Fall Abdelhak Nouri Ajax Amsterdam gibt Behandlungsfehler nach Herzstillstand zu

Vor einem Jahr erlitt der damalige Ajax-Profi Abdelhak Nouri in einem Testspiel einen Herzstillstand und trug bleibende Schäden davon. Nun hat der Klub erstmals die Verantwortung übernommen.

Ajax-Vorstand Edwin van der Sar
AFP

Ajax-Vorstand Edwin van der Sar


Der niederländische Traditionsklub Ajax Amsterdam hat erstmals zugegeben, dass bei der notärztlichen Erstversorgung im Fall Abdelhak Nouri am 8. Juli 2017 in Österreich Fehler gemacht worden seien. Der damals 20-Jährige war während eines Testspiels gegen den Bundesligisten Werder Bremen nach einem Herzstillstand bewusstlos zusammengebrochen. Durch Sauerstoffmangel erlitt er einen irreparablen Gehirnschaden.

In der Vergangenheit hatte die Familie des Spielers Vorwürfe über Behandlungsfehler erhoben, die der Verein zurückgewiesen hatte. Zwei verschiedene Gutachter hätten keine Fehler festgestellt. Nachdem die Angehörigen den niederländischen Fußballverband KNVB angerufen haben, seien in einem dritten externen Gutachten Fehler in der Erstversorgung gefunden worden.

Ajax-Vorstand Edwin van der Sar entschuldigte sich in einem Statement offiziell bei der Familie des Spielers und versprach, dass sich der Verein der Verantwortung stelle. "Was mit Abdelhak passiert ist, kann jeden Fußballspieler treffen. Als größter niederländischer Klub fühlen wir uns verantwortlich, unsere Erfahrungen weiterzugeben", sagte Van der Sar. Um in Zukunft Behandlungsfehler bei plötzlichem Herzstillstand auf dem Platz zu vermeiden, wolle Ajax ein Pilotprojekt für alle niederländischen Fußballklubs starten.

ngo/sid

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
cyberpommez 26.06.2018
1. Reanimation
Erst kürzlich hat mir ein Intensiv Mediziner gesagt, das 80% aller reanimierten Menschen ein Jahr nach der Reanimation sagten, das sie lieber nicht reanimiert worden wären, wohl auf Grund der bleibenden Schäden. Man kann natürlich mit einer Reanimation Leben retten, aber häufig ist dieses Leben für die Betroffenen nicht lebenswert. Also was tun, wenn's soweit ist? Laut Gesetz bin ich verpflichtet zu reanimieren, aber kann davon ausgehen, das der Gerettete mir das übel nimmt. Gewissenskonflikt
DEV 26.06.2018
2.
wenn es an solchen öffentlichen Orten Defibrilatoren gibt und geschulte Leute, die die Situation erkennen, könnte sowas vermeidbar sein.
starboy 26.06.2018
3. 20 Jahre alt
Auch Ärzte machen Fehler. Das ausgerechnet ein 20 jähriger Mensch der eigentlich topfit ist, einen Herzstillstand erleidet, dass würden sicherlich viele Ärzte nicht sofort bemerken und was im Nachgang passiert ist kann man auch als Pech bezeichnen.
Msc 26.06.2018
4.
Zitat von cyberpommezErst kürzlich hat mir ein Intensiv Mediziner gesagt, das 80% aller reanimierten Menschen ein Jahr nach der Reanimation sagten, das sie lieber nicht reanimiert worden wären, wohl auf Grund der bleibenden Schäden. Man kann natürlich mit einer Reanimation Leben retten, aber häufig ist dieses Leben für die Betroffenen nicht lebenswert. Also was tun, wenn's soweit ist? Laut Gesetz bin ich verpflichtet zu reanimieren, aber kann davon ausgehen, das der Gerettete mir das übel nimmt. Gewissenskonflikt
Jemand bricht vor ihnen zusammen. "Ach, den lass ich sterben, zu 80% würde er eh nicht weiterleben wollen." Das ist ein Gewissenskonflikt für sie? Für mich ist das pure Menschenverachtung.
Msc 26.06.2018
5.
Zitat von DEVwenn es an solchen öffentlichen Orten Defibrilatoren gibt und geschulte Leute, die die Situation erkennen, könnte sowas vermeidbar sein.
Bei Herzstillstand wird nicht geschockt. Es muss sofort eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt werden. Dass heißt, Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Das ist etwas, dass man im Fernsehen ständig falsch sieht und es kostet Leben. Ein Defibrillator bringt überhaupt nichts bei Herzstillstand.
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