Ärger am Rhein: Streit um einen Zwölfjährigen

Die rivalisierenden Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln und Baver Leverkusen liegen sich wieder einmal in den Haaren. Grund der jüngsten Zankerei ist ein talentierter Jugendkicker.

Dürfen junge Kicker langfristig an Profivereine gebunden werden?
DPA

Dürfen junge Kicker langfristig an Profivereine gebunden werden?

Köln - Vor wenigen Tagen wechselte das hoffnungsvolle Talent Marco Quotschalla die Rheinseite und unterschrieb beim FC einen Achtjahresvertrag, der ihm insgesamt 200.000 Mark sichern soll.

Während die Kölner von einer "Sicherung der sportlichen Zukunft" sprechen und laut Sportmanager Hannes Linßen "wieder die deutliche Nummer eins im regionalen Nachwuchsfußball" werden wollen, erhebt die Gegenseite schwere Vorwürfe. "So wie die Lage einzuschätzen ist, verkaufte hier ein Vater sein Kind. Eine andere Bezeichnung als Kinderhandel fällt mir nicht ein", empört sich etwa Übungsleiter Klaus Pabst, der Quotschalla jahrelang betreute.

Leverkusens Nachwuchs-Manager Michael Resche kann sich gleichfalls kaum beruhigen: "Marco hat sich bei uns wohlgefühlt und heulte Rotz und Wasser, als er von seinem feststehenden Wechsel erfuhr." Dieser Darstellung widersprechen die Kölner entschieden.

Zwar räumt Linßen ein, dass es sich bei der Verpflichtung der Nachwuchskraft um einen ungewöhnlichen Vorgang handele. Die Leverkusener seien aber hauptsächlich "sauer, weil die besten Talente vom Mittelrhein zum FC wollen."

"Vielleicht 300 Mark monatlich"

Außerdem, verdeutlicht der Kölner Funktionär, entsprechen die vereinbarten Zahlungen in keinster Weise den bekannt gewordenen Größenordnungen: "Finanziell bewegt sich das Angebot im üblichen Kölner Rahmen. Der Spieler bekommt im nächsten C-Jugend-Jahr vielleicht 300 Mark monatlich, später wird es dann etwas mehr."

Diese Argumente überzeugen den Kölner Rechtsanwalt und Spielerberater Norbert Nasse nicht: "Der FC dürfte sich mit diesem Vertragsabschluss in einer rechtlichen Grauzone befinden. Es dürfte sich um einen Arbeitsvertrag handeln, der grundsätzlich erst mit einem 15-Jährigen geschlossen werden kann. Es sei denn, es liegt ein Ausbildungsvertrag vor."

Auch Bundestrainer Michael Skibbe, der beim Erstligisten Borussia Dortmund lange Zeit im Jugendbereich tätig gewesen war, äußerte sich skeptisch: "Ein so langer Vertrag setzt den Jungen unter Druck und ist bestimmt nicht gut für den deutschen Jugendfußball."

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