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Zum Tod der Fußball-Legende Di Stéfano: König der Königlichen

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Er prägte Real Madrid wie kaum ein anderer: Alfredo Di Stéfano war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren der Star des spanischen Nobelclubs. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.

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SPIEGEL ONLINE Fußball
Beim FC Barcelona war man sich sicher: Alfredo Di Stéfano sollte eine neue Ära bei den Katalanen einläuten. 1953 hatte "Barça" eigentlich schon die Zusage des Wunderstürmers - doch im letzten Moment funkte der Erzfeind dazwischen. Real Madrid sicherte sich mit Unterstützung von Diktator Franco und einer hohen Ablösesumme die Dienste des damals 27-Jährigen. Eine Investition, die sich lohnen sollte. Wenige Tage nach der Verpflichtung schoss Real den FC Barcelona 5:0 vom Platz - Di Stéfano erzielte vier Tore.

Dieses Debüt bei Madrid war der Beginn eines Mythos. Denn das nun folgende "goldene Jahrzehnt" Reals, die sagenhafte Genese des "weißen Balletts", von dem die "Königlichen" bis heute zehren - die acht spanischen Meisterschaften zwischen 1956 und 1964, die fünf Siege in Serie im neu geschaffenen Europapokal der Landesmeister (1956-1960), der Sieg 1960 im Weltpokal - all das wäre undenkbar gewesen ohne "Don Alfredo". Er thronte noch über so großen Kollegen wie José Emilio Santamaría, Ferenc Puskas, Pachín oder Francisco Gento.

Nicht umsonst verehrt ihn der spanische Romancier Javier Marías, ein glühender Madrid-Fan, in seinem Buch "Alle unsere frühen Schlachten" wie einen Heiligen. Als Di Stéfano 1963 den Verein Richtung Espanyol Barcelona verließ, wurde er "so sehr mit dem Verein identifiziert", erinnert sich Marías, "dass man sich anfangs die Mannschaft ohne ihn gar nicht vorstellen konnte".

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Weltstar Di Stéfano: Vortänzer des Weißen Ballets
Begonnen hatte der Aufstieg zu einem bewunderten Weltstar in Buenos Aires, wo Di Stéfano am 4. Juli 1926 im Hafenviertel Barracas geboren wurde. Sein Vater war Mittelstürmer bei River Plate gewesen, und auch der Sohn feierte als 20-Jähriger bei "La Maquina" (die Maschine) seine ersten Erfolge. Hier gewann er 1947 seinen ersten von zwölf nationalen Titeln und noch im gleichen Jahr mit Argentinien den Titel des Südamerika-Meisters - als Torschützenkönig.

405 Tore in 624 Spielen für Real Madrid

Schon zuvor hatte er sich lobpreisende Beinamen erworben. Der "blonde Pfeil" ging auf Roberto Neuberger zurück, den Chefredakteur der Zeitschrift "River". Wegen seiner Zuverlässigkeit, seines Fleißes und seiner atemberaubenden Kondition galt er in Argentinien aber auch als "El Alemán" - der Deutsche.

Als Di Stéfano 1949 für vier Jahre nach Kolumbien abwanderte, weil ihn ein Generalstreik in Argentinien am Fußballspielen (und Geldverdienen) hinderte, war er noch ein bulliger Torjäger, ein "Urtyp des Athletenfußballers, der seine Erfolge zunächst nur seiner Schnelligkeit und seiner Widerstandkraft verdankte". So beschrieb ihn einst sein Mitspieler Néstor Rossi. Erst ab 1952 entwickelte er sich zu einem Strategen, der den Fußball auf eine neue Stufe emporhob.

In einer Zeit des Spezialistentums nahm er, der vielseitige Allrounder, das heutige Zeitalter vorweg, als er die Figur des Regisseurs und Vollstreckers in sich vereinigte. Schon in Kolumbien rühmten die Kommentatoren dabei sein "schwereloses Spiel", seine Technik, seine Brillanz, seine Übersicht. Fähigkeiten, die sich auch auszahlten: In den vier Jahren, in denen er das "Ballet azul", das "blaue Ballett" bei den "Millonarios" in Bogotá dirigierte, war Di Stéfano bereits Millionär geworden.

Den Status eines Denkmals aber erarbeitete sich Di Stéfano bei Real Madrid. Hier schoss er 405 Tore in 624 Spielen, hier revolutionierte sein virtuoser Angriffsstil den zuvor in der Defensive erstickten spanischen Fußball, hier fehlte er in der Zeit der fünf Europapokalsiege nur in einer Partie. Und hier bildeten seine Gegner ein Spalier, baten um Autogramme und klatschten bei seinem Abgang Beifall.

So geschehen 1959, als Real Madrid im Europapokalfinale im Glasgower Hampden Park einen 7:3-Sieg gegen Eintracht Frankfurt feierte, drei Tore hatte allein Di Stéfano erzielt. In dieser Zeit war er der Beste. "Sein Fußball ist universal, ist auf allen Längen- und Breitengraden zu Hause, weil er eben alle Qualitäten in sich einschließt", rühmte 1964 eine Biografie den Mann, der in drei Nationalmannschaften (Argentinien, Kolumbien, Spanien) auf 41 Einsätze kam.

Auch nach seiner aktiven Zeit blieb Di Stéfano erfolgreich. Als Trainer holte er Meisterschaften mit den Boca Juniors (1970), dem FC Valencia (1971) und River Plate (1981), mit Real Madrid siegte er 1985 im Uefa-Pokal. Vor allem aber mahnte allein sein großer Name die Club-Führung Reals, an die großen Zeiten der 1950er Jahre anzuknüpfen - bis zum Gewinn der Champions League 1998.

Nun schwirrt der "blonde Pfeil" nur noch in den Gedanken derjenigen, die ihn als Fußballer erleben durften. Alfredo Di Stéfano ist im Alter von 88 Jahren in Madrid an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. ein GAAAAANZ Goßer ist gegangen
lollopa1 07.07.2014
en Vorbild für die Fußballwelt, danke Alfredo, für deine Kunst
2. Dem schließe ich mich an!
TarLay 08.07.2014
Möge er in Frieden ruhen.
3. Tod eines Falangisten
affenkopp 08.07.2014
Weshalb wird dieser Mann so verehrt? Ja, er war ein grossartiger Fussballer, doch vorallem war ein Freund Francos und überzeugter Falangist.
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