Achilles Spezial Ein echter Kerl namens Kahn

Eigentlich hat Achim nur vor einem Sportler Respekt: vor Achim Achilles. Doch seit dieser Woche kann sich unser Laufgott sogar eine Männerfreundschaft mit Oliver Kahn vorstellen. In einem offenen Brief teilt Achim dem suspendierten Bayern-Torwart seine Zuneigung mit.


Sehr verehrter Oliver Kahn,

Liebeserklärungen unter Männern sind ja gerade im Fußball nicht so angesagt, trotzdem haben Sie eine verdient. Denn von den männlichen Körperteilen, die der Spanier "Cojones" nennt, haben Sie zwei besonders harte - und darauf dürfen Sie stolz sein. In einer amorphen Trottmasse verbal gleichgeschalteter Fußballprofis, deren Interviews so aufschlussreich sind wie ein Gespräch mit dem nächstbesten Pfosten, aus diesem Sumpf der Belanglosigkeiten, da reichen Ihre Statements wunderbar weit heraus.

Herzlichen Glückwunsch, wie Sie diesem arroganten Haufen von Münchner Stinkstiefeln mitgeteilt haben, dass sie widerwärtig hochnäsig und schrecklich lässig bis nachlässig über den Platz schleichen. 1:3 gegen die schlappen Stuttgarter, 0:0 gegen Duisburg zuhause – das waren schlichtweg peinliche Resultate für eine Truppe, die vor Superstars strotzt.

Lieber Oliver Kahn: "Dieser Verein platzt", haben Sie im "Kicker" gesagt, und das stimmt in vielerlei Hinsicht. Dieser Verein platzt vor Selbstgerechtigkeit, wenn Rumpelstilz-Manager Uli Hoeneß voller Verachtung die Fans beschimpft, jene Menschen also, die sich jedes zweite Wochenende den Hintern abfrieren, um in sündteuren Toni-Trikots aus der Südkurve das Bayern-Gegurke zu gucken.

Dieser Verein platzt, wenn seine Selbstherrlichkeit Kaiser Franz Beckenbauer aus seinem Steuerflüchtlingsparadies Österreich seine erratischen Kommentare abgibt. Dieser Verein platzt, wenn es Trainer Hitzfeld nicht gelingt, einen Haufen überkandidelter Millionarios zu disziplinieren. Und dieser Verein platzt, wenn die Herren Nationalspieler, allen voran der italienische, eher um ihre Frisur besorgt sind als um das Ergebnis.

Das alles haben Sie, lieber Oliver Kahn, sehr geschickt in einem Interview verpackt. Sie haben keine Namen genannt, aber jeder wusste, wer gemeint ist. Natürlich wussten Sie auch, dass ein solcher Ausbruch nicht ohne Strafe bleiben würde. Egal. Sie haben sich ja dann auch ein bisschen entschuldigt. Am Ende aber haben Sie sich als echter Kerl erwiesen. Sie haben gesagt, was gesagt werden musste. Weltklasse.

Herzlichst, Ihr Achim Achilles



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