Ukrainischer Fußball-Funktionär Surkis: Der Mann, der die EM in die Ukraine holte

Von Olaf Sundermeyer

Die Vergabe von Sportveranstaltungen hat viel mit persönlichen Beziehungen zu tun. Der ukrainische Verbandspräsident und frühere Clubboss von Dynamo Kiew, Grigori Surkis, verhalf zunächst Uefa-Boss Michel Platini zu seinem Amt - und durfte dann die EM-Vergabe ins eigene Land bejubeln.

Funktionär Surkis (r.): Erst die Stimmen, dann das Event Zur Großansicht
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Funktionär Surkis (r.): Erst die Stimmen, dann das Event

Mitte der neunziger Jahre erreichte ein Bestechungsskandal erstmals die neu gegründete Champions League. Dynamo Kiew hatte versucht, einen spanischen Schiedsrichter "zu überzeugen", wie es in der Ukraine gelegentlich heißt. Dabei sollten einige wertvolle Pelzmäntel helfen.

Die Sache flog auf, Dynamo wurde für drei Jahre von der Uefa gesperrt. Und Igor Surkis, der Bruder des heutigen Verbandschefs Grigori und Mitglied im Clubvorstand, wurde als Schuldiger vorgeführt. Clubeigentümer Grigori blieb außen vor.

Später wurde die Sperre gegen Dynamo Kiew auf ein Jahr reduziert. Igor Surkis ist seit Jahren nun schon der offizielle Präsident von Dynamo. Und sein Bruder, der Verbandschef Grigori, sitzt schon lange im Exekutivkomitee der Uefa. Er wurde dort zum besten osteuropäischen Verbündeten des Uefa-Präsidenten Michel Platini. Aber zuvor musste Platini noch als solcher gewählt werden. Denn der Franzose trat gegen den Amtsinhaber Lennart Johansson an. Die Wahl würde knapp werden. Einige Verbände, darunter der DFB, hatten sich bereits für den Schweden ausgesprochen.

Surkis gilt als überzeugungsstarker Akteur

Grigori Surkis sammelte die Stimmen der osteuropäischen Verbände. In Polen halfen ihm der langjährige Verbandschef Michal Listkiewicz und Platinis ehemaliger Mitspieler bei Juventus Turin, Zbigniew Boniek. Gemeinsam hoffte man, dass man unter Platini zu mehr Einfluss gegenüber den großen Verbänden aus Westeuropa kommen könnte. Platini gewann die Wahl schließlich, vor allem auch dank der osteuropäischen Stimmen. Und die Hoffnung erfüllte sich. Wenige Monate nach der Wahl verkündete Michel Platini die Gastgeber der Europameisterschaft 2012: Ukraine und Polen.

Seither gilt Grigori Surkis in der Ukraine als überzeugungsstarker Akteur mit phantastischen internationalen Beziehungen. Es wird ihm sogar zugetraut, die Olympischen Winterspiele in die ukrainischen Karpaten zu holen, die bislang noch kein bedeutender Fleck auf der Landkarte des internationalen Wintersports sind.

Längst gibt es ein Kräftemessen mit Russland um weltweit bedeutende Sportereignisse. Man schaukelt sich gegenseitig hoch. Erst bekam die Ukraine den Zuschlag für die EM 2012, dann folgte Russland mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014, vor allem aber mit der Fußballweltmeisterschaft 2018. Seither denkt man in der Ukraine über einen Plan nach, in diesem Wettbewerb aufzuholen.

"Wenn Wiktor Janukowitsch Surkis darum bittet, die Olympischen Winterspiele zu holen, dann werden sie auch in der Ukraine stattfinden", sagte mir Artem Frankow, der Chefredakteur des größten ukrainischen Fußballmagazins "Futbol". Was ihn denn dabei so sicher mache, wollte ich noch von Frankow wissen. "Surkis hat ja bereits ein Wunder wahrgemacht. Dann wird es ihm auch gelingen, ein weiteres Wunder zu schaffen", lautete die vielsagende Antwort.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Korruptistan
Stelzi 08.05.2012
Ihr habt den Namen des Landes falsch geschrieben.
2. Bitte nicht!
kollerspeter 08.05.2012
Unabhängig davon, ob die Ukraine in der Lage ist, solche Großveranstaltungen auszurichten... Für eine Winterolympiade sind die ukrainischen Karpaten viel zu schade! Bisher ist das eine wunderbare, ursprüngliche Landschaft, mit bunten Holzhäusern und weitgehend unverbaut. So möchte das doch bitte bleiben. Wenn, dann sollte in Karpaten die Infrastruktur für nachhaltigen Tourismus, also: Wander-, Fahrrad-, und Ökotourismus verbessert werden. Für diese Tourismusformen hat die Ukraine unglaubliches Potenzial, das bislang überhaupt nicht genutzt wird. Und dies nicht nur in den Karpaten, sondern im gesamten Land. Also: Was olympische Winterspiele betrifft: bitte-bitte-bitte nicht!!
3. Meinungsfreiheit
distel79 08.05.2012
Zitat von StelziIhr habt den Namen des Landes falsch geschrieben.
ist jedem gegönnt, aber bitte nicht beleidigend werden. Das ist genauso niveaulos wie Korruption.
4.
distel60 08.05.2012
Zitat von distel79ist jedem gegönnt, aber bitte nicht beleidigend werden. Das ist genauso niveaulos wie Korruption.
Ich glaube die Ukrainer sind diesbezüglich einiges gewohnt. Jedenfalls scheint man Frau Timoschenko jetzt nicht so sonderlich viel Tränen in der Breite der Bevölkerung nachzuweinen. Genauso wird man sich wenig Illusionen darüber machen, wie bestimmte Entscheidungen zustand kommen. Mit Surkis sollte man es sich übrigens lieber nicht verscherzen. Sogar in Oligarchenkreisen scheint man gehörigen Respekt vor ihm zu haben.
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Zum Autor
Olaf Sundermeyer, Jahrgang 1973, ist ein deutscher Journalist und Buchautor. Er war zudem Korrespondent in Warschau und ist seit Jahren in den Stadien Osteuropas unterwegs. Sundermeyer hat für zahlreiche Medien geschrieben, unter anderen für SPIEGEL ONLINE.