Achilles' Spezial Zwerg in Halbschuhen

Die Politik hat Einzug gehalten ins WM-Turnier. Sie kam mit der Nationalmannschaft Irans. Ein Besuch des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Stadion könnte folgen. Achim Achilles erklärt, warum die iranische Auswahl deshalb nach Hause fahren muss. Ein offener Brief.

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Liebe iranische Fußballer,

ehrlich, Ihr seid prima. Wie Ihr Euch gestern gegen Mexiko geschlagen habt, das war bis auf die letzte Viertelstunde großartig. Ali Daei, Hashemian, Mahdavikia, alles tolle Spieler. Und Eure Fans erst: jubeltechnisch absolut konkurrenzfähig. Und vor allem: sehr schlau getarnt. Eure Fahnen sind ja mit den grün-weiß-roten Lappen der Mexikaner oder Italiener wirklich leicht zu verwechseln.

Iranischer Präsident Ahmadinedschad: In Turnhose ertrunken
REUTERS

Iranischer Präsident Ahmadinedschad: In Turnhose ertrunken

Nehmt es nicht persönlich, Sportsfreunde. Wir haben aber trotzdem eine schlechte Nachricht für Euch: Ihr müsst leider rausfliegen in der Vorrunde. Ehrlich, es liegt nicht an Euch. Aber die Aussicht, dass Euer Giftzwerg von Präsident hier anmarschiert, wenn Ihr im Achtelfinale kickt, die ist uns doch zu heikel.

Falls es nicht durch die Zensur Eurer Mullahs gedrungen sein sollte: Wir haben auch ein paar Holocaust-Leugner hier, glatzköpfig und breitschultriger als Ahmadinedschad, aber mit dem gleichen Horizont. Die warten nur darauf, dass endlich wieder ein Populisten-Kasper in Deutschland auftritt und die Vernichtung Israels zur Staatsräson erklärt. Wir aber nicht. Eine WM als Bühne für Bombenleger und Volksverhetzer, das übersteigt die Pflichten der besten Gastgeber.

Außerdem kann Euer Präsident nicht mal Fußball spielen. Was er da bei Eurem Abschlusstraining gezeigt hat, das war erbärmlich. Ihr hättet ihm wenigstens eine Turnhose leihen sollen, in der er nicht ertrinkt. "Ich war immer torgefährlich", hat Mr. Präsident gesagt. Komisch. Sein früherer Sportlehrer erinnert sich nur an einen "Zwerg in Halbschuhen", der allen auf die Nerven ging. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Deswegen, liebe iranische Kicker, finden wir es anständig von Euch, dass Ihr mit dem 1:3 gegen Mexiko den ersten Schritt in Richtung Abschied gemacht habt. Wenn wir richtig informiert sind, ist Euch Euer Präsident ja selbst ziemlich peinlich. Mit dem Ausscheiden ist uns also allen gedient. Bis zur nächsten WM habt Ihr hoffentlich einen anderen gewählt. Dann freuen wir uns auf Euch in der Finalrunde.

Ihr Achim Achilles



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