5:3-Sieg gegen Schweden Offensive hat niemals Ruh

Wieder ein Spektakel gegen die Schweden, und wieder zeigte die deutsche Defensive ihre Anfälligkeit. Nur dank der Treffsicherheit der Angriffsreihe verhinderte die Nationalmannschaft eine Pleite. Bei der WM wird alles besser, verspricht der Jubilar des Abends.

Aus Stockholm berichtet


Es war fast Mitternacht in Stockholm, da wagte Bastian Schweinsteiger eine angesichts des gerade beendeten Spiels sehr kühne Prognose: "Bei der WM wird es sehr schwierig sein, gegen uns Tore zu machen", sagte der Jubilar, der soeben sein 100. Länderspiel hinter sich gebracht hatte. Bis dahin muss allerdings noch einiges passieren.

Das 5:3-Spektakel, das die DFB-Elf und Schweden zuvor den Zuschauern geboten hatten, war zumindest wenig geeignet, einer solchen Voraussage unverzüglich zuzustimmen. Zu einfach hatte es die deutsche Defensive dem Gegner wieder einmal gemacht, immerhin drei Treffer zu erzielen.

Obwohl es offiziell ein WM-Qualifikationsspiel war, zeigte die deutsche Elf an diesem Abend ihr Testspiel-Antlitz. Was bedeutet: vorne auf Teufel komm raus stürmen, aber hinten die Absicherung vergessen. Besonders in der ersten Hälfte zeigte sich dieses Doppelgesicht der DFB-Auswahl: Das Team hatte die Partie fast komplett in die schwedische Hälfte verlagert und lag trotzdem nach 40 Minuten 0:2 zurück.

Hummels konnte kein Selbstvertrauen tanken

"Wir sind da nicht so recht ins Spiel gekommen", bemängelte Bundestrainer Joachim Löw anschließend. Beide Tore der Schweden fielen nach einfachen Pässen durchs Abwehrzentrum - dort wo neben Jérôme Boateng auch der zuletzt stark in der Kritik stehende Dortmunder Mats Hummels wieder einmal von Beginn an verteidigen durfte. Hummels musste dabei ausbaden, dass seine nachlässigen Vorderleute die Schweden zweimal passen ließen. Trotzdem sieht ein Innenverteidiger in solchen Situationen schlecht aus. Es war keine Partie, in der Mats Hummels Selbstvertrauen tanken konnte. Dabei hätte er es so nötig.

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Schweden vs. Deutschland: Das Acht-Tore-Spektakel
Zum Segen für die Mannschaft hatte die deutsche Offensive in der zweiten Halbzeit einen ausgesprochen guten und treffsicheren Abend erwischt. Und das lag vor allem an zwei Akteuren. Zum einen an dem dreifachen Torschützen André Schürrle, der bei seinem Dreierpack zwischen der 57. und 76. Minute all seine Stärken ausspielte. Seine Schnelligkeit, seine Abgezocktheit und seine Fähigkeit zum gezielten Distanzschuss.

"Er hat gezeigt, was er kann", lobte der Bundestrainer. Im Konkurrenzkampf um die Offensivposition auf links hat der Londoner Schürrle gegenüber dem verletzt fehlenden Londoner Lukas Podolski seinen Vorsprung deutlich ausgebaut. Der Wechsel von Leverkusen zum FC Chelsea habe Schürrle schon nach wenigen Monaten "die nötige körperliche Robustheit" verliehen, die ihm zuvor noch gefehlt habe, so Löw.

Götze als spielerisches Mastermind

Der andere Gewinner des Abends war einer, der ein Positiverlebnis auch bestens gebrauchen konnte. Für Mario Götze ist diese Saison bisher unbefriedigend verlaufen. Er war lange verletzt, bei den Bayern hat er noch gar nicht zeigen können, dass er die 37-Millionen-Ablösesumme einspielen kann.

Aber am Dienstag war der frühere Dortmunder nach seiner Einwechslung zu Beginn der zweiten Halbzeit sofort voll da. Acht Minuten später erzielte er den 2:2-Ausgleich, legte Schürrle den Ball zum 4:2 perfekt in den Lauf und war so etwas wie das spielerische Mastermind dieser Begegnung. "Ich habe schon im Training gespürt, wie hochmotiviert er hier zur Nationalmannschaft gekommen ist", sagt Löw. In dieser Form ist Götze auch für den FC Bayern noch ein Gewinn.

Am Ende waren es wieder acht Tore, genau so viele wie beim Hinspiel in Berlin, nur etwas anders verteilt. "Das wir uns zur WM in Offensive und Defensive weiter verbessern müssen, steht außer Frage", sagte Löw. Und hatte, als ob er die Kritik an Team und Trainer gleich im Keim ersticken wollte, noch eine Zahl mitgebracht. Seit 2010 habe die Mannschaft 25 Pflichtspiele absolviert. Davon habe sie 23 gewonnen, einmal unentschieden gespielt und einmal verloren. "Die Testspiele lasse ich jetzt in dieser Bewertung einfach mal weg."

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DFB-Einzelkritik: Cooler Schürrle, Götze blitzschnell

Tatsächlich ist die Qualifikationsbilanz der DFB-Elf nach der Partie in der Friends Arena fast so makellos wie vor der EM 2012. Acht Siege, ein Remis - "das ist nichts Selbstverständliches", glaubt Schweinsteiger. "Um so eine Qualifikation zu spielen, muss alles passen."

Zumindest muss die Offensive dafür immer mindestens ein Tor mehr schießen als die Abteilung Abwehr Tore zulässt. In der Qualifikation ist diese Rechnung aufgegangen. Bei einem WM-Turnier wäre es allerdings eine äußerst gewagte Strategie. Aber Schweinsteiger hat ja vorausgesagt, dass es dann anders kommt.

Schweden - Deutschland 3:5 (2:1)
1:0 Hysen (6.)
2:0 Kacaniklic (42.)
2:1 Özil (45.)
2:2 Götze (53.)
2:3 Schürrle (57.)
2:4 Schürrle (66.)
3:4 Hysen (69.)
3:5 Schürrle (76.)
Schweden: Wiland - Bengtsson, Nilsson, Antonsson, Olsson - Elm (59. Svensson), Källström - Larsson, Kacaniklic (73. Durmaz) - Toivonen (84. Wernbloom), Hysen
Deutschland: Neuer - Lahm, Boateng, Hummels, Jansen - Schweinsteiger, Kroos - Müller (46. Götze), Özil (82. Draxler), Schürrle - Kruse (75. Höwedes)
Schiedsrichter: Collum (Schottland)
Zuschauer: 50.000
Gelbe Karten: Olsson - Schürrle, Hummels, Höwedes (2)

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to5824bo 16.10.2013
1. 11 Freunde und 1 Phrasenschwein
"Zumindest muss die Offensive dafür immer mindestens ein Tor mehr schießen als die Abteilung Abwehr zulässt." Wow! Ich bin schwer beeindruckt und sage nur: Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Es war der erwartet starke Gegner. Der Ball ist rund. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Einer für alle, alle für einen. 11 Freunde müsst ihr sein. Geht's raus und spielt's Fußball. Ich zahle jetzt gern ins Phrasenschwein ein. Machen Sie mit, Herr Ahrens?
aurichter 16.10.2013
2. Bäumchen wechsel dich
Sonst Mats jetzt Jerome. Was der IV von den Bayern sich in der 1ten Hälfte erlaubt hat - grausam ohne wenn und aber. Bei Boateng hatte ich wirklich das Gefühl, der hat Schlaftabletten genommen. Wenn der bei Bayern auch noch öfter so eine Leistung analog auch Manchester Spiel abliefert, dann ist er auch kein WM Kandidat, da können die FCB Fans noch so rumjammern - dat war nix.
spon-facebook-10000061989 16.10.2013
3. optional
Klopp hat schon recht, wenn er sagt, dass vor allem Das erste Gegentor geht klar auf die Kappe von Boateng, der seinen Gegenspieler aus den Augen verliert. Das zweite Tor muss man Lahm und Boateng ankreiden, das dritte geht wieder auf Boateng. Hummels hat vor allem hinten die Absicherung übernommen, wenn sich Boateng vorne ausgetobt hat. Er konnte gar nicht mit nach vorne gehen und dort Akzente setzen.
tylerdurdenvolland 16.10.2013
4. Einfache Lösungen....
Die Abwehr wird nicht besser, egal wen Löw aufstellt.... da bleibt tatsächlich nichts anderes übrig als einfach vorn eins mehr zu schiessen als man hinten reinlässt. Leider wird das dann auch diesmal nicht gegen Spanien reichen, wer Negredo ein paar mal gesehen hat, der weiss das. Vorne Schürrle UND Reus... was Kruse alles nicht kann hat man gesehen und es wird langsam Zeit, dass man generell mal begreift, dass es keine sensationelle Leistung ist gegen die allermeisten BuLi Mannschaften Tore zu erzielen.
olafh 16.10.2013
5. Hier in Kanada habe ich das Spiel...
...leider nicht gesehen, aber mit 3 Gegentoren sieht die Abwehr wie ein Sieb aus. Eine Fussball Grossmacht koennte da leicht das doppelte erzielen. :(
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