Abschied von David Beckham: "Ich habe versucht, nicht zu weinen"

Karriereende: "Becks" bewegender Abschied Fotos
AFP

Tränen bei David Beckham, Tränen bei Jupp Heynckes, Tränen bei den Bundesliga-Absteigern aus Düsseldorf: Der Fußball hat dieser Tage einmal mehr gezeigt, dass er selbst harte Kerle zum Heulen bringt. "Becks" ging wie Heynckes mit einem Sieg, er wurde als Held gefeiert.

Hamburg - Fußball ist etwas für harte Männer. Für solche, die mit blutenden Knien heldenhaft Elfmeter verwandeln, die 90 Minuten rennen und kämpfen, als gelte es, die Menschheit zu retten. Oder? An diesem Wochenende war alles anders, an diesem Wochenende wurde im Fußball geweint, prominent und hemmungslos. Die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf, erst gebeutelt vom Hin und Her des Abstiegskampfes, dann übermannt von der endgültigen, tragischen Gewissheit; Jupp Heynckes, der an der eigenen Geburtsstätte Mönchengladbach das letzte Bundesliga-Spiel seiner Karriere bestritt; David Beckham, der in Paris seinen Abschied als Profifußballer gab: Sie alle verbargen ihre Tränen nicht. Und es war okay.

Mit Beckham und Heynckes verabschiedeten sich zwei außergewöhnliche Figuren des Weltfußballs, und sie taten es, wie man es von ihnen erwartet: mit einem Sieg. Der Trainer Heynckes, der ein weiteres Bundesliga-Engagement ausschließt, gewann mit dem FC Bayern 4:3 (2:3) gegen seinen Heimatverein Borussia Mönchengladbach. Die Spieler-Ikone Beckham führte die Mannschaft von Paris Saint-Germain, den frisch gekürten französischen Meister, gegen Stade Brest als Ehrenkapitän zum 3:1-Heimsieg.

Als er in der 82. Minute ausgewechselt wurde, ließ er unter dem lauten Beifall der 45.000 Zuschauer im Pariser Prinzenpark-Stadion alle professionelle Gefasstheit fallen. "Ich habe versucht, meine Emotionen in den Griff zu kriegen, nicht zu weinen, aber in den letzten 25 Minuten war das doch sehr kompliziert. Dass man seine Karriere vor einem solchen Publikum, mit solchen Klasse-Spielern beenden darf, das ist ein Traum für jeden Fußballer", sagte der 38-Jährige, die Augen nach dem Abpfiff noch immer gerötet. Erst vor wenigen Tagen hatte Beckham erstaunlich unaufgeregt das Ende seiner Profi-Laufbahn zum Saisonende angekündigt.

Beckham als Botschafter von Katar

Während Heynckes noch zwei Partien Zeit hat, sich von Spielern und Fans zu verabschieden, war Beckhams Auftritt in Paris wohl sein letzter. Das abschließende Ligaspiel am kommenden Sonntag beim FC Lorient wird er vermutlich als Zuschauer erleben. "Das war mein letztes Spiel", sagte Beckham, sein Trainer Carlo Ancelotti ergänzte, nicht ganz ernst: "Für einen älteren Profi ist der Kunstrasen in Lorient Gift." Und Beckham, der erst im Januar zu PSG gewechselt war, muss auch ohne die Anforderungen des Profisports auf seinen viele Millionen Euro wertvollen Körper achten.

So wird er schon bald wieder seinen Zweitjobs als Werbefigur verschiedener Marken und als Botschafter der Ölscheichs von Katar nachgehen. Die PSG-Besitzer richten die Fußball-WM 2022 aus. Zudem könnte Beckham, das berichtet der Fernsehsender BBC, Boss eines US-amerikanischen Fußballclubs werden, Miami ist angeblich eine Option für den Briten. Doch erst einmal wolle Beckham wieder mehr Zeit mit seiner Familie in London verbringen, seiner Frau Victoria und den vier Kindern, betont er.

Die sahen auf der Tribüne im Pariser Stadion zu, wie ihr Mann und Vater von seinen Mannschaftskollegen in die Luft geworfen wurde, wie er seine Runde mit der britischen Flagge lief und dann - als besondere Ehre - die Meisterschale in die Höhe recken durfte. Der französische Nationalspieler Matuidi konnte weder seine Traurigkeit noch seine Ehrfurcht verbergen, als er zu Beckham, dem früheren Manchester-United- und Real-Madrid-Profi, befragt wurde: "Beckham, das ist ein Grand Monsieur, ein großartiger Mensch. Ich werde meinen Kindern von ihm erzählen können. Merci David."

Wer bei derlei Huldigungen mit seinen Gefühlen hinter dem Berg halten kann, ist vielleicht ein harter Kerl - doch eines sicher nicht: einer, der den Fußball leidenschaftlich lebt. Wie Beckham, wie Heynckes oder auch die Fortuna-Spieler. Manchmal tut es eben gut, einfach ein bisschen zu heulen.

psk

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
derbochumerjunge 19.05.2013
Ich behalte den überschätztesten Fußballer der letzten Jahre vor allem so in Erinnerung: David Beckham Disaster Penalty (Euro 2004 qualification England vs Turkey, 11th October 2003) - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=vL_gEn9xyV8)
2. Steuern gezahlt?
Hilfskraft 19.05.2013
hat er seine Einnahmen ordentlich versteuert?
3. unverhältnismässig
ray4912 19.05.2013
Zitat von sysopTränen bei David Beckham, Tränen bei Jupp Heynckes, Tränen bei den Bundesliga-Absteigern aus Düsseldorf: Der Fußball hat dieser Tage einmal mehr gezeigt, dass er selbst harte Kerle zum Heulen bringt. "Becks" ging wie Heynckes mit einem Sieg, er wurde als Held gefeiert. Abschied von David Beckham bei Paris Saint-Germain - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/abschied-von-david-beckham-bei-paris-saint-germain-a-900754.html)
da kommen mir in den Sinn, mit weniger glamourösen Abgängen, bei WEIT überlegener Klasse und Karriereleistung: Ballack, Matthäus, Pirlo, Deschamps, Raul, etc. mindestens 10 weitere;-) Kleiderständer gibts doch auch genug, oder?;-)
4. Tränen lügen nicht (oder doch?)
to5824bo 19.05.2013
Zitat von sysopTränen bei David Beckham, Tränen bei Jupp Heynckes, Tränen bei den Bundesliga-Absteigern aus Düsseldorf (…) Abschied von David Beckham bei Paris Saint-Germain - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/abschied-von-david-beckham-bei-paris-saint-germain-a-900754.html)
Ich warte schon seit gut einer Woche auf einen Artikel oder Kommentar, der die Tränen des Uli Hoeneß bei der Meisterfeier der Bayern untersucht. Weinte er vor Freude? Aus Verzweiflung über seinen "Fall"? Aus Selbstmitleid? Oder aus Rührung, weil sein alter Kumpel Jupp H. jetzt geht (und natürlich ebenfalls geweint hat)? Waren es Krokodilstränen oder speziell für die Medien vergossene Zähren? Weinen Männer laut Grönemeyer nicht heimlich? Fragen über Fragen, die leider auch Frau Burmester in ihrer heutigen Tränenkolumne nicht beantwortet hat, denen aber dringend investigativ-journalistisch nachgegangen werden sollte.
5.
McMacaber 19.05.2013
Um Mr Beckham wird zunächst ADIDAS trauern :)
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