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Abstiegsangst beim Hamburger SV: Krisengipfel verschärft die Krise

Von , Hamburg

Acht Stunden tagte der Aufsichtsrat des Hamburger SV, dann entschied er - gar nichts. Der Vorstand und Trainer Bert van Marwijk arbeiten weiter auf Bewährung. Unterdessen bringt sich Felix Magath per Facebook mal wieder ins Gespräch.

Hamburger SV: Saison des Schreckens Fotos
DPA

Um 22.50 Uhr tritt Jörn Wolf, der Mediendirektor des Hamburger SV, in die Lobby des Elysée-Hotels in Hamburg. Seit acht Stunden warten rund 40 Medienvertreter darauf, dass der HSV-Aufsichtsrat das Ergebnis seiner Krisensitzung bekanntgibt. Doch Pressesprecher Wolf sagt: "Es gibt nichts zu verkünden." Die Aufsichtsräte hätten das Hotel gerade verlassen: "Es gibt kein Ergebnis."

"Ist Bert van Marwijk noch Trainer des HSV?", fragen die Journalisten. "Ist Carl-Edgar Jarchow noch Vorstandsvorsitzender? Ist Oliver Kreuzer noch Sportchef?" Wolf sagt: "Mir ist nichts Gegenteiliges bekannt."

Dass sich der Aufsichtsrat in acht Stunden weder auf ein Bekenntnis zum aktuellen Trainer einigen konnte noch auf einen Nachfolgekandidaten, ist so peinlich, dass sich nach der Sitzung kein Aufsichtsratsmitglied vor die Presse traut. Wolf muss die Situation ausbaden, wohl ist ihm dabei nicht. Es ist das Ende eines Tages, an dem das Chaos beim Hamburger SV einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

Am Vormittag nach dem 0:3 gegen Hertha, der sechsten Niederlage nacheinander, hatte HSV-Chef Jarchow ein Fernsehinterview gegeben. Er bestätigt, dass er zusammen mit Sportchef Oliver Kreuzer vor dem Aufsichtsrat über die sportliche Lage sprechen muss. "Wir werden auch dort am Trainer festhalten", kündigt er an. Es soll die einzige klare Aussage eines HSV-Offiziellen an diesem Tag bleiben.

Am Nachmittag versammeln sich Medienvertreter im Luxushotel Grand Elysée. Schnell hat sich herumgesprochen, dass hier der Krisengipfel stattfinden würde, auch wenn offiziell von einem "geheimen Ort" die Rede war. Aber das hat wohl auch unter den HSV-Funktionären niemand ernstgenommen, auf Diskretion hat man beim Bundesliga-Dino noch nie besonderen Wert gelegt.

Jarchow lässt sich vor der Sitzung kurz in der Hotellobby blicken, auch Kreuzer gibt sich ein Stelldichein mit den Medien. Sagen wollen die beiden aber nichts. Kein Wunder, denn sowohl Kreuzer als auch Jarchow müssen fürchten, dass der Aufsichtsrat sie an diesem Tag entlässt. Das würde auch das Ende von Trainer Bert van Marwijk beim Hamburger SV bedeuten.

Magath äußert sich bei Facebook

Dass all das - vorerst - nicht geschieht, wird erst acht Stunden später klar. Wovon die Journalisten in dieser Zeit berichten können, lässt sich schnell zusammenfassen. Jarchow und Kreuzer verlassen die Sitzung und das Hotel schon nach eineinhalb Stunden. Die Aufsichtsratsmitglieder essen am Abend Würstchen mit Kartoffelsalat, um danach frisch gestärkt weiter zu diskutieren. Stundenlang. Immerhin lässt sich noch eine Neuigkeit vom Transfermarkt vermelden: Der an den FC Schalke 04 ausgeliehene Dennis Aogo wechselt fest nach Gelsenkirchen, er soll einen Dreijahresvertrag unterschreiben.

Im Grand Elysée tauschen die Journalisten Gerüchte aus. Angeblich soll sich HSV-Legende Felix Magath bereits in Hamburg befinden, schon am darauffolgenden Tag könnte er das Training leiten, heißt es. Magath soll sogar dazu bereit sein, den HSV bis zum Sommer für das symbolische Gehalt von einem Euro zu trainieren. Der ehemalige Trainer-Manager des VfL Wolfsburg befeuert die Spekulationen mit einem Eintrag bei Facebook: "In Hamburg ist der HSV hinter undurchschaubaren Strömungen, Gruppen- und Einzelinteressen kaum noch sichtbar. Mittlerweile muss man nach diesem Rückrundenstart sogar mit einem Abstieg unseres Hamburger SV rechnen", schreibt er.

Beim HSV müsse der Fußball wieder im Vordergrund stehen, fährt er fort, schließlich gehe es einzig und allein um dem Klassenerhalt. "Es bedarf nun endlich einer Lösung im Sinne unseres Vereins. Der HSV muss Einigkeit nach innen und außen demonstrieren, ein starkes Zeichen setzen und eine Einheit werden", schreibt Magath. Viele Nutzern gefällt sein Eintrag. Es gibt unter den Sympathisanten des Vereins offenbar etliche Fans, die Magath als letzte Hoffnung sehen.

Als Mediendirektor Wolf am späten Abend vor die Wartenden tritt, sagt er zu den Gerüchten um Magath, ihm sei "nichts dergleichen bekannt". Der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Meier habe ihm mitgeteilt, dass die Sitzung ohne Ergebnis geendet habe. Dementsprechend, sagt Wolf, werde Bert van Marwijk die Mannschaft am Montag trainieren und auf das DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwoch gegen Bayern München (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorbereiten.

Für den HSV hat die Krisensitzung die Krise verschärft. Der Trainer, der Vorstandsvorsitzende, der Sportchef und der Aufsichtsrat selbst - sie alle sind nun noch schwerer beschädigt als ohnehin schon. Um weitere Blamagen zu vermeiden, sollte der HSV-Aufsichtsrat sich für seine nächste Sitzung besser einen wirklich geheimen Ort suchen.

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Der HSV steigt ab
Erkläromat 10.02.2014
Daran besteht für mich kein Zweifel mehr. Das Problem ist nicht nur der Vorstand, der von den Spielern schon lange keine Leistung mehr einfordert, sondern von den Spielern, die eine Beamtenmentalität an den Tag legen. Nicht nur, dass die kein Interesse am Schicksal ihres Arbeitgebers zu haben scheinen. Offenbar sind sie nicht mal daran interessiert selbst gut dazustehen. Ich bin zwar Anhänger des HSV, aber ich bin es auch Leid, diese Schludrigkeit länger zu ertragen. Der HSV gehörte lange zu den bestverdienensten Vereinen der Liga. Und was haben sie daraus gemacht? Nichts.
2.
mm71 10.02.2014
Zitat von sysopGetty ImagesAcht Stunden tagte der Aufsichtsrat des Hamburger SV, dann entschied er - gar nichts. Der Vorstand und Trainer Bert van Marwijk arbeiten weiter auf Bewährung. Unterdessen bringt sich Felix Magath per Facebook mal wieder ins Gespräch. http://www.spiegel.de/sport/fussball/abstiegsangst-beim-hsv-krisengipfel-verschaerft-die-krise-a-952448.html
Jetzt gibt es auch nichts mehr zu entscheiden. Die Entscheidungen (die falschen...) wurden längst gefällt, nämlich in der Vergangenheit. Es sollte nur nicht vergessen werden, wem dieser HSV zu verdanken ist, nämlich den Supporters/ Spiegel-Mann Ertel und der Hunke-Fraktion. Das wäre übrigens mal einen Artikel wert.
3.
Andr.e 10.02.2014
Zitat von sysopGetty ImagesAcht Stunden tagte der Aufsichtsrat des Hamburger SV, dann entschied er - gar nichts. Der Vorstand und Trainer Bert van Marwijk arbeiten weiter auf Bewährung. Unterdessen bringt sich Felix Magath per Facebook mal wieder ins Gespräch. http://www.spiegel.de/sport/fussball/abstiegsangst-beim-hsv-krisengipfel-verschaerft-die-krise-a-952448.html
Ich hoffe, das geht so weiter. Magath bringt sich ins Gespräch? Sehr schön, dass bringt weiter Unruhe in den Verein und der glückliche Felix wäre doch noch für etwas gut. Hamburg in die 2. Liga - dann würd ich mich sogar freuen, wenn Pauli sie in der Relegation "abschießt".
4. Ok, ich mach's!
mika-amw 10.02.2014
Ich würde gerne mal 6 Monate Funktionär beim HSV sein, schlechter würde ich es wohl auch nicht machen. Wenn ich dann entlassen werde, bekomme ich wenigstens eine saftige Abfindung. Ich könnte zum Mai anfangen. MFG
5. der CLUB
sitiwati 10.02.2014
hat mal in einer ähnlichen Situation 5 Spieler fristlos eintlassen, den Spielern muss man mal zeigen, das sie eben nicht die Alleinigen Macher sind und dass Trainer kein Verbrauchsmaterial ist, aber wenn man schon alles auf Bewährung setzt, sollte man eben auch Spieler nicht ausschliessen!
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