Neuer Eintracht-Trainer Hütter Das nächste Wunder muss her

Adi Hütter soll Eintracht Frankfurt in der kommenden Saison zu Erfolgen führen. In Bern nennen sie ihn den "Erlöser", hierzulande ist er fast unbekannt. Wer kommt da in die Bundesliga?

Trainer Adi Hütter
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Die Überschrift war ein Muss. Wenn man beschreiben wollte, was dem Trainer Adi Hütter als Coach der Young Boys Bern in dieser Saison gelungen ist, dann kam man an dieser Headline nicht vorbei: "Das Wunder von Bern". So stand es bei SPIEGEL ONLINE, in der "Welt", im "Kicker". Und das ist wahrscheinlich nur eine kleine Auswahl.

Den Young Boys war der Misserfolg über Jahrzehnte ein Begleiter gewesen. Für sie wurde bereits das Wort "veryoungboysen" erfunden, um zu umschreiben, dass sie es im entscheidenden Moment vergeigen. Diese Young Boys wurden Meister in der Schweiz, das erste Mal seit 32 Jahren. Die Dominanz des FC Basel ist gebrochen. Ein Wunder eben.

Und dieser Wundermacher, Adi Hütter aus Österreich, 48 Jahre alt, macht sich jetzt auf, sein nächstes Projekt anzugehen: die deutsche Bundesliga. Von der Meisterschaft sollte man bei Eintracht Frankfurt jetzt nicht unbedingt reden. Aber bisher hat Hütter überall, wo er war, Spuren hinterlassen.

Erfolge bei Grödig, Salzburg, Bern

In den Schweizer Zeitungen wurde er schon als "Erlöser" gefeiert, das Boulevardblatt "Blick" sang ihm Hymnen nach "32 Jahren Sehnsucht, 32 Jahren Hoffnung, 32 Jahren Leiden". Dabei hätten sie ahnen können, dass es Hütter wieder fortzieht.

Als junger Coach führte er den SV Grödig nicht nur in die höchste österreichische Liga, sondern anschließend gleich auf Platz drei und zur Europa-League-Qualifikation. Dann war RB Salzburg an der Reihe, das war schon eine Stufe höher. Mit RB wurde er Meister, das Team schloss die Saison mit 99 Toren ab - und wieder ging er im Moment des Erfolgs.

Dass Salzburg immer wieder die besten Spieler Richtung RB Leipzig abgab, soll ihm nicht gepasst haben. Er sei "kein Ausbildungstrainer", sagte er zum Abschied. Dass es auch Differenzen mit dem starken Mann im RB-Kosmos, Ralf Rangnick, gegeben habe, wie kolportiert wurde, hat Hütter allerdings bestritten. Er wäre nicht der erste österreichische Trainer, dem das passiert wäre.

Als Spieler immer nur in Österreich

In Bern geht er nun wieder in just dem Moment, in dem es eigentlich am schönsten ist. Den Ruf der Bundesliga zu verschmähen - das hat er einmal gemacht. Im Herbst hatte ihn Werder Bremen angesprochen, doch da hatte Hütter noch abgewunken: "Meine Mission hier ist noch nicht beendet." Das sieht er jetzt offenbar anders.

Als Spieler war Hütter immer in Österreich geblieben, einmal hatte 1860 München angeklopft, aber Hütter wollte nicht: "Heute weiß ich, dass ich in der Komfortzone geblieben bin", sagte er der "Neuen Zürcher Zeitung" einmal. Der er 2015 schon anvertraute, dass "es ein Fernziel ist, einmal in Deutschland zu arbeiten". Kontakte zur Eintracht gab es bei den Young Boys, von allen nur YB gerufen, ohnehin: Sportdirektor Christoph Spycher hatte seine beste Zeit als Profi in Frankfurt, er war sogar mal Eintracht-Kapitän.

In Frankfurt findet Hütter nicht die schlechtesten Startbedingungen vor. Vorgänger Niko Kovac hat sich mit seinem Abgang nach München nicht nur Sympathien verscherzt, er hinterlässt auch eine Mannschaft, die am Ende der Spielzeit konditionell nichts mehr zusetzen konnte. Ausgepresst vom kräftezehrenden Stil, den Kovac verordnete. Viele in Frankfurt wünschen sich einen Neuanfang - auch wenn sich der scheidende Trainer mit einem Pokalsieg am Samstag verabschieden könnte. Gegen den FC Bayern, Kovacs nächste Trainerstation, ist diese Möglichkeit jedenfalls theoretisch gegeben.

Mit Hütter dürfte auch ein anderes Spiel in Frankfurt einkehren. Der Österreicher hat seine Fußballphilosophie zumindest einmal so umschrieben: "Ein Fußball, der begeisternd ist, der den Leuten zeigt, dass das Team siegen will und sich nach dem 1:0 nicht einigelt." Ein solcher Fußball bei der Eintracht: Das wäre dann das Wunder von Frankfurt.



insgesamt 1 Beitrag
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meresi 16.05.2018
1. Handauflegen
wird bei der Frankfurter Truppe nicht genügen. Aber Adi wird's schon machen. Lehn mich jetzt trotz der vielen Züge aus dem Fenster und sage: nächstes Jahr Euro league mal sicher. Im 2. unter den ersten 4, den Adi ist ein Hungriger...wenn nicht, könnt ihr mich steinigen
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