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Streit um Amateurfußball-Videos: Nicht mehr ganz im Bilde

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Bayerns Fußballchef Koch: "Buhmann" oder "Bonsai-Blatter"? Zur Großansicht
Bongarts/Getty Images

Bayerns Fußballchef Koch: "Buhmann" oder "Bonsai-Blatter"?

Im Amateurfußball schlägt es noch, das Herz des reinen Sports, weit weg vom Kommerz. Denkste: In Bayern ist ein hässlicher Streit um das Hochladen von Spielvideos entbrannt.

Hier findet das wahre Fußballleben statt. "Halbergmoos muss in Herbertsfelden ran", heißt es als Überschrift auf der Internet-Plattform www.fupa.net, oder: "K.o. in Minute 92: Ergolding am Boden." Man kann das die Niederungen des Fußballs nennen, man kann es aber auch als sein Herzstück bezeichnen: die Welt der Amateure, der Sechst- und Siebtligisten. Und fupa.net ist so etwas wie der Marktplatz dieser Welt, mit Berichten, Fotos, Videos.

Ein Herzstück, das der Bayerische Fußballverband BFV gerne für sich reklamieren möchte - zumindest was das Abfilmen des Amateurfußballs angeht. Um das Recht, Aufnahmen von Fußballspielen aus den Unterligen zeigen zu können, tobt derzeit in Bayern ein heftiger Streit zwischen dem Verband und einigen Zeitungsverlagen.

Bislang haben sich regionale Medien wie die "Mittelbayerische Zeitung" bei fupa.net bedient. Dort kann derzeit noch jeder seine Filmaufnahmen von den Amateurliga-Kicks am Wochenende einstellen und hochladen. Auch die "MZ" beteiligt sich daran, schickt dazu auch eigene Aufnahmeteams am Wochenende über die Fußballplätze der Region und stellt für seine Online-Ausgabe Videos zur "Fupa-Show" zusammen.

Video-Perlen wie SV Freudenberg gegen den TuS Rosenberg

Dort kann man sich kleine Filmberichte ansehen, so vom vergangenen Wochenende zu Amateurfußballperlen wie SV Freudenberg gegen den TuS Rosenberg aus der Kreisliga Süd Amberg/Weiden oder zur Partie SC Regensburg gegen SV Frauenbiburg aus der Frauen-Bayernliga.

Wenn es nach dem Verband geht, soll dies künftig nicht mehr so ohne Weiteres möglich sein. Der BFV reklamiert in seinen neuen Zulassungsunterlagen für die Bayern- und Landesliga den Anspruch, dass Spiele zuallererst auf der eigenen Website bfv.tv zu sehen sein sollen.

Wer Amateurspiele filmt, soll künftig verpflichtet werden, eine Kopie kostenlos dem Verband für dessen Website zur Verfügung zu stellen. Wenn er das nicht tut, soll er zahlen: 500 Euro Lizenzgebühr pro Spiel für die 5. und 6. Liga, 1000 Euro in der 4. Liga. Die Ligen weiter unten sind von der Regelung nicht betroffen.

Die "Mittelbayerischen Zeitung", flankiert von der "Frankenpost" und dem "Nordbayerischen Kurier", sehen in den neuen Richtlinien nicht nur das Recht auf freie Berichterstattung gefährdet, sie unterstellen dem Verband auch wirtschaftliche Interessen - und wollen deswegen bei den Kartellbehörden offiziell Beschwerde einlegen.

"Kann ich mit größter Fantasie nicht nachvollziehen"

Für BFV-Chef Rainer Koch, als Vizepräsident des DFB einer der mächtigen Männer im deutschen Fußball, ist das allerdings alles nur schwer nachvollziehbar. "Geld verdienen wir mit unserer Website nicht einmal ansatzweise. Im Gegenteil, das ist eine hochgradig defizitäre Geschichte, die wir trotzdem machen, um dem Amateurfußball in gebündelter Form zu einer größeren Verbreitung zu verhelfen", sagt er SPIEGEL ONLINE. Wie die "MZ" darauf komme, darin kartellrechtliche Verstöße zu entdecken, "kann ich als Jurist selbst mit größter Fantasie nicht erkennen".

Das sieht die "MZ" naturgemäß anders. Schon im Vorjahr hat sich die Zeitung mit dem Verband angelegt, als es darum ging, in welcher Form man Amateurspiele per Liveticker begleiten darf. Damals war die Zeitung Koch schon massiv angegangen, hatte ihm "Gutsherrenart" vorgeworfen. Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung, Holger Schellkopf, nannte Koch in einem Artikel gar einen "Bonsai-Blatter". "Es geht dem Verband allein darum, die komplette Kontrolle über das Geschäft Amateurfußball zu haben", sagt Schellkopf und hält den BFV-Vorstoß für "einen sinnlosen Versuch, Macht zu demonstrieren".

Verbandschef Koch selbst sieht sich mittlerweile als "Buhmann" diskreditiert. Er verweist darauf, dass es "hier letztlich nur um 72 von insgesamt 15.000 Spielen" gehe, die am Wochenende im Amateurbereich stattfinden: "Alle anderen können doch filmen, wie sie wollen."

Der Streit hat sich in den vergangenen Wochen hochgeschaukelt, die Atmosphäre ist vergiftet. Die "MZ" legt regelmäßig mit neuen Artikeln zum Thema nach, Koch spricht von einer "Kampagne". Mehrere Vereine haben im Sinne des Verbandes und mit Hinweis auf ihr Hausrecht Video-Teams der MZ den Zutritt verweigert, solange sie sich nicht den neuen Richtlinien beugen. Bei der Partie der Spielvereinigung Weiden gegen den FC Amberg soll ein Verbandsfunktionär gedroht haben, das Spiel abzusagen, wenn Videofilmer ohne BFV-Akkreditierung im Stadion sind.

Beide Seiten berufen sich paradoxerweise in ihren Positionen auf dasselbe Urteil des Bundesgerichtshofes von 2010 - das sie nur unterschiedlich interpretieren. Damals hatten die Richter dem Internetportal Hartplatzhelden zugestanden, dass es Kurzfilme von Amateurspielen verbreiten darf, aber gleichzeitig das Hausrecht der Vereine betont. Darauf können sich jetzt beide Seiten stützen.

"Keiner im Verband will sich bereichern", beteuert Koch. Genau das bezweifeln die Verlage.

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Gutsherrenart
dachauerthomas 24.04.2015
Kein Angebot machen, einfach fordern, keine Verhandlungen, einfach Statuten einsetzen, wenn das etwas anderes ist wie Gutsherrenart, was dann.
2.
Parvis 24.04.2015
So kann man jede Sportart kaputt melken...
3. Hier wie überall ...
thomas387 24.04.2015
Inzwischen hat man begriffen, dass Information Geld ist. Überall und allerorten. Man sagt sich, wir sind der Urheber des Ereignisses und daher der Besitzer der Information und wer diese in Transfer bringen will, soll bezahlen. Wir erleben die Monetarisierung jeglicher Kommunikation. Wer hören oder sehen will, muss zahlen. Das ganze Ich-Du-Verhältnis ist danach bestimmt, was ich vom anderen rausholen kann. Google macht Milliarden-Gewinne damit. Man sollte mal Martin Buber lesen, um zu begreifen, auf welchem Irrweg wir sind.
4. Versteh ich jetzt nicht...
o-w 24.04.2015
Die mittelbayerische Zeitung, Frankenpost ect. unterstellen dem Verband wirtschaftliche Interessen, weil dieser eine Kopie eines Amateurspiels für seine App oder Webseite fupa.net haben möchte? Dann haben diese Zeitungen also keine wirtschaftlichen Interessen - verschenken ihren Amateurfussballteil also. Oder habe ich den Artikel da falsch verstanden? Zumindest habe ich bei fupa.net noch nichts bezahlen müssen....
5. Natürlich geht es dabei letztendlich ums Geld,
dani216 24.04.2015
um was soll es denn sonst gehen?
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