 6. 5. 5. 4. 4. 5. 5. 4.

Es ist sogar das Gegenteil der Fall: Mit Uerdingen, Zwickau, Meppen, Würzburg, Fortuna Köln, Sonnenhof Großaspach, Sportfreunde Lotte gibt es gleich sieben Klubs, die in den vergangenen zehn Jahren länger im Amateur- als im Profifußball spielten. Insgesamt kommen die 20 Drittligisten in den vergangenen Jahren auf 72 Saisons, in denen sie in der Regionalliga oder in tieferen Spielklassen aktiv waren.

  • Zuschauerzahlen

Auch das Fanpotenzial spielt eine Rolle, und wenn am Samstag (14 Uhr) 1860 München beim 1. FC Kaiserslautern antritt, dürfte es stimmungsvoll wie zu Bundesligazeiten zugehen.

Der FCK rechnet für das Heimspiel gegen die Löwen mit über 35.000 Fans. Das ist zwar kein neuer Drittliga-Zuschauerrekord, diesen hat Fortuna Düsseldorf mit 50.095 Fans in der Saison 2008/2009 aufgestellt. Aber die Kulisse im Fritz-Walter-Stadion wird gewaltig sein - und im Ligavergleich eher die Ausnahme bleiben. Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr lag der Zuschauerschnitt der 20 Drittligisten bei knapp 6200 Fans pro Spiel. Europaweit erfährt nur die englische League One (7944 Zuschauer pro Spiel) mehr Zuspruch unter den dritten Fußballligen.

In dieser Saison dürfte der Schnitt auf das Niveau der englischen League One steigen. Zumindest, wenn die Erwartungen der Klubs erfüllt werden. Das hat eine Anfrage des SPIEGEL an die 20 Drittliga-Klubs ergeben. Besonders die neuen Klubs, Kaiserslautern, Braunschweig und 1860, haben eine deutlich größere Fanbasis als viele andere Liga-Konkurrenten.

  • Verdienstmöglichkeiten

Trotz des starken Interesses zu Beginn - in Kaiserslautern und Braunschweig rechnen die Verantwortlichen mit weniger Zuschauern als in der zweiten Liga. Das ist ein Problem. Der Kartenverkauf und die daraus entstehenden Einnahmen spielen im Vergleich zu höheren Ligen eine wichtigere Rolle. Das verdeutlicht ein Blick auf die unterschiedlichen Erlöse aus der TV-Vermarktung. Der FC Bayern wird in der kommenden Saison etwa 64 Millionen Euro aus der nationalen Vermarktung erhalten - das ist der Spitzenwert in Deutschland, aber für Drittligisten keine ernsthafte Referenzgröße.

Interessanter ist für diese Vereine, dass der 1. FC Magdeburg von den 36 Klubs aus der ersten und zweiten Liga mit 6,75 Millionen Euro am wenigsten aus der TV-Vermarktung kassieren wird. Klar, viel weniger als Bayern München, aber etwa fünf Millionen Euro mehr, als ein Drittligist durch die Ausschüttung der Fernsehgelder verdient. Im kommenden Spieljahr wird jeder Drittligaverein 1,28 Millionen Euro aus den Übertragungsrechten kassieren. Immerhin: Diese Summe ist bereits ein Erfolg. Im vergangenen Jahr hatten die Drittligisten 12,8 Millionen Euro vom DFB pro Saison erhalten - das machte nur 640.000 Euro für jeden der 20 Vereine.

Das ist wenig Geld. Besonders unter dem Aspekt betrachtet, dass in der dritten Liga bereits hohe Gehälter gezahlt werden sollen. Fortuna-Köln-Geschäftsführer Michael Schwetje sprach im Mai von "ungesundem Wirtschaften" einiger Klubs und äußerte Verwunderung darüber, "welche Gehälter aufgerufen und gezahlt werden".

Stadion in Meppen
Getty Images

Stadion in Meppen

  • Ausblick

Gute Nachricht für alle, die den Sprung in die zweite Liga schaffen: Ein Drittliga-Aufsteiger ist in oberen Spielklassen nicht chancenlos, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Bis zum Sommer 2017 hat es 20 verschiedene Drittliga-Aufsteiger gegeben und elf davon spielen heute noch in der zweiten Liga. Mit Düsseldorf und Leipzig gibt es sogar zwei Ex-Drittligisten, die in der Saison 2018/2019 in der Bundesliga spielen. Wobei der Fall RB aufgrund des finanziellen Hintergrunds anders bewertet werden muss.

  • Fazit

Ist die dritte Liga also attraktiv? Für einige Fans wahrscheinlich schon. Es gibt 58 Ex-Bundesligaspieler in der Liga und einige traditionsreiche Klubs, für die aufgrund der geringen Einnahmemöglichkeiten größerer Aufstiegsdruck herrscht. Für viele Vereine ist die Liga also eher eine Durchgangsstation. Uerdingens Präsident Mikhail Ponomarev sagte kürzlich: "Ab der zweiten Liga kann man erst Geld verdienen. Wir wollen so schnell wie möglich dorthin."

Damit das klappt, hat Uerdingen die Verpflichtung von Kevin Großkreutz (Ablöse: geschätzte 350.000 Euro) und des Ex-Frankfurters Stefan Aigner getätigt. Maxi Beister kam bereits im Januar. Sicher, die drei ehemaligen Bundesligaspieler werden kein Gehalt wie zu Erstligazeiten kassieren - aber auch nicht wegen des Kultmaskottchens (Grotifant) in Uerdingen spielen.

In einer früheren Version des Artikels war Ingolstadt fälschlicherweise als "aktueller Bundesligist" genannt worden. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

Mitarbeit: Patrick Stotz



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Epsola 27.07.2018
1.
Die Dritte Liga ist insgesamt ein großer Erfolg. Letztlich ist es ein Auffangbecken für "Traditionsvereine" und Vereine aus der Fläche ohne höherklassige Vertretung, die bundesweite Aufmerksamkeit bewahren können einschließlich Sportschau, statt in der Versenkung zu schwinden. Es gibt zu viele Vereine in Deutschland die einen Platz im Profisegment verdient hätten. Deswegen sollte die 2. Bundesliga auch auf 20 Teams erweitert werden. Außerdem sollte der Flaschenhals zwischen 3. Liga und Regionalliga geschlossen werden. Es sollte nur 2 Regionalligen Nordwest und Südost geben, die vielleicht genug Attraktivität bieten bedeutende Fernsehgelder einzuspielen. Danach sollte es 4. Oberligen geben. Die aktuelle Reform der Regional- & Oberligen konnte handwerklich kaum schlechter und ungerechter gemacht werden. Was die Fernsehgelder angeht hat die 3. Liga ein gehöriges Argument auf ihrer Seite. Da man verpflichtet ist in jedem Spiel 4 U23-Spieler aufzustellen, man also eine Ausbildungsaufgabe für die DLF übernimmt, sollte das auch entsprechend entlohnt werden. Die Fernsehgelder noch mal zu verdoppeln würde die Bundesliga gerade einmal grob 2% ihrer Fernseheinahmen kosten. Das können diese durchaus verkraften. Ohne Unterbau gibt es schließlich auch keine Bundesliga.
laberbacke08/15 27.07.2018
2.
Die Frage ist ja eher wie lange sich manche der Vereine da halten koennen. Sowohl der FCK als auch KSC, EBS, 1860 und KFC muessen eigentlich in der hoeheren Liga spielen um langfristig ueberleben zu koennen. Da es aber leider keine 5 AUfstiegsplaetze gibt und die anderen auch gerne aufsteigen woollen wird es wohl einen von denen in den naechsten Jahren treffen
JohnBobsel 27.07.2018
3. Traditionsvereine
Im Prinzip sind alle dieses Vereine durch schlechtes Management in diese Lage gekommen. Und Tradition bezahlt nunmal keine Rechnungen. Und schlechte Unternehmen und das sind Traditionsvereine nunmal bleiben auf der Strecke
Epsola 27.07.2018
4.
Zitat von JohnBobselIm Prinzip sind alle dieses Vereine durch schlechtes Management in diese Lage gekommen. Und Tradition bezahlt nunmal keine Rechnungen. Und schlechte Unternehmen und das sind Traditionsvereine nunmal bleiben auf der Strecke
Sry, das ist doch Blödsinn. Selbst wenn man ein gutes Management hat, kann es einen erwischen wenn die anderen eben noch besser managen. Es gibt nun mal feste Auf- & Absteigsplätze. Der Abstand zwischen der 3. Liga & den Regionaliegen ist das Problem. Als absteigender Drittligaverein fällt man extrem tief, wobei der Wiederaufstieg wiederum sehr schwer ist. Das bricht einem schnell, dass Genick und bleibt für lange Zeit in den Niederungen. Andersrum können Regionaligavereine sich in ihrer Liga finanziell kaum für die 3. Liga vorbereiten und haben im Falle des glücklichen Aufstieges ebenfalls ein großes Planungsproblem.
klaus meucht 27.07.2018
5. Furiose 2. Liga Saison letztes Jahr
Zitat von JohnBobselIm Prinzip sind alle dieses Vereine durch schlechtes Management in diese Lage gekommen. Und Tradition bezahlt nunmal keine Rechnungen. Und schlechte Unternehmen und das sind Traditionsvereine nunmal bleiben auf der Strecke
Letztes Jahr gab es in der 2. Liga kein Mittelfeld. 3/4 der Liga war bis fast zum letzten Spieltag abstiegsgefährdet. Ich glaube nicht dass alle Vereine schlechtes Management hatten.
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