KFC Uerdingen vor der Drittliga-Relegation Zwischen Grotifant und Oligarch

Der KFC Uerdingen steht vor der Rückkehr in den Profifußball. Grund dafür ist nicht das legendäre Maskottchen des Vereins, sondern ein russischer Investor. Nicht alle sind davon begeistert.

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"Uns kann es nur recht sein, wenn der KFC aufsteigt": Was Marcus Uhlig, Geschäftsführer von Rot-Weiss Essen, über den Konkurrenten aus Uerdingen zu sagen hat, klingt im ersten Moment überraschend. Doch wenn Fans und Funktionäre in Aachen, Essen oder Oberhausen in den Aufstiegsspielen zur Dritten Liga dem KFC Uerdingen die Daumen drücken, hat das wenig mit nordrheinwestfälischer Solidarität zu tun. Es ist eher das Geschäftsmodell der Krefelder, das den übrigen Vereinen der Liga zu schaffen macht. "Dann sind die weg und es gibt kommende Saison einen Konkurrenten weniger um die vorderen Plätze," sagt Uhlig.

Trotz der vielen Fans - zu Essener Heimspielen kamen in der abgelaufenen Saison fast 7000 Fans im Schnitt - können langjährige Erst- und Zweitligisten wie Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen oder eben RWE nicht mit den reichen, von einem einzigen Mäzen geführten Verein mithalten. Nicht mit Viktoria Köln. Und schon gar nicht mit dem KFC Uerdingen.

Für dessen Präsidenten Mikail Ponomarev ist das heutige Aufstiegsspiel gegen Waldhof Mannheim (19 Uhr) nur ein Etappenziel auf dem Weg in die Zweite Liga. "Uerdingen ist jetzt schon mit einem gehobenen Drittliga-Etat unterwegs", sagt Uhlig. Der Essener Personaletat liege etwa bei einem Drittel dessen, was beim KFC ausgegeben wird.

Vom einen zum nächsten Investor

Die Finanzen sind in Krefeld ein wechselhaftes Thema. Bis 1995 wurde Uerdingen vom Bayer-Konzern alimentiert. In viel geringerem Maße als Leverkusen, aber das Geld reichte, um Uerdingen als festen Bestandteil der Bundesliga zu etablieren. Als das Geld aus Leverkusen versiegte, benannte sich Bayer Uerdingen in "Krefelder Fußball Club Uerdingen" (KFC) um. Doch ohne die Bayer-Millionen folgte der etappenweise Absturz bis hinunter in die sechste Liga (2008-2011).

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KFC Uerdingen: Bewegte Zeiten in der Grotenburg

Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald nannte den damaligen Uerdinger Niedergang jüngst als warnendes Beispiel dafür, was passieren könne, wenn sich ein Verein ausschließlich einem Investor ausliefere. "Wenn der die Lust verliert, verschwindet ein Verein ganz schnell von der Bildfläche."

Beim KFC sah man nach dem tiefen Fall dennoch eher die Chancen als die Risiken, als der nächste Investor anklopfte. 2008 übernahm Agissilaos "Lakis" Kourkoudialos den Klub als Präsident, den er zuvor mit einem Darlehen vor dem Aus gerettet hatte. In Erinnerung geblieben ist er den Fans auch als Mann, der sich 2012 im Spiel gegen Ratingen einwechseln ließ und einen Elfmeter verschoss.

Dass Kourkoudialos schillernde Ex-Bundesligaspieler wie Ailton und Mo Idrissou in die unteren Ligen holte, brachte ihm viel Aufmerksamkeit. 2012 berichtete das WDR-Magazin "Sport Inside" von Vorwürfen zahlreicher KFC-Spieler, "Lakis" habe ihnen Immobilien weit über deren Wert verkauft. Ailton sagte, Spieler seien nur verpflichtet worden, wenn sie eine oder mehrere seiner Immobilien gekauft hätten.

Mit Abstand größter Etat der Liga

2016 wurde Kourkoudialos von dem Unternehmer Ponomarev abgelöst, der zuvor bereits als Gesellschafter des englischen Premier League-Klubs AFC Bournemouth und des Eishockeyvereins Düsseldorfer EG fungiert hatte. Dass er sich vor dem Einstieg in Uerdingen bei vielen anderen Sportvereinen in der Region umgesehen hatte, machte er selbst nie zu einem Geheimnis.

Mikail Ponomarev
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Mikail Ponomarev

Sportlich läuft es, seit Ponomarev am Ruder ist: Der KFC ist vergangene Saison erst in die Regionalliga aufgestiegen - und landete sofort auf Platz eins. Das allerdings mit dem mit Abstand größten Etat der Liga. Von sechs Millionen Euro ist die Rede, selbst Viktoria Köln, der langjährige Krösus der Liga, kann da nicht mithalten.

Ponomarev krempelte den Kader nach dem Aufstieg in die Regionalliga seit Sommer radikal um. Im Winter flog Trainer Michael Wiesinger, obwohl der KFC Tabellenzweiter war. Damit mehr Tore fallen, wurde Maximilian Beister verpflichtet, der zuvor in Mainz und beim HSV in der ersten Liga gespielt hatte. Mit Beister und Wiesinger-Nachfolger Stefan Krämer holte der KFC 34 von 36 möglichen Punkten und schoss 41 Tore.

Eine beeindruckende Bilanz. Ob die Konkurrenz den KFC Uerdingen bald los ist, entscheidet sich in der Relegation gegen Waldhof Mannheim heute und Sonntag (14 Uhr; TV: WDR).

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insgesamt 6 Beiträge
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widower+2 24.05.2018
1. Hess-Grunewald hat recht
Wenn Red Bull oder die Erben von Mateschitz keine Lust mehr haben, wird sich RB Leipzig als Profiverein in Windeseile erledigt haben.
thalatox 24.05.2018
2.
Zitat von widower+2Wenn Red Bull oder die Erben von Mateschitz keine Lust mehr haben, wird sich RB Leipzig als Profiverein in Windeseile erledigt haben.
Die hoffnung stirbt zuletzt, wa? ;)
spon_12 24.05.2018
3. Eine Frage der Zeit.
Zitat von thalatoxDie hoffnung stirbt zuletzt, wa? ;)
Das hat mit Hoffnung nichts zu tun - das ist eine Tatsache. Sie können noch so viel Geld in ein Konstrukt pumpen, die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen eines Vereins können sie nicht erreichen. Rasenballsport Leipzig bleibt die Sportabteilung von Red Bull, auch wenn sie sich rechtlich als Verein bezeichnen dürfen und sind nichts weiter als ein Spielzeug, welches für die Anhänger nur so lange von Belang ist, wie man glaubt, Erfolg zu haben. Sobald es einmal abwärts geht, fällt die ganze Idee in sich zusammen, weil selbst die lauteste Fan-Bekundung das implizite Wissen um die einzige Lebensader Geld nicht verdrängen kann. Oder glauben Sie ernsthaft, der gemeine RB-Fan geht wieder mit in die 3. Liga, wenn selbiger Strom versiegt? Können Sie vergessen.
neu-stuttgarter 25.05.2018
4.
... aber der Grotifant wäre auf jeden Fall eine Bereicherung für die Sportschau. Ich drücke den Uerdingern die Daumen, der erste Schritt wurde mit dem 1:0 ja gemacht.
quietschbär 25.05.2018
5. Na, da drücke ich doch mal alle Daumen für den Aufstieg
....Was bedeuten würde, daß die Zwote von Fortuna nicht absteigen muss :-) Jedem müsste klar sein, daß man in der Regionalliga kein Geld verdient. Es lohnt sich also nur, Investoren reinzulassen, die auch den entsprechenden langen Atem (und Willen) haben. Bei Kourkoudialos hatte ich immer das Gefühl, das Engagement war mehr so eine Art kleines, privates Freizeitglück
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