Hamburg - Nach dem Abpfiff standen die Spieler des FC St. Pauli noch einmal zusammen am Mittelkreis. Die Arme jeweils über die Schultern des Nebenmanns gelegt, demonstrierten sie Zusammengehörigkeitsgefühl und Nähe. Im Hintergrund sieht man ein Fanplakat anlässlich des Abschieds von Trainer Holger Stanislawski, auf dem zwei Herzen zu sehen sind. Dazu blauer Himmel. Die Rahmenbedingungen für einen würdigen Abschied von Trainer Holger Stanislawski hätten besser kaum sein können.
Wenn sein Club nicht gerade abgestiegen wäre. Wenn seine Mannschaft sich nicht bis auf die Knochen gegen die Bayern blamiert hätte. Wenn sie vielleicht vier oder fünf Gegentore weniger kassiert hätten. Doch am Ende stand ein peinliches 1:8 gegen den FC Bayern. Und ein fassungsloser Stanislawski: "Ich werde ein paar Tage brauchen, um dieses Resultat zu verarbeiten."
Nach der Partie wurden seine Spieler trotz des Debakels vom eigenen Anhang gefeiert. Verstehen konnte das Stanislawski nicht. "Wenn du 1:8 verlierst und dann gefeiert wirst, das ist dann ja Selbstironie. Aber verdient hätten wir was anderes heute: 'nen Arsch voll", sagte der frustrierte Stanislawski.
"Ich kann nach so einem Spiel nicht lustig durch die Straßen rennen"
Sein Team hatte ihn im Stich gelassen. Und was sich Marcel Eger dabei gedacht hat, seinen Treffer zum 1:5 so euphorisch zu feiern, als hätte er den Club gerade in den Europapokal geschossen, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Stattdessen wird der Club in der kommenden Saison wieder zweitklassig spielen.
Auch Stanislawski wurde vom Publikum nach dem Spiel gefeiert. Allein stand er vor den Anhängern, verbeugte sich, winkte. Doch sein Lächeln wirkte gequält. "Diese Niederlage wiegt viel, viel mehr als die positive Verabschiedung von unseren Zuschauern. Das ist eine Situation, die muss ich wirklich erst mal sacken lassen." Allein, ohne seine Spieler. "Ich fahre nach Hause. Ich kann nach so einem Spiel nicht lustig durch die Straßen rennen."
Auf eine Analyse nach dem höchsten Auswärtssieg der Bayern in der Bundesliga wollte er sich gar nicht erst einlassen: "Zum Spiel werde ich gar nichts sagen, weil ich alles kaputt machen würde, was die letzten Jahre richtig gut lief. Das möchte ich mir bewahren. Insofern nehme ich jetzt dieses Ergebnis so mit und verkneife mir jeden Kommentar zur Mannschaft."
Am Ende von Holger Stanislawskis 18 Jahren auf St. Pauli steht der 18. Tabellenplatz und eine 1:8-Niederlage.
jar
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