4:1-Sieg: Deutschland müllert England weg

Von Jan Reschke und Benjamin Knaack

So hoch hat Deutschland gegen England noch nie gewonnen. In einem Achtelfinal-Drama siegten Joachim Löws Männer 4:1, Thomas Müller als Star des Spiels traf gleich zweimal - doch ein nicht gegebenes Tor für die Gegner wird noch Diskussionen nach sich ziehen.

Hamburg - Ganz ruhig schlich Joachim Löw nach dem Abpfiff von seiner Bank in Richtung Englands Trainer Fabio Capello. Ein kurzer Handschlag, beide verzogen keine Miene. Hätte man die 90 Minuten im Free-State-Stadion von Bloemfontein zuvor nicht gesehen, man hätte aus den Reaktionen der beiden nicht absehen können, wer das Spiel gewonnen hat.

Dabei hat die deutsche Nationalelf bei ihrem 4:1 (2:1)-Erfolg im Achtelfinale der WM ihre beste Turnierleistung gezeigt - und den Erzrivalen England deklassiert. "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft", sagte Bastian Schweinsteiger. Auch Lukas Podolski strahlte. "Wir haben von hinten bis vorne eine sehr gute Leistung gezeigt." Kapitän Philipp Lahm erklärte: "Man hat eine deutsche Mannschaft gesehen, die aggressiv gespielt hat und immer nach vorne wollte." Die deutsche Nationalelf trifft nun am Samstag im Viertelfinale (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den Sieger der Partie zwischen Argentinien gegen Mexiko.

Die deutsche Mannschaft lief in der gewohnten 4-2-3-1-Formation auf. Dabei konnte Bundestrainer Joachim Löw auf den defensiven Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger zurückgreifen, der sich im Gruppenspiel gegen Ghana eine Verhärtung im Oberschenkel zugezogen hatte. Auch Jérôme Boateng, der aufgrund einer Wadenverhärtung auszufallen drohte, konnte von Beginn an mitwirken. Für Stürmer Cacau, der wegen einer im Training erlittenen Bauchmuskelzerrung nicht dabei war, spielte nach seiner abgelaufenen Sperre Miroslav Klose. Die Engländer begannen mit derselben Formation, die gegen Slowenien siegreich war.

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Das Spiel in Bildern: Neuer im Glück - Müller völlig losgelöst
Das Spiel begann temporeich: In der fünften Minute tauchte Mesut Özil vor dem englischen Tor auf, scheiterte aber aus spitzem Winkel bei seinem Versuch, Towart David James zu tunneln. Die anschließende Ecke brachte nichts ein.

Deutschland kontrollierte die Partie, der Ball lief gut durch die eigenen Reihen, England wurde früh beim Aufbauspiel gestört. In der elften Minute agierte Lukas Podolski egoistisch, als er einen vielversprechenden Angriff mit einem Schuss abschloss, der abgeblockt wurde.

Capellos grimmige Miene wurde nur noch grimmiger

Gefährliche Torraumszenen blieben auf beiden Seiten die Ausnahme - was vor allem daran lag, dass die Teams taktisch sehr gut organisiert waren und nur wenig Räume boten. Und so musste eine ungewöhnliche Situation für den ersten Treffer herhalten: Ein weiter Abschlag von Torwart Manuel Neuer landete in der englischen Hälfte, niemand fühlte sich zuständig, bis der Ball am englischen Strafraum ankam, wo sich Stürmer Klose gegen Innenverteidiger Upson extrem zweikampfstark zeigte, sich im Laufduell durchsetzte und den Ball im Fallen vorbei an James legte - 1:0 für Deutschland (20.).

Englands Antwort war ein Schuss von Barry, den Neuer aber sicher festhalten konnte. Trainer Fabio Capello lief anschließend wutentbrannt an den Rand seiner Coaching-Zone und gab seinen Spielern Anweisungen. Seine ohnehin so grimmige Miene wurde nur noch düsterer. Denn eine Traumkombination von Sami Khedira und Thomas Müller landete schließlich bei Klose, der frei an Keeper James scheiterte.

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Fan-Feiern: Deutsche jubeln, Engländer trauern
Deutschland hatte kurz danach doch Grund zum Jubeln: Müller passte perfekt auf Podolski, der auf der linken Seite unbehelligt den Ball annehmen und aus spitzem Winkel durch die Beine von James schießen konnte - 2:0 für Deutschland.

"Bei meinem Tor hatte ich ein bisschen Glück", kommentierte Podolski seinen Treffer.

Es ging Schlag auf Schlag, diesmal allerdings auf der Gegenseite: Frank Lampard scheiterte in der 35. Minute aus sechs Metern an Neuer. Kurz darauf hätte Klose fast den dritten Treffer erzielt. Stattdessen köpfte Upson nach schlechtem Stellungsspiel von Boateng eine Flanke zum Anschlusstreffer ins Tor - 1:2 für England. Schweinsteiger beschwerte sich nach dem Spiel: "Wir dürfen nicht so leichtfertig eine 2:0-Führung hergeben. Das darf nicht sein."

In der 40. Minute hielt der Geist von Wembley Einzug - mit verteilten Rollen. Als Frank Lampard aufs Tor von Manuel Neuer schoss, prallte der Ball - wie 1966 beim Schuss von Geoff Hurst auf das Tor von Hans Tilkowski - hinter Keeper Neuer von der Unterlatte auf den Boden. 1966 gab Schiedsrichter Gottfried Dienst den Treffer nach langen Diskussionen. 2010 war die Situation ungleich eindeutiger, Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay entschied dennoch, dass der Ball nicht im Tor war - ein klarer Fehler wie die Fernsehbilder im Anschluss zeigten (siehe auch Fotostrecke oben). DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte in der Pause der ARD: "Selbst ich habe von der Tribüne aus geglaubt, dass der Ball drin war."

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Nicht gegebenes Lampard-Tor: "Die Rache für Wembley"
Torwart Neuer gestand nach dem Spiel: "Ich habe nicht gesehen, ob der Ball drin war. Nachdem ich mich umgedreht habe, habe ich mich nur auf den Ball konzentriert." Die Brisanz der Szene war ihm dabei bewusst. "Ich habe mich natürlich beeilt, nach vorne zu kommen, damit die Schiedsrichter nicht auf die Idee kommt, dass der drin war."

Zur Pause blieb es bei der knappen Führung für Deutschland. Beide Trainer ließen ihre Mannschaft in der zweiten Halbzeit unverändert. In der 47. Minute sah Abwehrspieler Arne Friedrich nach einem Foul die Gelbe Karte. Und die englische Nationalelf erhöhte den Druck, ein Freistoß von Lampard landete an der Latte (53.). Eine schwache Rückgabe von Lahm, der nicht seinen besten Tag erwischte, konnte Neuer ganz knapp vor Defoe retten (57.).

Die Moral der Engländer war gebrochen

Die deutsche Abwehr geriet immer stärker unter Druck, eine Flanke nach der anderen wurde von der rechten Seite in den Strafraum geschlagen, ein Abnehmer fand sich aber meist nicht. Völlig überraschend dann der dritte Treffer für die Deutschen: Schweinsteiger passte nach einem Konter auf Müller, der Flügelspieler zog ab und der Ball landete vorbei am unglücklich agierenden James im Netz - 3:1 für Deutschland.

Die Moral der Engländer war gebrochen, in der 70. Minute konnte Özil von der linken Seite mustergültig in die Mitte querlegen, dort hatte erneut Müller keine Mühe den Ball unterzubringen - 4:1 für Deutschland.

Auf die Frage von einem ARD-Reporter, was er davon hielte, zum besten Nachwuchsspieler des Turniers gewählt zu werden, antwortete Müller: "Warum nicht? Ich habe noch einen Platz in der Vitrine übrig."

England kam nur noch vereinzelt vor das deutsche Tor. Gerrads Schuss in der 81. Minute lenkte Neuer mit einer Klasseparade noch um den Pfosten. Die deutliche Führung nutzte Löw, um den Reservisten noch Einsatzzeit zu verschaffen. So feierte der Leverkusener Stefan Kießling seine WM-Premiere, als er in der 83. Minute für Özil eingewechselt wurde. Zuvor hatte Löw schon Mario Gomez und Piotr Trochowski für Müller und Klose gebracht (71.).

Worauf es nun im Viertelfinale ankommt, erklärte Podolski: "Wir dürfen nicht den Fehler von nach dem Australienspiel wiederholen. Wir müssen weiter konzentriert bleiben."

Sollte die Konzentration da sein, muss die Mannschaft von Löw noch nicht einmal einen Lionel Messi fürchten. Das denkt auch Schweinsteiger: "Wenn wir das zeigen, was wir heute getan haben, dann können wir gewinnen."

Deutschland - England 4:1 (2:1)
1:0 Klose (20.)
2:0 Podolski (32.)
2:1 Upson (37.)
3:1 Müller (67.)
4:1 Müller (70.)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Jérôme Boateng - Khedira, Schweinsteiger - Müller (72. Trochowski), Özil (ab 83. Kießling), Podolski - Klose (ab 72. Gomez)
England: James - Johnson (ab 87. Wright-Phillips), Upson, Terry, Ashley Cole - Milner (ab 64. Joe Cole), Lampard, Barry, Gerrard - Defoe (ab 71. Heskey), Rooney
Schiedsrichter: Jorge Larrionda (Uruguay)
Zuschauer: 40.510 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Friedrich - Johnson

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Forum - Deutschland gewinnt den Klassiker gegen England: Was gab den Ausschlag?
insgesamt 858 Beiträge
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1. Die Deutsche Mannschaft !
Realo 27.06.2010
Was denn sonst ?
2. England war 54s von 90 min gut
trolls99 27.06.2010
Besser als im Blog einer englischen Zeitung kann man es nicht sagen: England war 54s von 90 min gut. Deutschland war sehr stark und England erstaunlich schwach!
3.
DirkDD 27.06.2010
Zitat von sysopWas gab den Ausschlag? Die Leistung von Joachim Löws Elf oder Schiedsrichter Larrionda?
:) Beides: Das nicht gegebene Tor und das darauf folgende Unvermögen einer fußballerich unterlegenen Manschaft daraus - jetzt erst recht - Kapital zu schlagen! :)
4. re
Zero Thrust 27.06.2010
Oh, ich wusste gar nicht, dass der Schiedsrichter auch mitspielte. :-) Viele Ballkontakte hatte er allerdings nicht.. Den Ausschlag? Eher gab es vier Einschläge, ins englische Tor, die ordentlich saßen und, genau, letztlich den Ausschlag gaben. So einfach ist Fußball. Deutschland hat wahnsinnig stark gespielt - in der Form hab ICH es dieser Mannschaft echt nicht zugetraut. Und? Umso schöner. Umso schöner nur.
5. oooo
inci 27.06.2010
---Zitat--- Deutschland gewinnt den Klassiker gegen England: Was gab den Ausschlag? ---Zitatende--- ich verstehe ja nicht viel von fußball, aber ich würde sagen, es lag daran, daß die deutschen 4 tore, die engländer aber nur 1 geschossen haben.
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Deutschland vs. England
WM Sieger/Ergebnis Spiel
1966 England, n.V. 4:2 Finale
1970 Deutschland, n.V. 3:2 Viertelfinale
1982 Remis, 0:0 2.Finalrunde
1990 Deutschland, n.E. 4:3 Halbfinale
2010 Deutschland, 4:1 Achtelfinale
EM Sieger/Ergebnis Spiel
1996 Deutschland, n.E. 6:5 Halbfinale
2000 England, 1:0 Gruppe
Gesamtbilanz: 32 Spiele, 11 Siege Deutschland, 15 Siege England, 6 Unentschieden

Fußball-WM in Südafrika
Bafana Bafana
Die Fußball-Weltmeisterschaft findet vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 statt. Gastgeber ist Südafrika - mit dem Nationalteam Bafana Bafana. Die wichtigsten Infos zur WM...
Klima
Die WM fällt in den südafrikanischen Winter. In Johannesburg und Pretoria ist es im Winter (Juli und August) aufgrund der Höhenlage von knapp 1400 bis 1750 Metern sonnig und trocken, im Schnitt um die zehn Grad, selten über 18 Grad, Nachtfrost.
Durban am Indischen Ozean hat subtropisches und damit auch im Juni warmes Klima, im Schnitt um die 17 Grad.
In Kapstadt an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans herrschen im Schnitt Temperaturen um die 13 Grad, am Abend unter zehn Grad Celsius. Im Juni und Juli sind hier die Niederschlagsraten im Jahresverlauf am höchsten.
Anreise und Einreise, Nahverkehr
Täglich Nonstop-Flüge von South African Airways, Lufthansa und weiteren Gesellschaften zu Johannesburgs Airport OR Tambo. EU-Bürger erhalten am Airport kostenlos ein drei Monate gültiges Touristenvisum.
Der öffentliche Nahverkehr in Johannesburg ist noch kaum vorhanden. Besucher sind in der Regel auf Mietwagen oder Taxis angewiesen.
Ticketverkauf
Für die Südafrika-WM sind Pauschalreisen erhältlich, bei denen neben Anreise, Hotels und Ausflügen auch Stadiontickets enthalten sind. In Deutschland sind Dertour in Frankfurt am Main, Passion Southafrica in Darmstadt, Thomas Cook Sport in London und Vietentours in Meerbusch die Veranstalterpartner der Fifa.
Austragungsorte, Stadion
Johannesburg, Soccer City
Durban, Moses-Mabhida-Stadion
Kapstadt, African Renaissance Stadium/Green-Point-Stadion
Johannesburg, Ellis-Park-Stadion
Tshwane/Pretoria, Loftus-Versfeld-Stadion
Nelson Mandela Bay/Port Elizabeth, Nelson-Mandela-Bay-Stadion
Nelspruit, Mbombela-Stadion
Mangaung/Bloemfontein, Free-State-Stadion
Polokwane, Peter-Mokaba-Stadion
Rustenburg, Royal-Bafokeng-Stadion
Information
South African Tourism
Friedensstraße 6
60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069/929 12 90
Internet: www.southafrica.net
de.fifa.com/worldcup/index.html
Sicherheitstipps der südafrikanischen Polizei
Reisende sollten die Sicherheitstipps der Polizei ernst nehmen, vor allem in Johannesburg, Durban, Kapstadt und anderen großen Städten:

Fluggepäck mit Schlössern sichern und auf dem Airport nicht unbeaufsichtigt lassen.

Schmuck nicht zur Schau stellen. Handys nicht auf offener Straße, sondern nur im Hotel, an Tankstellen oder in Gaststätten verwenden.

Bei Dunkelheit auf längere Spaziergänge verzichten. Hotels geben Auskunft über Gegenden, die gemieden oder nur in geführten Gruppen aufgesucht werden sollten.

Pässe und Wertgegenstände im Hotelsafe aufbewahren, Kopien von Pässen und Kreditkarten mitbringen. Möglichst wenig Bargeld einstecken - fast überall kann mit Kreditkarte bezahlt werden. Geld und Karten in verschließbaren Kleidungstaschen sichern.

Nur lizensierte Taxis benutzen.

Autofahren: Türen stets verriegeln, immer ein Handy dabeihaben und vorher die Notrufnummern einspeichern. Polizei: 112 oder 082/911, AA-Pannendienst: 0800/10101. Die Route gut studieren. Mobile Navigationsgeräte mit Südafrika-Software sind nützlich. Keine Anhalter mitnehmen. Unfallszenen können Fallen sein. Nicht halten, per Handy Polizei rufen. Tankstellen an Fernstraßen sind bewacht.
Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts
Das Auswärtige Amt in Berlin empfiehlt Touristen, vor allem in den Großstädten und ihren Randgebieten vorsichtig zu sein. Die Zentren von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt sollten nach Geschäftsschluss ebenso gemieden werden wie Fahrten mit Vorortzügen. Township-Besuche seien nur in Gruppen mit ortskundigem Führer ratsam. Bei Überfällen sei es besser, keinen Widerstand zu leisten. Ausführliche Ratschläge gibt das Ministerium online.