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Amerell bei Kerner: Schiri Cool klagt an

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Keine Schweißperle, kein Stotterer: Selbst intimste Nachfragen können Manfred Amerell bei "Kerner" nicht die Ruhe rauben. Der Beschuldigte in der Schiedsrichteraffäre ist sich seiner Sache sicher, attackiert den DFB, kündigt Klagen an - und erledigt nebenbei die Karriere von Referee Michael Kempter.

Der beruhigende Satz fällt gleich zu Anfang der Sendung. "Wir sind auf dem besten Wege, alles zu retten." Bedauerlicherweise sagt dies nicht Manfred Amerell, sondern die vierte Frau von Lothar Matthäus, Liliana. Nebst ihrem Noch-Gatten wird sie von Johannes B. Kerner zu Einzelheiten ihrer Ehe einvernommen. Amerell selbst wird später als Gast bei Kerner kurz vor Mitternacht andere Sätze sagen. Zum Beispiel: "Der DFB-Präsident hat die Ehre von Menschen auf dem Altar der Öffentlichkeit geopfert."

Das klingt anders. Hier wird keine Beziehung gerettet.

Tatsächlich ist der ehemalige DFB-Funktionär Amerell, der der sexuellen Belästigung von Schiedsrichtern bezichtigt wird, bei Sat.1 am Donnerstagabend weit davon entfernt, in irgendeiner Form zu deeskalieren.

Das ist also der erste Talkshow-Auftritt des Mannes, der vor ein paar Wochen nur eingefleischten Fußballfans bekannt war und inzwischen die balkendicken Aufmacherüberschriften der Boulevardpresse beherrscht. Es geht um schlüpfrige Details, um intimen E-Mail-Verkehr. Es geht um Intrige, um Eifersucht, um Sex. Amerell sagt: "Es tut mir leid, dass ich diesen ganzen Mist an die Öffentlichkeit tragen muss."

Lothar Matthäus hat vorher in eigener Sache kundgetan: "Wir kennen den Medienwald, da ist es besser, in eine Talkshow zu gehen und klar zu bekennen, wie es einem geht."

Nach dieser Devise packt Amerell aus, überlässt Sat.1 seine E-Mail-Kommunikation mit dem jungen Fifa-Schiedsrichter Michael Kempter zur öffentlichen Ausschlachtung. Kempter ist die Schlüsselfigur im Fall Amerell. Er hat dem DFB im Herbst vergangenen Jahres gemeldet, Amerell habe sich an ihn herangemacht, habe ihn belästigt. Kerner zitiert eifrigst die intimen Details, liest dem Fernsehpublikum private Liebesworte vor, gibt der Allgemeinheit zur Kenntnis, welches das gemeinsame Lied von Amerell und Kempter gewesen sei: "Du" von "Ich und Ich". All das weiß jetzt ganz Deutschland.

Liliana sagt zwei Werbepausen zuvor: "Es hat mir immer sehr wehgetan, in der Öffentlichkeit Gerüchte zu hören, die nicht der Wahrheit entsprechen."

"Bisexuell? - Könnte man so ausdrücken"

Einmal überkommt aber auch den Moderator die Scheu: "Ich tue mich sehr schwer, diese Frage zu stellen", sagt Kerner, tut es aber trotzdem: "Welche Neigungen haben Sie?" Amerell, zu Beginn des Gesprächs eingeführt als "verheirateter Familienvater mit zwei Kindern", und Kerner einigen sich nach kurzem Hin und Her auf den Ausdruck "bisexuell". "Könnte man so ausdrücken", sagt der Talk-Gast.

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Schiedsrichter-Skandal: Die Akteure um Amerell und Kempter

Es wird immer privater, man möchte das gar nicht alles hören. Aber Amerell sitzt ganz ruhig da und erzählt. Kein Stotterer, kein Versprecher, keine Schweißperle. Einer, der sich seiner selbst völlig sicher erscheint. Als sei nicht er seit Wochen schwersten Beschuldigungen ausgesetzt, sondern irgendeine andere Person, irgendwo draußen außerhalb des Fernsehstudios.

Das Verhältnis zu Kempter sei "keine Liebesbeziehung gewesen", da "Liebesbeziehung ja meint, dass man dauernd Kontakt hat". Stattdessen wählt er die Formulierung: "Ich habe ihn sehr, sehr gern gehabt." Und es könne sein, dass Kempter "unter Umständen auf mich abgefahren ist". Warum der Jung-Referee dann plötzlich eine Kehrtwende um 180 Grad gemacht habe und Amerell beim DFB angezeigt habe, könne er sich nicht erklären: "Vielleicht war er eifersüchtig, ich weiß es nicht."

Lothar Matthäus sagte zuvor: "Eifersucht gehört dazu in einer Beziehung."

"Hoffentlich fliegen die Bayern raus"

So geht es weiter, E-Mail um E-Mail, Detail um Detail. Ein Kronzeuge eines menschlichen Dramas wie geschaffen für Sat.1. So privat, wie Privatfernsehen nur sein kann. Seine provozierende Ruhe büßt Amerell nur ein, wenn die Rede auf DFB-Präsident Theo Zwanziger kommt, den "allmächtigen Herrn Präsidenten", wie der ehemalige DFB-Amtsinhaber Amerell ihn nennt. Einer, der laut Amerell in der ganzen Angelegenheit ganz anders gehandelt hätte, "wenn er auf Menschen achten würde und auf Menschen schauen würde". Einer, der nicht merke, dass "es hier um Menschen geht, nicht um Holzstücke".

Von daher will Amerell die Angelegenheit nicht ruhen lassen. Als nächstes will er die vier Schiedsrichter wegen Verleumdung verklagen, die ihn beim DFB belasten. "Ich habe jetzt ihre Namen, und die werden auch irgendwann öffentlich rauskommen."

Lothar Matthäus hat gesagt: "In einer Beziehung, wo Probleme auftauchen, können immer beide mehr tun, dass es wieder funktioniert."

Bevor Kerner zum nächsten drückenden Thema der Sendung, nämlich Übergewicht, überleitet, wird auf einmal der Sportjournalist im Boulevardmann hellwach. Und da wurde es tatsächlich einmal hochinteressant an diesem späten Abend. In einer E-Mail an Amerell, aus der der Moderator zitiert, schreibt Kempter: "Gleich spielen die Bayern. Hoffentlich fliegen sie raus. Dann können wir darauf anstoßen." Zur Erinnerung: Schiedsrichter werden im Fußballdeutsch auch Unparteiische genannt. Aber im deutschen Schiedsrichterwesen scheint tatsächlich nichts mehr an seinem Platze zu sein.

Die Karriere Kempters dürfte nach dieser E-Mail mehr oder weniger erledigt sein. Wie sagt Amerell dazu? "Ich finde das sehr bedenklich."

Lothar Matthäus sieht das bestimmt auch so.

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Forum - Wie bewerten Sie das Krisenmanagement von DFB-Präsident Theo Zwanziger?
insgesamt 366 Beiträge
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1. Zwanziger hat....
Knütterer, 04.03.2010
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
.. sich hier nach meiner Einschätzung völlig falsch und grottenschlecht gezeigt! Solch eine Aktion schadet ihm auf dem Zenit seiner Karriere deutlich!
2.
Justitia 04.03.2010
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
Zwanziger hat mit Amerell eine aussergerichtliche Einigung erzielt, die einem Sieg im nun abgeblasenen Rechtsstreit mit Amerell nahezu gleich kommt. Damit Punkt für Zwanziger. In der Sache Löw/Bierhoff hat er den beiden gezeigt, daß sie die Angestellten sind und er die Arbeitgeberseite vertritt und dementsprechend die Rollenverteilung auch bleibt. Da eine Fortführung des Vertrags mit Löw bei einem peinlichen Verlauf der WM für die NM eh nicht sinnvoll wäre, hat auch hier Zwanziger richtig gehandelt. Damit ein weiterer Punkt für Zwanziger. Meiner Meinung nach kann man Zwanziger lediglich vorwerfen, daß er zu einem früheren Zeitpunkt Löw bereits eine Verlängerung des Vertrags angeboten hatte. Dies fand ich eher ungeschickt, den Verlauf der WM hätte er abwarten sollen.
3. DFB sollte Konkurrenz bekommen
paretooptimal 04.03.2010
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
Der DFB hat sich seit Jahrzehnten zu einer Hydra entwickelt, wo jeder Funktionär sein eigenes Süppchen kochen will. Wichtig sind die aktiven Fußballer und nicht der übermächtige Verband. Man sollte über einen neu zu schaffenden konkurrierenden Verband nachdenken, der dem DFB Paroli bieten kann.
4. Sieg für Zwanziger im Fall Amerell
simonleipzig 04.03.2010
Zitat von sysopDer Fall Amerell sorgt seit Wochen für Wirbel, auch der Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw wurde noch nicht verlängert. DFB-Präsident Theo Zwanziger steht in der Kritik. Wie bewerten Sie seinen Umgang mit diesen Personalien?
Zwanziger hat im Fall Amerell (wie auch in vielen anderen schwierigen Fällen) mit Augenmaß aber auch einer klaren Linie gehandelt. Das spricht eindeutig für ihn und für ein Ende des Unter-die-Decke-kehrens von MV (der das ja jetzt in der Presse erst wieder gefordert hat). Zwanziger konnte sich mit den eidesstattlichen Erklärungen von vier jungen Schiedsrichterkollegen sicher sein, dass die Vorwürfe von Michael Kempter in Sachsen sexueller Belästigung der Wahrheit entsprechen. Amerell hatte damit keine Wahl: Er musste seine Klage zurückziehen, nun darf jeder die entsprechenden Vorwürfe wiederholen. Ich bin sehr gespannt, wie er sich da heute abend bei Kerner in SAT 1 aus der Affäre ziehen will. Übrigens hat das Ganze überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob Michael Kempter schwul ist oder nicht. In jedem Fall verbietet sich bei einem solchen Abhängigkeitsverhältnis Amerell-Kempter jeglicher Annäherungsversuch - in welcher Form und Art auch immer. Ein Schiedsrichterbeobachter kann und darf schwul sein, ebenso wie ein junger Schiedsrichter (allerdings wohl ohne es öffentlich zu machen, so weit sind die Fußballfans noch nicht). Aber er darf Privates eben nicht mit seiner Arbeit vermischen. Das hat auch Theo Zwanziger immer wieder betont. Danke für diesen offenen und klaren Umgang mit einem (leider) immer noch schwierigen Thema.
5. Das Krisenmanagement von Herrn Zwanziger
woscho 04.03.2010
ist merkwürdig. Ausschnitt: "Der DFB zeigte sich in einer Pressemitteilung zufrieden mit der Einigung: "Der Zivilprozess ist damit für uns in jeder Hinsicht erfolgreich abgeschlossen", sagte Rechtsanwalt Christian Schertz, der den DFB vertrat". >Zwanziger hatte vor der Verhandlung seine Demission angekündigt, sollte der DFB den Prozess gegen Amerell verlieren. "Dann muss ich selbstverständlich sofort von meinem Amt zurücktreten", so der 64-jährige Jurist im Magazin "Kicker".< Hier klingt Herr Zwanziger mit einer Rücktrittsdrohung wie der zurückgetretene Kanzler Schröder und seine Misstrauensfrage von 2005. Weiß der Geier, die Anschuldigungen dieser Schiedsrichter gegen Manfred Amerell gehören bekannt gemacht, ansonsten bleibt ein Mauschelgeschmack. Das seltsame Rechtsempfinden beim DFB.
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