Hoffenheim vs. Schalke: Das Sechs-Tore-Spektakel

Von Hendrik Buchheister

Schalker Boateng, Hoffenheim-Profis: Sieg verschenkt Zur Großansicht
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Schalker Boateng, Hoffenheim-Profis: Sieg verschenkt

Der FC Schalke wollte in Hoffenheim den Anschluss an die Spitzengruppe halten. Erst sah es gut aus für die Gelsenkirchener, doch in der zweiten Halbzeit verschenkten sie den Sieg - und hätten am Ende fast noch verloren. Das spektakuläre Unentschieden im Spielfilm.

Die Ausgangslage: Der Tabellen-Elfte (Hoffenheim) empfing den Tabellen-14. (Schalke). Die Hoffenheimer - in der vergangenen Saison fast abgestiegen - können mit ihrer Platzierung leben. Schalke hat höhere Ziele, die Ränge zwei bis vier. Das Team von Trainer Jens Keller trat die Reise in den als Kraichgau (mehr oder weniger) bekannten Landstrich zwischen Heidelberg und Pforzheim mit einem klaren Auftrag an: gewinnen, um den Anschluss an die Spitzengruppe zu halten!

Das Ergebnis: Trotz 3:1-Führung zur Pause reichte es nur zu einem 3:3-Unentschieden für Schalke in einer von der ersten bis zur letzten Sekunde spektakulären Partie. Am Ende hätte Hoffenheim sogar gewinnen müssen. Der Rückstand der Schalker auf den Tabellenvierten Hannover beträgt jetzt vier Punkte, der Dritte aus Leverkusen ist sogar schon zehn Punkte entfernt.

Die erste Halbzeit: In der dritten Minute gingen die Gäste in Führung. Kevin-Prince Boateng schloss eine hübsche Kombination zum 1:0 ab. Zehn Minuten später trat Jefferson Farfan einen Freistoß an den Hoffenheimer Fünfmeter-Raum, Joel Matip traf per Kopf zum 2:0. In der 16. Minute nutzte Anthony Modeste ein Durcheinander in der Schalker Verteidigung zum Anschlusstreffer. Marco Högers Treffer in der 40. Minute war die Vorentscheidung - dachten die Zuschauer im Stadion und an den Fernsehschirmen. Und vermutlich dachten das auch die Schalker selbst.

Die zweite Halbzeit: Hoffenheim kam zurück, von Schalke war nichts mehr zu sehen. Nach einem Foul von Dennis Aogo an Kevin Volland gab es Elfmeter. Roberto Firmino verwandelte sicher (48.). Auch den 3:3-Ausgleich in der 61. Minute schafften die Hoffenheimer mit Hilfe einer Standardsituation. David Abraham trat einen Freistoß aus 20 Metern mit Gefühl über die Schalker Mauer, Torwart Timo Hildebrand machte sich lang, konnte den Ball aber nicht mehr halten. In der Schlussphase vergaben die Hoffenheimer allerbeste Chancen auf den Siegtreffer.

Schalke-Torwart Hildebrand: Chancenlos gegen Abrahams Freistoß Zur Großansicht
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Schalke-Torwart Hildebrand: Chancenlos gegen Abrahams Freistoß

Verschwendung des Spiels: Am Ende machten es die Schalker ihrem Gegner leicht, aber Hoffenheim nutzte die Schwächen nicht - sondern ließ in der Schlussphase zwei 100-prozentige Chancen aus. Nach einem Ballverlust von Jermaine Jones lief Firmino alleine auf das Schalker Tor zu und donnerte den Ball an die Latte (84.). Einen missratenen Rückpass von Atsuto Uchida nahm Sven Schipplock auf, er umkurvte Hildebrand, scheiterte aber am auf der Linie stehenden Schalker Kapitän Benedikt Höwedes (89.).

Sololauf des Spiels: Marco Höger wusste nicht, was er mit dem Ball anstellen sollte in dieser 40. Minute. Er schaute nach links und nach rechts. Weit und breit waren keine Anspielstationen zu sehen. Also lief er einfach mal los in Richtung Tor. Er umkurvte Hoffenheims gesamte Defensivabteilung und sah selbst ein bisschen überrascht aus, als er plötzlich alleine vor Torhüter Koen Casteels stand. Doch wo er jetzt schonmal da war, nutzte Höger die Chance und schob den Ball zum zwischenzeitlichen 3:1 ins Tor.

Genesungswünsche des Spiels: Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde Hoffenheims Mittelfeldspieler Boris Vukcevic bei einem Autounfall schwer verletzt. Vor dem Spiel wurde "You´ll never walk alone" über die Stadionlautsprecher gespielt. Die Fans hielten Papierschilder mit der Aufschrift "Boris" in die Luft. Außerdem waren viele Fahnen und Spruchbänder für Vukcevic zu sehen. Auf einem Spruchband stand: "Boris, unser Kämpferherz!" Nach der Partie traten die Hoffenheimer Spieler in Trikots mit der Rückennummer 7 vor die Fankurve. Vukcevics Nummer.

Hoffenheim-Fans: Grüße an den vor einem Jahr verunglückten Vukcevic Zur Großansicht
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Hoffenheim-Fans: Grüße an den vor einem Jahr verunglückten Vukcevic

Debütant des Spiels: Max Meyer hat eine Wagenladung Komplimente bekommen für seine Joker-Einsätze in der Bundesliga, für seine Spiele in der Champions League und den Startelf-Einsatz im Pokal gegen Darmstadt unter der Woche, den er mit einem Treffer verzierte. Gegen Hoffenheim spielte der 18-Jährige zum ersten Mal in der Bundesliga von Beginn an und war in der ersten Halbzeit einer der aktivsten Schalker. Zu Boatengs 1:0 leistete Meyer die Vorarbeit. Nach seinem Foul gegen Eugen Polanski (60.) war er mit der Gelben Karte noch gut bedient. Kurz danach wurde er ausgewechselt.

Erkenntnisse des Spiels: Der FC Schalke 04 bekommt seine Leistungsschwankungen nicht in den Griff. Einer starken ersten Halbzeit folgte eine phasenweise katastrophale zweite. Einen sicher geglaubten Sieg verschenkten die Spieler ohne Not. So wird es schwer mit dem Erreichen der hohen Ziele. Und Hoffenheim? Muss an seiner Chancenverwertung arbeiten. Dringend.

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