Ärger in WM-Spielen: Schiri-Fehler zwingen Fifa zu Beweistechnik-Diskussion

Die Fifa reagiert auf die krassen Fehlentscheidungen von WM-Schiedsrichtern: Präsident Blatter hat sich bei Mexiko und England entschuldigt - und kündigt eine neue Diskussion über technische Hilfsmittel an.

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Fifa-Präsident Blatter: "Wir müssen dieses Thema wieder diskutieren"

Hamburg - Fifa-Präsident Joseph Blatter hat sich für die Fehlentscheidungen einiger Schiedsrichter während der WM entschuldigt. Namentlich erwähnte er die Teams aus Mexiko und England, die in ihren Achtelfinals benachteiligt wurden. "Ich habe ihnen gesagt: Es tut mir leid, was geschehen ist", sagte der 74-Jährige. "Ich bedauere es, wenn ich die offensichtlichen Fehler der Schiedsrichter sehe. Es ist kein Fünf-Sterne-Turnier für die Unparteiischen. Ich bin betrübt."

Zudem schloss Blatter die Einführung von technischen Hilfsmitteln im Fußball nicht mehr aus. "Es wäre unsinnig, sich darüber keine Gedanken zu machen. Wir müssen dieses Thema wieder diskutieren", sagte Blatter am Dienstag in Johannesburg. Er machte allerdings klar, dass ausschließlich die Einführung einer Torlinien-Technologie zur Diskussion stehe. "Den Videobeweis wie im Eishockey wird es nicht geben, dafür gibt es im Fußball zu wenige Unterbrechungen", so Blatter.

Ein erstes Gespräch mit den Mitgliedern des International Football Association Boards (Ifab) soll es bei einem Meeting Mitte Juli im walisischen Cardiff geben. Bisher hatte die Fifa die Einführung eines Chip-Balls oder die Anwendung des Videobeweises stets abgelehnt. Zuletzt war dies im März dieses Jahres geschehen.

"Der Fehler wäre einfach zu vermeiden gewesen"

Auch Blatter hatte sich noch im Vorfeld der WM abweisend geäußert: "Wir wollen nicht, das die Technik Einzug hält", so der Fifa-Präsident Anfang Juni in Pretoria. "Wir möchten uns die Emotionen bewahren, vielleicht noch ein bisschen mehr als Emotionen: Leidenschaft."

Gegensätzlich ist die Position der internationalen Spielervereinigung Fifpro: "Wir können es, die Fußball-Welt will es, und es wird immer noch verhindert. Das ist inakzeptabel", sagte Tijs Tummers, Leiter der technischen Kommission der Fifpro. "Der Fehler im Spiel zwischen Deutschland und England wäre einfach zu vermeiden gewesen. Es gibt nicht ein überzeugendes Argument gegen den Gebrauch der Torlinien-Technologie."

Auch die WM-Schiedsrichter stehen einer Einführung von technischen Hilfsmitteln offenbar positiv gegenüber. "Ich bin offen für alles, das uns glaubwürdiger macht", sagte der englische Referee Howard Webb. "Ich werde alle Hilfsmittel, die mir zur Verfügung stehen, nach meinen besten Möglichkeiten nutzen." Der Chef der WM-Schiedsrichter wollte sich nicht äußern. "Das ist eine interne Angelegenheit. Aber wir haben über diese Technologien diskutiert", sagte der Spanier Jose-Maria Garcia Aranda als Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission der Fifa.

Keine Regeländerungen für das laufende Turnier

Die Diskussion über technische Hilfsmittel war nach den Achtelfinalspielen am Sonntag neu entflammt. Beim 4:1-Sieg Deutschlands gegen England hatte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay ein klares Tor der "Three Lions" übersehen: Noch in der ersten Halbzeit war der Ball nach einem Schuss Frank Lampards von der Unterkannte der Latte abgeprallt und deutlich hinter der Torlinie aufgekommen - doch weder Larrionda noch Linienrichter Mauricio Espinosa hatten den eindeutigen Treffer erkannt.

Für Argentinien erzielte Stürmer Carlos Tévez das wegweisende 1:0 im Achtelfinale gegen Mexiko aus klarer Abseitsstellung. Das Schiedsrichterteam um Roberto Rosetti aus Italien bemerkte die Fehlentscheidung erst, als die Szene auf der Anzeigetafel im Stadion eingespielt wurde. Doch trotz wütender Proteste der Mexikaner korrigierten sie ihre Entscheidung nicht - und folgten damit der Fifa-Richtlinie, die jede Entscheidung aufgrund von Fernsehbildern untersagt.

Blatter kündigte zudem noch größere Anstrengungen an, um die Schiedsrichter besser auszubilden und auf die Anforderungen bei den großen Turnieren vorzubereiten. Regeländerungen während er laufenden WM schloss der Fifa-Präsident aus: "Wir können nicht für zehn Spiele etwas ändern", sagte der Schweizer.

Hinweis der Redaktion: Die ursprüngliche Überschrift dieses Artikels lautete "Fifa-Boss Blatter will über Videobeweis diskutieren". Laut Blatter aber "steht ausschließlich die Einführung einer Torlinien-Technologie" zur Diskussion.

fsc/hut/dpa/sid/AP

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insgesamt 819 Beiträge
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1.
ritterchen 28.06.2010
Nein!
2. Nein
Balla8872 28.06.2010
Zitat von sysopBei der WM in Südafrika gab es bislang viele umstrittene Schiedsrichterentscheidungen. Besonders stark diskutiert werden zwei Situationen im Achtelfinale - das nicht gegebene Tor von Englands Frank Lampard gegen Deutschland und das Abseitstor des Argentiniers Carlos Tévez gegen Mexiko. Nun wird von vielen gefordert, den Videobeweis einzuführen. Sind Sie dafür?
Nein, einmal angefangen würde es weiterführen bis der letzte Einwurf überprüft ist.
3.
LariFariMogelzahn 28.06.2010
Ja!
4.
BeckerC1972 28.06.2010
Nein. Meine Güte, was wäre uns die letzten Jahrzehnte nur ohne das Wembley-Tor entgangen?
5.
Voll Mann 28.06.2010
Selbst wenn das Video ein Beweis wäre, hätte es beim Fußball nichts verloren. Auf einen Beweis würden 20 nicht eindeutige Wiederholungen kommen. Wie gesagt, Kloses Tor , es war mindestens so wichtig wie das 2:2, hätte man in der Wiederholung anullieren können, dann wieder geben können und Jeder würde Jedem alles unterstellen. So war es eine Fehlentscheidung - Gut für die einen, Schlecht für die Anderen. Das nächste mal gibs Rache!
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