Allofs-Abschied aus Bremen Das Ende einer Ära

Eine Meisterschaft, zwei Pokalsiege und berauschende Europapokalabende: Werder Bremen holte über Jahre das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus, auch dank Klaus Allofs. Doch irgendwann verließ den Manager das Glück, nun verlässt er Werder. Der Club steht vor einem Neuanfang.

Von Nils Lehnebach

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Klaus Allofs hatte sein Büro in Bremen noch nicht fertig eingerichtet, damals im Juli 1999, da schienen sich die ärgsten Befürchtungen zu bewahrheiten. Da hatte "Bild"-Kolumnist Max Merkel geätzt, dass Allofs in der freien Wirtschaft kaum bessere Jobs, als den eines Parkplatzwächters bekommen würde. Werders neuer Sportdirektor hatte gerade das kroatische Spielmachertalent Ivica Banovic an die Weser gelotst, für 3,8 Millionen D-Mark - dachte zumindest Allofs.

Blöd nur, dass ihm und seiner Sekretärin ein Schreibfehler unterlaufen war und Werder somit plötzlich 7,5 Millionen bezahlen sollte. Der Fauxpas ließ sich jedoch beheben - und sollte für lange Zeit einer der letzten großen Allofs' bleiben. Der 55-Jährige erarbeitete sich in den folgenden 13 Jahren in Bremen einen exzellenten Ruf und bescherte Werder gemeinsam mit Trainer Thomas Schaaf eine der erfolgreichsten Zeiten der Vereinsgeschichte. Nun hat sich Allofs entschieden, den Club sofort zu verlassen und zum VfL Wolfsburg zu wechseln.

Für Bremen ist das ein massiver Einschnitt, es drohen triste Jahre an der Weser. "Wir müssen aufpassen, dass Werder Bremen nicht wieder eine Zeit erlebt wie zwischen 1995 und 1999, nachdem Otto Rehhagel zu Bayern München gegangen war", sagte Ex-Clubboss Jürgen L. Born der "Sport Bild". In dieser Zeit verschliss der Club vier Trainer, Erfolg brachte keiner. Erst mit der Verpflichtung Schaafs im Mai 1999 kam der Erfolg zurück.

Erfolge gegen Chelsea, Inter Mailand und Real Madrid

Es war der Beginn einer Ära. Einer Zeit, in der Bremen teilweise berauschende Fußballabende erlebte und wieder "Wunder von der Weser" bejubeln durfte. Unvergessen sind die Spiele gegen Olympique Lyon in der Uefa-Pokal-Saison 1999/2000, als Werder nach einer 0:3-Pleite mit einem 4:0-Erfolg im Rückspiel die nächste Runde erreichte.

Oder das Match gegen Juventus Turin im Februar 2006, als Werder bis kurz vor Schluss 1:2 zurücklag, die Partie aber durch Tore in der 87. und 92. Minute noch drehte. Dazu die Siege gegen Inter Mailand 2008 und 2010, der 3:2-Triumph gegen Real Madrid 2007 und der 1:0-Erfolg gegen den FC Chelsea ein Jahr zuvor. Bremens Auftritte im Europapokal entzückten über Jahre Fußballbegeisterte aus ganz Deutschland, unabhängig von ihren Sympathien für andere Vereine.

Eine Meisterschaft, zwei Pokalsiege und sechs Champions-League-Teilnahmen feierte der Club. Erfolge, die durch Allofs guten Blick für Talente und Schaafs Fähigkeiten, diese zu formen, ermöglicht wurden. Bremen schaffte es, das Modell eines Spieler-Entwicklungs-Clubs auf hohem Niveau zu perfektionen. Profis wie Torsten Frings, Tim Borowski, Miroslav Klose, Per Mertesacker und Mesut Özil reiften in Bremen zu gestandenen Nationalspielern.

Sie alle verließen den Club, brachten teilweise viel Geld ein, und gaben Allofs die Möglichkeit, neue Spieler zu verpflichten: Claudio Pizarro etwa, oder Diego. Doch irgendwann verließ den Manager seine Spürnase, teure Spieler wie Wesley (7,5 Millionen Euro Ablöse), Carlos Alberto (7,8) und Boubacar Sanogo (4,5) floppten.

Beiersdorfer könnte den umgekehrten Weg wie Allofs gehen

Die Abwärtsspirale begann: Bremen verpasste das internationale Geschäft, musste sich von Spielern mit hoch dotierten Verträgen trennen, dazu schlugen die Neuen nicht ein. Die Entwicklung erreichte ihren Tiefpunkt, als Allofs Anfang November ein Minus von 13,9 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2012/2012 verkünden musste.

Für einen weiteren Neuaufbau fehlte Allofs nach 13 Jahren in Bremen offenbar die Motivation. Da kam das Angebot des potenten VfL Wolfsburg gerade recht, zumal in Bremen gespart werden muss. Der VfL soll ihm sein bisheriges Gehalt von 1,5 Millionen Euro verdoppeln, der 55-Jährige soll einen Vertrag bis 2016 erhalten. Viel wichtiger: Allofs könnte in Wolfsburg dank Hauptsponsor VW massiv in neue Spieler investieren.

Den umgekehrten Weg, weg vom Geld, zurück ins beschauliche Bremen, könnte nun Dietmar Beiersdorfer gehen. Der ehemalige HSV-Manager, von 1992 bis 1996 als Spieler in Bremen, ist seit August Sportdirektor bei Zenit St. Petersburg. Dort durfte er direkt zusammen 80 Millionen Euro für Hulk und Alex Witsel ausgeben. Doch seitdem herrscht bei Zenit Unruhe, Spieler streikten, Fans protestierten. Ein Umfeld, das dem harmoniebedürftigen Beiersdorfer womöglich nicht mehr zusagt.

Nun gilt der 48-Jährige als Top-Kandidat für die Allofs-Nachfolge in Bremen. Beiersdorfer sagte: "Dazu möchte ich mich nicht äußern". So etwas in der Art sagte auch Allofs, als er kürzlich erstmals mit seinem möglichen Wechsel nach Wolfsburg konfrontiert wurde.

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
Hank Hill 14.11.2012
1. Klaus Allofs
hat genau das was Uli Hoeness fehlt: Stil und Klasse.
hattrick73 14.11.2012
2. optional
Didi - mach et ! Wer mittelmäßig begabte Spieler wie de Jong und Kompany vom chronisch titelfreien HSV nach England für ca. 30 Mios verkauft, kann nicht der Schlechteste sein. Vielleicht wäre er ohne "Möchtegern-Sonnengott" Hoffman heute noch Manager beim HSV, will sagen, sein Abgang lag wohl eher an anderen. Außerdem menschlich angenehm, redegewandt und als Ex-Profi weiß er wovon er redet. Ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium und die Titel die er mit Werder in den 90-ern abgeräumt hat, runden das Bild ab.
ikeaboy 14.11.2012
3.
Zitat von sysopDPAEine Meisterschaft, zwei Pokalsiege und berauschende Europapokalabende: Werder Bremen holte über Jahre das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus, auch dank Klaus Allofs. Doch irgendwann verließ den Manager das Glück, nun verlässt er Werder. Der Club steht vor einem Neuanfang. http://www.spiegel.de/sport/fussball/allofs-verlaesst-a-867177.html
Jetzt wird sich wohl zeigen, ob man sich Sympathie kaufen kann. Wenn das funktioniert, könnte man bei VW darüber nachdenken, ob man vielleicht etwas an dem unsympathischen Namen und den häßlichen Trikots ändert. Es gibt mittlerweile jede Menge Traditionsvereine in der dritten Liga, die Geld gut gebrauchen könnten wie beispielsweise Karlsruhe, Bielefeld, Aachen und so weiter. Dann könnte man sich nächstes Jahr Alemannia Wolfburg nennen und in Schwarz-Gelb spielen und schon wäre man wieder etwas sympathischer. Wer sagt schon, dass man mit genug Geld nicht alles kaufen könnte? Richtig die Leute, die keines haben.
deus-Lo-vult 14.11.2012
4. ...
Zitat von Hank Hillhat genau das was Uli Hoeness fehlt: Stil und Klasse.
Es zeugt von KEINERLEI Stil und KEINERLEI Klasse, wenn man lügt wie gedruckt! Am Montag wurde von Allofs noch heftig dementiert!
olymp666 14.11.2012
5. Koan Titel
Zitat von deus-Lo-vultEs zeugt von KEINERLEI Stil und KEINERLEI Klasse, wenn man lügt wie gedruckt! Am Montag wurde von Allofs noch heftig dementiert!
Ach hier sind Sie ;-) War das andere Forum nix mehr für Sie ? Gerne auch nochmal hier: Was Allofs macht, geht nur Ihn, seine Familie und die beteiligten Vereine etwas an. Werfen Sie ruhig den ersten Stein, wenn Sie noch nie die Unwahrheit gesagt haben.
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