Aberglaube im Fußball Kondom an den Füßen

Fußballer gelten als extrem abergläubisch: Manager wechseln den Pullover nicht, Kicker schwören auf das Einmassieren mit Olivenöl, und manch einer baut auf die Kraft heißer Wannenbäder.


Hasenpfoten waren gestern: Italiens Coach Giovanni Trapattoni verließ sich bei der WM 2002 auf geweihtes Wasser, das er aus einer Flasche heraus verspritzte. Das Wasser hatte ihm seine Schwester, eine Nonne, geschenkt. Die Wassergläubigkeit stieß selbst im ansonsten streng katholischen Italien auf Skepsis. Und das Team scheiterte im Viertelfinale an Mit-Gastgeber Südkorea.

Bizarre Riten sind seit jeher eher die Regel als die Ausnahme in den Mannschaftskabinen: 1966 beispielsweise bestand Englands Nobby Stiles darauf, sich vor jedem Match sowohl die Brust als auch Gesicht und Hände in einer langwierigen Prozedur mit Olivenöl einzureiben. Sein Teamkollege Jack Charlton hingegen tauschte noch in allerletzter Sekunde die Stollen aus und marschierte nach dem Aufwärmen erst in die Kabine, wenn er einen Torschuss erfolgreich abgeschlossen hatte.

Bruno Akrapovic, das einstige Lockenwunder von Energie Cottbus, weigerte sich stets, eine andere Rückennummer als die 8 zu tragen. Der Grund: Er unterschrieb am 8.8.88 seinen ersten Vertrag in Deutschland bei Arminia Hannover.

Englands Stürmer Gary Lineker entwickelte über die Jahre ganz eigenen Methoden: "Beim Warmmachen habe ich niemals aufs Tor geschossen, denn ich wollte keinen Treffer vergeuden. Ich wollte mir die Tore fürs Spiel aufsparen. In der Halbzeitpause habe ich immer mein Trikot gewechselt, wenn ich kein Tor erzielt hatte. War ich dagegen erfolgreich, behielt ich das Trikot an. Wenn ich mal längere Zeit nicht erfolgreich war, bin ich auch immer zum Friseur gegangen."

Frankreich-Coach Domenech: Keine Verwendung für Skorpione
AP

Frankreich-Coach Domenech: Keine Verwendung für Skorpione

Frankreichs Nationalcoach Raymond Domenech berücksichtigt bei der Aufstellung auch die Sternzeichen der Spieler. Skeptisch stand Domenech vor der WM Skorpionen wie Robert Pires gegenüber, die "bringen sich am Ende alle gegenseitig um". Löwen wiederum sind stets bereit, "Dummheiten zu begehen". Der zur WM nicht berücksichtigte Johan Micoud mutmaßte daraufhin. "Vielleicht bin ich nicht im Kader, weil ich ein Löwe bin und es von diesem Sternzeichen einfach zu viele im französischen Team gibt", so der ehemalige Bremer Bundesligaspieler, der jüngst zur Girondins Bordeaux wechselte.

Große Hitze laugt Hochleistungskörper aus, Mediziner raten deshalb von Saunagängen und heißen Bädern in den zwei Tagen vor einem Spiel ab. Der Franzose Eric Cantona pfiff allerdings auf die guten Ratschläge und legte sich an jedem Spieltag morgens um acht Uhr für fünf Minuten in die warme Wanne.

Fußballschuhe müssen passen. Außer bei Gerd Müller. Der trug stets Schuhgröße 41, obwohl ihm jeder Schuhhändler Größe 38 empfohlen hätte. Die Begründung: So könne er sich besser drehen. Der österreichische Scharfschütze Johann "Buffy" Ettmayer trug die Stiefel hingegen konsequent zwei Nummern zu klein. "Ich wollte immer ein Kondom an den Füßen haben", erklärte er, "sonst hast du doch kein Gefühl."

Weniger Entscheidungsfreiheit hatte Gerd Müller bei der Wahl der Rückennummer. In der Nationalmannschaft hatte nämlich Uwe Seeler die älteren Rechte an der Nummer 9. Blieb als niedrigste Nummer die 13, die zuvor aus bekannten Gründen niemand überstreifen wollte. Müller schoss mit der Pechnummer auf dem Rücken bei Weltmeisterschaften immerhin 14 Tore, also aufgerundete 13.

Bei der WM 1986 wurde der argentinischen Nationalelf fünf Wochen lang kein Hühnerfleisch serviert. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen war Trainer Carlos Bilardo davon überzeugt, Hühnerfleisch bringe Unglück. So kamen ausschließlich klosettdeckelgroße Rindersteaks auf den Teller, die Argentinier wurden Weltmeister. Vielleicht lag das allerdings auch an einem anderen beibehaltenen Ritus: Nachdem sich Bilardo vor der ersten Partie in Mexiko Zahnpasta von einem seiner Spieler geliehen hatte, kam es vor jedem Spiel der Argentinier bis zum Finale zum Zahnpflegetausch.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil, weshalb ein dänischer Fußballprofi nicht auf seine Zigarette in der Halbzeitpause verzichten konnte und warum Marmorkuchen durchaus leistungsfördernd sein kann.



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