Trends im Abstiegskampf Kleine Große, große Kleine

Sie gehören zum Bundesliga-Inventar, haben eine große Tradition und sind in akuter Abstiegsnot: Der 1. FC Köln und der Hamburger SV stehen vor schwierigen Wochen - auch weil zwei Underdogs einen Lauf haben. Für Hoffnung sorgt einzig das Restprogramm.

Köln-Angreifer Podolski: "Wenig Argumente"
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Köln-Angreifer Podolski: "Wenig Argumente"

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Hamburg - Es muss schlecht um einen Verein stehen, wenn der Held der Stadt und Heilsbringer resigniert: "Wenn man das Spiel heute sieht, hat man wenig Argumente zu sagen: Wir bleiben drin", sagte Kölns Angreifer Lukas Podolski nach der herben 1:6-Pleite gegen Borussia Dortmund am Sonntag.

Es muss aber noch schlechter um einen Verein stehen, wenn der Trainer nach einer Niederlage und dem Fall auf den Relegationsplatz sagt: "Wir müssen nichts verändern." Die Intention von HSV-Trainer Thorsten Fink nach dem 1:2 in Wolfsburg am Freitag war klar: Nur keine Panik im Abstiegskampf entfachen.

Dazu bestünde allerdings Grund - bei beiden Vereinen: Hamburg ist nach der vierten Pleite in Folge 16., der 1. FC Köln taumelt nach der fünften Niederlage aus den vergangenen sieben Partien ebenfalls in den Tabellenkeller, derzeit ist das Team von Trainer Stale Solbakken 14.

Große Probleme bei den Großstadtclubs

Der Norweger war nach dem Debakel in Dortmund fassungslos, besonders die desolate Phase kurz nach der Pause beunruhigte ihn: "Nach solchen 20 Minuten bist du komplett tot. Wir haben den Kopf verloren - nicht zum ersten Mal in dieser Saison".

Kopflos ist der FC auch in der Führungsriege: Ohne Sportdirektor und Präsident wird es schwer, den Verein auf eine gemeinsame Linie einzuschwören und im Abstiegskampf noch die Wende zu schaffen. In Hamburg sind die Verantwortlichen hingegen auf Ruhe bedacht. HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow stärkt Trainer Fink den Rücken, der Coach selbst gibt sich trotz des Spiels in Wolfsburg optimistisch.

Doch Fakt ist: Die beiden großen, fußballverrückten Städte Hamburg und Köln müssen mehr denn je in dieser Saison um den Erstliga-Verbleib ihrer Vorzeigeclubs bangen. Auch in der Hauptstadt ist kein Konzept zu sehen. Zwar siegte die Hertha mit ihrem Literatur-Kenner Otto Rehhagel 3:1 - doch wirklich überzeugen konnte Berlin auch in Mainz nicht. Das rettende Ufer ist für den Tabellen-17. aufgrund des einen Sieges noch nicht erreicht.

Freiburg und Augsburg nehmen den Abstiegskampf an

Vielleicht müssen sich diese Gernegroß-Clubs, die in der Vergangenheit immer wieder höhere Ambitionen anmeldeten, an den kleineren Vereinen orientieren, wenn sie sehen wollen, wie Abstiegskampf funktioniert. Denn in Freiburg und Augsburg sind Trend und Stimmung deutlich besser - trotz ähnlicher Tabellenpositionierung.

Freiburg feierte beim 2:0 im Kellerduell gegen Kaiserslautern den dritten Sieg aus den vergangenen vier Spielen. Mit dem neuen Trainer Christian Streich an der Seitenlinie ist der Sportclub vom 16. auf den 13. Rang geklettert. Augsburg hat ebenfalls fünf Spiele in Folge nicht verloren - und konnte seinen 15. Platz durch ein 1:1 bei Werder Bremen an diesem Spieltag verteidigen.

"Mit diesem Happy End hatten wir nicht mehr gerechnet. In unserer Situation ist jeder Punkt sehr wichtig", weiß Augsburg-Trainer Jos Luhukay. Und auch Freiburg-Coach Christian Streich war "sehr froh" über den Sieg. Beide Teams scheinen den Abstiegskampf voll angenommen zu haben - und, das ist noch wichtiger, bereits erfolgreiche Rezepte für den Weg aus der Krise gefunden haben.

Brisante Abstiegsduelle am kommenden Samstag

Es sind noch höchstens sieben Spiele, bis die Absteiger und der Relegations-Kandidat endgültig feststehen. 21 Punkte werden noch vergeben, das sind eine Menge. Doch die abstiegsbedrohten Teams haben noch schwere Brocken vor sich - Köln muss in Gladbach und gegen den FC Bayern antreten, Freiburg spielt noch gegen Leverkusen und Dortmund.

Am härtesten trifft es den FC Augsburg: Bayern, Stuttgart, Schalke, Wolfsburg und Gladbach warten noch auf den FCA. Das vermeintlich leichteste Restprogramm hat der HSV vor der Brust: Hoffenheim, Hannover, Nürnberg und Mainz sind darunter.

Am kommenden Spieltag kommt es erst einmal zu zwei direkten Duellen im Tabellenkeller: Der Hamburger SV tritt am Samstag beim abgeschlagenen 1. FC Kaiserslautern an, der wohl trotz eines neuen Trainers nur noch schwer zu retten sein wird. Ähnlich brisant wird es bei Kölns Gastspiel in Augsburg zugehen (jeweils 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Dort wird sich dann zeigen, welches Team für die Fußball-Spezialdisziplin Abstiegskampf am besten gerüstet ist. Kölns Sascha Riether vertraut auf die Erfahrung, die der 1. FC Köln im Kampf um die höchste deutsche Spielklasse besitzt: "Immer, wenn uns das Wasser bis zum Hals stand, waren wir wieder da."

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kahabe 26.03.2012
1. Die Relegation
Zitat von sysopGetty ImagesSie gehören zum Bundesliga-Inventar, haben eine große Tradition und sind in akuter Abstiegsnot: Der 1. FC Köln und der Hamburger SV stehen vor schwierigen Wochen - auch, weil zwei Underdogs einen Lauf haben. Für Hoffnung sorgt einzig das Restprogramm. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823805,00.html
gegen Fortuna Düsseldorf spielt Köln; und verliert... Der HSV bleibt drin... Wir Lüdenscheider brauchen ihn, weil wir da gefühlt so oft gewinnen.
Bee1976 26.03.2012
2. Ist doch gut ?
Also erstmal zum HSV: Was wurde da gefaselt ? Oben angreifen, der Club gehört in die Championsleague, wir wollen wie Barca spielen, etc. Ganz vor dabei ist der Westermann, den ich als Schalke gut kenne. Und ich bin immernoch dankbar, das der HSV tatsächlich 7 Mio für den bezahlt hat. Es wird in Hamburg viel geredet und vor allem schön geredet, realistisch jedoch hat man im laufe der Jahre alles verhökert was irgendwie gut vor den Ball treten konnte, und alles vergrault was Ahnung vom Fussball hat. Jetzt hat man einen Sportdirektor der als Einkaufsmöglichkeiten fast nur chelseas Tribühne kennt, mieserable Ergebnisse schönredet und alles in allem so unbeholfen in seinem Amt wirkt wie Dutt als Trainer bei Vizekusen. Aber hey immerhin kennt er so langsam die Namen seiner Mannschaft, war ja nicht immer so. Und was Chelsea angeht, vielleicht läuft da ja auch irgendein Deal mit dem Ex-Verein, a la "Ich nehme euch die ganze Grütze ab, die ich für eure Tribühne mal eingekauft hatte, und ihr seht von der Schadensersatzklage ab ?", wer weiss es schon. Egal was der Mann verdient, es ist zuviel. Der Trainer Fink ist auch so ein abstruser Fall, hat mit heftig umworbenen Megatalenten, in der Schweizer Liga, diei ch vergleichbar mit unserer dritten sehe, ein paar erfolge verbucht, und wurde wie immer medial gehypt, weil er schwache Clubs in der CL rasiert hat. Der gutem anscheint jedenfalls nur sein Harakiri System zu kennen, stellt seltsam auf und wechselt ebenso fragwürdig ein, kann seine Jungs nicht motivieren udn redet Scheixxe zu Schokolade. Für den HSV gehts runter, und das is auch gut so! Jetzt zu Köln: Der Verein erinnert derzeit mehr an eine misslungene folge der Muppet-Show. Ein lebloses Team, Ärger um Ärger in der Führungsetage, und ein "Superstar" der bislang nur in Köln einer war. Ok zugegeben in Jogis Warmduscher wellness Kombo geht es ihm auch noch gut. Dazu diese Fans. Mal im ernst wer würde diesen Verein mit seinen fäkalienwerfenden, randalierenden, gewaltbereiten Straftä....Fans vermissen ? Ich jedenfalls nicht, auf wiedersehen Köln.
neikast 26.03.2012
3.
wenn ihr die beiden letzten Spieltage gegen den FCK und Freiburg gewinnt und der HSV dadurch drin bleibt, dürft ihr in der nächsten Saison so oft gegen uns gewinnen wir ihr wollt...:-)
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