Werder-Trainer Nouri Letzte Ausfahrt Müngersdorf

Auch nach dem achten Spieltag bleibt Werder Bremen ohne Sieg auf dem vorletzten Tabellenplatz. Jetzt muss die Mannschaft beim Letzten Köln antreten. Und bei Claudio Pizarro. Für Trainer Alexander Nouri wird es ernst.

Alexander Nouri
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Alexander Nouri

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage


"Das war mal richtig schlecht", mit diesen Worten begrüßte Werders Stadionsprecher Arnd Zeigler die Zuschauer im Weser-Stadion zur Halbzeitshow. Wenige Sekunden zuvor hatten die Werder-Anhänger ihre Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Pause verabschiedet. Nach einer grottenschlechten Leistung lagen die Bremer nach 45 Minuten schon mit 0:2 zurück.

Das Ergebnis sollte sich bis zum Schlusspfiff nicht mehr ändern. Diesen erlebten allerdings nicht mehr alle 42.100 Zuschauer im Stadion, denn viele grün-weiße Fans hatten sich schon auf den Weg nach Hause gemacht oder standen bereits beim Freimarkt, dem gerade eröffneten Volksfest der Stadt, mit einem Bier in der Hand an der Theke. Es ist schon ein unmissverständliches Zeichen, wenn die sonst so loyalen Werder-Fans ihr Team nicht mehr unterstützen. Nach nun bereits acht Spielen ohne Sieg (so schlecht war Werder zu diesem Saison-Zeitpunkt in der Vereinsgeschichte noch nie) scheint die Geduld am Ende.

Die Spieler scheinen ratlos: "Gladbach hat uns heute laufen lassen, wir waren immer ein, zwei Schritte zu spät. Deshalb haben wir uns insbesondere in der ersten Halbzeit sehr schwer getan. Wir wollten attackieren, vorne draufgehen. Aber die Gladbacher haben sich sehr gut in den Räumen bewegt und immer eine Lösung gehabt", analysierte Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic. Der Österreicher, der unter der Woche seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet hatte, sollte seinem Team nach seiner Rückkehr in die Startelf die nötige Sicherheit geben - konnte das aber nicht.

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Bundesliga-Analyse: Warum Werder schon wieder kein Tor gelang

Die Gäste aus Mönchengladbach zeigten ihre beste Saisonleistung und kletterten nach dem ersten Auswärtssieg der Saison auf Platz fünf. Trainer Dieter Hecking war für sein Verhältnis fast schon euphorisch und wusste gar nicht, welchen Spieler er am meisten loben sollte. Seinem Trainerkollegen sprach Hecking Mut zu.

Der angesprochene Alexander Nouri kann mittlerweile jede Aufmunterung gut gebrauchen. Noch am letzten Spieltag der vergangenen Saison hatte Werder die Chance, international zu spielen. Vier Monate später befindet sich das Team wieder tief im Abstiegskampf. Also genau da, wo Nouri die Grün-Weißen im September 2016 übernommen hatte.

Gegen Gladbach setzte Nouri auf eine defensive Ausrichtung im mittlerweile gewohnten 3-5-2-System. Die Führungsspieler Thomas Delaney und Junuzovic sollten das Spiel ankurbeln, konnten es aber nicht. Denn die Gladbacher attackierten früh und waren mit ihren quirligen und technisch versierten Offensivspielern immer gefährlich. Nach einer fast perfekten ersten Hälfte führten die Gäste nach Toren von Kapitän Lars Stindl und dem Ex-Bremer Jannik Vestergaard 2:0. Delaney hätte allerdings kurz vor der Pause verkürzen müssen, doch der Däne vergab freistehend aus fünf Metern.

Ohne Kruse ist hier gar nichts los

Damit wäre auch das Hauptproblem der Bremer thematisiert: das Toreschießen. Werder hat nach acht Spielen nur drei Treffer erzielt. Auch das eine Negativmarke in der Vereinsgeschichte. Top-Torjäger Max Kruse fehlt. Der Ex-Gladbacher hatte sich im Heimspiel gegen Schalke (1:2) das Schlüsselbein gebrochen und wird wohl noch bis Anfang November fehlen. Sein Sturmpartner Fin Bartels befindet sich im Formtief und Zugang Ishak Belfodil hat seine Bundesliga-Tauglichkeit immer noch nicht nachweisen können.

Am kommenden Sonntag gastieren die Bremer nun beim Tabellenletzten in Köln. Es könnte das Schicksalsspiel für Trainer Nouri werden. Auch wenn Kapitän Junuzovic seinen Coach verteidigt und die Mannschaft in die Pflicht nimmt: "Es liegt nicht am Trainer oder dem Trainerteam. Wir Spieler müssen es auf dem Platz zeigen, aber das schaffen wir im Moment einfach nicht."

Frank Baumann, Geschäftsführer Sport, stellte Nouri für das Spiel in Köln eine Jobgarantie aus. "Die Situation hat sich nicht verändert. Gegen Köln wird er definitiv auf der Bank sitzen." Ob Nouri bei einer Niederlage beim Schlusslicht auch noch Trainer bleiben werde, sagte Baumann jedoch nicht: "Wir müssen uns beeilen, bis zur Winterpause können wir nicht warten. In den nächsten Wochen müssen wir punkten." Am Sonntag (13.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) könnte nun ausgerechnet die Werder-Legende Claudio Pizarro das Schicksal von Nouri entscheiden. Der Coach wollte den jetzt 39-jährigen Pizarro im Sommer nicht mehr behalten. Baumann hätte mit dem Stürmer gerne um ein Jahr verlängert.



insgesamt 7 Beiträge
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seinedurchlaucht 16.10.2017
1.
Was da in den beiden Nordclubs seit Jahren geschieht, verdient den Abstieg. Das würde einen geordneten Wiederaufbau einleiten können. Mit Fussball hat das bei Werder jedenfalls nicht mehr viel zu tun, harmlos, ideenlos, kampflos geht man zu Werke. Grauenhaft anzuschauen, damit werde ich meine Zeit nicht mehr verschwenden.
malexe 16.10.2017
2. Natürlich liegt es am Trainer
Das Problem im Sturm ist zu offensichtlich als das es ein guter Trainer übersehen könnte. Aber Herr Nouri hält starr am formschwachen Duo Belfodil und Bartels fest. Johannes Eggestein und Aaron Johansson bleiben da außen vor. Wobei in Bremen niemand mehr glaubt, dass die wirklich schlechter sind als die vermeintlichen Stammstürmer. So taumelt man planlos in Richtung zweite Liga.
widower+2 16.10.2017
3. Stimmt!
Zitat von malexeDas Problem im Sturm ist zu offensichtlich als das es ein guter Trainer übersehen könnte. Aber Herr Nouri hält starr am formschwachen Duo Belfodil und Bartels fest. Johannes Eggestein und Aaron Johansson bleiben da außen vor. Wobei in Bremen niemand mehr glaubt, dass die wirklich schlechter sind als die vermeintlichen Stammstürmer. So taumelt man planlos in Richtung zweite Liga.
Welches wahrscheinlich persönliche Problem Nouri mit Johansson hat und warum er dem jungen Eggestein trotz der eklatanten Formschwäche von Bartels keine echte Chance (zumindest mal eine ganze Halbzeit) gibt, versteht keiner mehr. Dazu hat er den bei der Mannschaft äußerst beliebten Co-Trainer Florians Bruns geschasst und die Vereinsikone Pizarro schmählich vom Hof gejagt. Er erträgt anscheinend keine Leute neben sich, die beliebter sein könnten als er selber. Fast wünsche ich mir, dass Pizarro Köln zum Sieg schießt und Nouris Trainerkarriere bei Werder beendet.
PeterPan95 16.10.2017
4.
Zitat von widower+2Welches wahrscheinlich persönliche Problem Nouri mit Johansson hat und warum er dem jungen Eggestein trotz der eklatanten Formschwäche von Bartels keine echte Chance (zumindest mal eine ganze Halbzeit) gibt, versteht keiner mehr. Dazu hat er den bei der Mannschaft äußerst beliebten Co-Trainer Florians Bruns geschasst und die Vereinsikone Pizarro schmählich vom Hof gejagt. Er erträgt anscheinend keine Leute neben sich, die beliebter sein könnten als er selber. Fast wünsche ich mir, dass Pizarro Köln zum Sieg schießt und Nouris Trainerkarriere bei Werder beendet.
Diese Unterstellung ist haltlos. Pizarro nicht zu verlängern war verständlich, grade um den jüngeren Spielern mehr Chancen geben zu können und nicht jemanden wie Pizarro auf die Tribüne setzen zu müssen. Ich habe Werder nicht Kampfschwach gesehen, in keinem der 8 Spiele. Unglücklich, ungefährlich, verunsichert. Aber sicher nicht unmotiviert. Würde nun Eggestein spielen, hieße es "Er gibt Belfodil keine Chance, warum kauft man ihn dann". Am Ende ist es immer so schön leicht: Wenn ein Team verliert, hat der Trainer alles, aber wirklich alles falsch gemacht, und das natürlich aus rein egoistischen Motiven. Wenn es aber gut läuft, wusste man das natürlich auch alles besser und der Trainer hat nur das Offensichtliche gemacht. Fußball ist mehr als nur schwarz/weiß. Seinem eigenen Team Misserfolg wünschen? Infantiler Kindergarten.
schlimmo 16.10.2017
5.
Zitat von PeterPan95Diese Unterstellung ist haltlos. Pizarro nicht zu verlängern war verständlich, grade um den jüngeren Spielern mehr Chancen geben zu können und nicht jemanden wie Pizarro auf die Tribüne setzen zu müssen. Ich habe Werder nicht Kampfschwach gesehen, in keinem der 8 Spiele. Unglücklich, ungefährlich, verunsichert. Aber sicher nicht unmotiviert. Würde nun Eggestein spielen, hieße es "Er gibt Belfodil keine Chance, warum kauft man ihn dann". Am Ende ist es immer so schön leicht: Wenn ein Team verliert, hat der Trainer alles, aber wirklich alles falsch gemacht, und das natürlich aus rein egoistischen Motiven. Wenn es aber gut läuft, wusste man das natürlich auch alles besser und der Trainer hat nur das Offensichtliche gemacht. Fußball ist mehr als nur schwarz/weiß. Seinem eigenen Team Misserfolg wünschen? Infantiler Kindergarten.
Ob Pizarro diese Saison noch geholfen hätte, mag ich nicht zu beurteilen. Aber wir scheinen zumindest die letzten beiden Spiele aus unterschiedlicher Perspektive gesehen zu haben: im Nordderby (!) habe ich eine schwache, um nicht zu sagen fast unmotivierte Bremer Mannschaft gesehen. Von Kampf hab ich jedenfalls nichts gemerkt. Selbiges gilt für das gestrige Spiel nach der Anfangsphase: nachdem Gladbach das Spiel übernommen hat, gab es kein grosses Aufbäumen mehr. 3 Tore in 8 Spiele sprechen Bände. Und überzeugend war der einzige Saisonsieg gegen einen Drittligisten auch nicht, wenn auch das Ergebnis am Ende gestimmt hat. Wird wieder eine harte Saison mit vielen trostlosen Wochenenden.
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