70 Todesfälle in Italien Überbelastung gefährdet Fußballer

Ein Turiner Staatsanwalt schlägt Alarm. Er vermutet, dass in den vergangenen Jahren bis zu 70 Fußballer am sogenannten Gehrig-Syndrom gestorben sind. Zu hohe Belastung, Stress und auch Doping können Auslöser der tödlichen Krankheit sein.


Lou Gehrig: Nach dem Baseball-Spieler der New York Yankees wurde die Nervenkrankheit benannt
AP

Lou Gehrig: Nach dem Baseball-Spieler der New York Yankees wurde die Nervenkrankheit benannt

Turin - Der italienische Staatsanwalt Raffaele Guariniello will das so genannte Gehrig-Syndroms stärker bekämpfen. In den vergangenen Jahren sind vermutlich 70 italienische Fußballer an dieser Krankheit gestorben. Der Ermittler, der zuletzt den Radstar Marco Pantani wegen Drogenmissbrauchs überprüfte, appellierte an die italienischen Fußballer, aktiv bei der Erforschung der Krankheit mitzuwirken.

Die Gehrig-Krankheit ist eine irreparabele Sklerose und hängt laut ärztlicher Angaben mit großem körperlichem Stress sowie mit Traumata zusammen. Guariniello ist der Ansicht, dass bei einigen italienischen Spielern, die an der Gehrig-Krankheit starben, auch Doping im Spiel war. Die auch als amytrophische Lateralsklerose (ALS) bekannte Krankheit führt zum Verlust der Muskelkontrolle und anschließend zum Tod.

Mindestens 33 Todesopfer


Bisher sind nach Angaben von Guariniello mit Sicherheit 33 Fußballer der Krankheit erlegen, die nach der amerikanischen Baseball-Legende Lou Gehrig benannt wird. Dieser war im Jahr 1941 im Alter von 38 Jahren gestorben. Weitere 40 Todesfälle könnten mit der Krankheit in Verbindung stehen.

"Ich habe bisher nur Hilfe von Spielern erhalten, die bereits erkrankt sind", sagte Guariniello im Interview mit der Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport". Dabei müsse die ganze Welt des Fußballs gegen diese erschreckende Krankheit mobilisiert werden.

Gianluca Signorini: Der Ex-Kapitän des italienischen Zweitligisten Genua starb vor einigen Monaten am Lou-Gehrig-Syndrom
AP

Gianluca Signorini: Der Ex-Kapitän des italienischen Zweitligisten Genua starb vor einigen Monaten am Lou-Gehrig-Syndrom

Für Aufsehen hatte vor einigen Monaten der Tod des Ex-Kapitäns von Zweitligist Genua, Gianluca Signorini, gesorgt, der im Alter von 42 Jahren an der Krankheit gestorben war. Guariniello betonte, dass in Italien die Rate der am Gehrig-Syndrom erkrankten Fußballer achtmal so hoch wie unter dem Rest der Bevölkerung sei.

Zu viele Schmerzhemmer


In den letzten Monaten überprüfte Guariniello die ärzlichen Befunde von 24.000 Fußballern seit den siebziger Jahren. "Ein Fußballer hat eine doppelt so hohe Chance, an Leberkrebs zu erkranken, als andere Italiener", meinte Guariniello. "Nicht nur Dopingsubstanzen, sondern auch schmerzhemmende Mittel und exzessives Training seien für die vielen Erkrankungen verantwortlich“, meinte der Staatsanwalt.

"Fußballern, die ein Trauma erlitten haben, werden Medikamente verschrieben, damit sie so rasch wie möglich aufs Spielfeld zurück können, obwohl sie noch nicht vollkommen genesen sind. In der Welt des Sports und insbesondere im Fußball gibt es keinen Respekt für die Gesundheit der Menschen. Dies ist eine Form von Gewalt", sagte Guariniello.

Krzysztof Nowak: Der ehemalige Wolfsburger-Profi bei einem Benefiz-Spiel, das Bayern und Wolfsburg für ihn ausrichteten
DPA

Krzysztof Nowak: Der ehemalige Wolfsburger-Profi bei einem Benefiz-Spiel, das Bayern und Wolfsburg für ihn ausrichteten

Auch im deutschen Fußball sind in jüngster Zeit zwei Sportler mit Nervenkrankheiten behandelt worden. Der für Liverpool spielende Markus Babbel litt unter dem Guillain-Barré-Syndrom, einer Erkrankung des peripheren Nervensystems. Er kann mittlerweile aber wieder trainieren. Beim ehemaligen Wolfsburger Spieler Krzysztof Nowak wird vermutet, dass er an ALS erkrankt ist. Der polnische Nationalspieler sitzt im Rollstuhl und hat kaum noch Kontrolle über seine Muskeln.



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