Abstiegskandidat Augsburg: Shoppen im Winter-Wunderland

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Für den FC Augsburg steht schon am Ende der Hinrunde alles auf dem Spiel. Beim Abstiegsgipfel in Fürth braucht der Club unbedingt einen Sieg - und dann passende Zugänge. Finden muss die Jürgen Rollmann. Die Transferperiode wird für den neuen Manger zur Bewährungsprobe.

FC Augsburg: Viele Verletzte, kaum Punkte Fotos
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Den 1. Januar 2013 sehnt Jürgen Rollmann herbei. Ab Neujahr läuft die Winter-Transferperiode in der Fußball-Bundesliga, 31 Tage lang dürfen Spielerwechsel getätigt werden. Und der Manager des FC Augsburg darf endlich zeigen, dass er mehr kann, als sich eloquent zum Trainer zu äußern.

Bisher lief es für Rollmann beim FCA in der Regel so: An Spieltag x spielte die Mannschaft mal wieder passabel. Einen Sieg gab es trotzdem nicht. Und in der Mixed Zone richteten sich anschließend die Kameras auf den ehemaligen Torwart. Dann galt es mal wieder, Coach Markus Weinzierl zu verteidigen. Rollmann gibt seit seinem Amtsantritt vor rund zwei Monaten den Daueroptimisten.

"Der Trainer hat nie gejammert, obwohl wir große personelle Probleme hatten und haben. Er ist hoch motiviert, sehr engagiert", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Solange rechnerisch eine Chance da ist, geben wir nicht auf." In Augsburg gibt es Durchhalteparolen schon vor dem Ende der Hinrunde.

Wer die Bilanz des FCA nach 16 Spielen kennt, weiß, warum: nur ein Sieg, nur elf Tore, nur acht Punkte, Platz 17. Die Zahlen sind niederschmetternd. Zwei Monate lang hat sich Rollmann deshalb einen Überblick verschafft. Über einen Kader, der nach verletzungsbedingten Ausfällen von Leistungsträgern wie Torwart Simon Jentzsch, Kapitän Paul Verhaegh oder Ja-Cheol Koo regelmäßig an seine Grenzen stieß.

Zehn Millionen Gründe für den Klassenerhalt

Deshalb geht Rollmann im Januar shoppen. Auf jeden Fall soll ein neuer Rechtsverteidiger her: "Da haben wir den dringendsten Bedarf." Wer darüber hinaus kommt, ist offen: "Wir müssen feststellen, dass einige unserer Offensiv-Spieler unter ihren Möglichkeiten geblieben sind." Vor allem Stürmer Giovanni Sio, Leihgabe vom VfL Wolfsburg, enttäusche bisher. "Mit ihm hat es nicht gepasst", sagt Rollmann. "Wir schauen, ob wir das Leihgeschäft im Winter vorzeitig beenden können."

Rollmann kann nun gestalten, er muss. Es wird auch auch eine ganz persönliche Bewährungsprobe für den 46-Jährigen. Der ehemalige Profi, über dessen Journalistenausbildung mindestens ebenso gerne geschrieben wird wie über seine Zeit bei Werder Bremen und dem MSV Duisburg, konnte in der Bundesliga noch nicht als gewiefter Einkäufer auffallen. Manager bei einem Erstligisten war er noch nie, Augsburgs aktuellen Kader hat sein Vorgänger Manfred Paula zusammengestellt. Rollmann holte im November lediglich Alexander Manninger als Ersatztorwart.

Jetzt schauen in Augsburg alle darauf, wen der neue Manager holt, allen voran Walther Seinsch, der mächtige Präsident. Der hatte Rollmann im Oktober, mitten in der Saison, als Nachfolger von Paula installiert - und nickt nun Rollmanns Vorschläge ab. Und die müssen sitzen. Auf dem Spiel stehen zehn Millionen Euro, auf die der Club im Falle eines Abstiegs verzichten müsste. Das sind zehn Millionen Gründe, um für ein "realistisches Nahziel" (Rollmann) zu kämpfen: den Relegationsplatz.

Hoffnung macht Hoffenheim

Wie schön wäre es da doch, die Hinrunde mit einem Erfolgserlebnis zu beenden. Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Fürth geht es quasi gegen das eigene Ebenbild. Fürth ist punktgleich mit dem FCA, hat aber noch ein Tor weniger geschossen. Der Rest der Liga ist dem Duo enteilt. Beinahe zumindest.

Denn es gibt da ja noch die kriselnde TSG 1899 Hoffenheim. Trotz eines ungleich teureren Kaders macht der Club aus dem Kraichgau dem Konkurrenten aus Augsburg unfreiwillig Hoffnung. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf Rang 16. Doch selbst eine starke Rückrunde wie im Vorjahr, als der FCA mit satten 23 Punkten nach der Winterpause noch den Klassenerhalt schaffte, dürfte im kommenden Jahr wohl nicht reichen. Augsburg braucht ein zweites Wunder, eines, das noch größer ist als das im Vorjahr.

Und auf Wunder ist man auch in Augsburg ungern angewiesen. Deshalb arbeitet der Verein längst daran, endlich überall erstligatauglich zu werden. Das nächste große Projekt ist ein neues Leistungsnachwuchszentrum. Im Augsburger Norden, auf dem alten Trainingsgelände der Profis, ist ein neues Funktionsgebäude für die Jugend geplant. Das 2,5 Millionen Euro teure Vorhaben soll Ende 2013 abgeschlossen sein.

"Wenn Sie sich unseren aktuellen Bundesligakader anschauen, dann stellen Sie fest, dass dort niemand den klassischen Weg aus der eigenen Jugend gegangen ist. Wir möchten das auf absehbare Zeit ändern", sagt Rollmann. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht. Erstmals spielen sowohl Augsburgs A- als auch die B-Jugend in der Bundesliga. Und schon jetzt gibt es einen Unterschied zu den Profis. Akute Abstiegssorgen gibt es bei beiden Nachwuchsteams derzeit nicht.

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