Wirbel um Nationalspieler Younes Vom Weg abgekommen

Amin Younes galt als Hoffnung des deutschen Fußballs. Für den Sommer soll er einen Vertrag unterschrieben haben, von dem er nichts mehr wissen will. Und er weigerte sich, eingewechselt zu werden. Was ist da los?

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Eigentlich müssten sich Marc Overmars und Amin Younes gut verstehen. Der Niederländer war ein ähnlicher Fußballer wie Younes, auch Flügelstürmer, schnell, dribbelfreudig, stark im Eins-gegen-Eins-Duell. Overmars ist heute nicht mehr aktiv, er ist Funktionär, Sportdirektor bei Ajax Amsterdam. Und kein Younes-Freund mehr.

Vor einem Jahr war der deutsche Nationalspieler noch ein Publikumsliebling, vom Trainer gefördert, vom Sportdirektor belobigt. Die Zeit ist vorbei. Younes hängt in der Luft, seine Zukunft ist ungewiss.

Younes, seit 2015 beim niederländischen Traditionsklub unter Vertrag, ist für die kommenden zwei Wochen in das Reserveteam verbannt worden. Er hatte bei der Partie von Ajax gegen Heerenveen die Einwechslung verweigert, er hatte sie kurz vor dem Abpfiff für "unnötig" erachtet. Trainer Erik ten Hag wollte den 24-Jährigen eigentlich mit seiner Einwechslung für dessen gute Trainingsleistungen "belohnen", wie er sagt. Younes hat das offensichtlich anders gesehen. Kein Trainer der Welt lässt sich das bieten, wenn er seine Autorität behalten will. Der ehemalige Coach Aad de Mos sagte in der Zeitung "De Telegraaf": "Ich hätte ihn viel härter bestraft."

Schon beim FCK in die Reserve versetzt

Dass er in die zweite Mannschaft versetzt wird, das hat Younes schon einmal erlebt. In seiner bisher finstersten Zeit als Profi, als er, ausgeliehen von Borussia Mönchengladbach, nicht einmal für die Zweitligamannschaft des 1. FC Kaiserslautern gut genug schien und er bei der FCK-Reserve mitwirken musste. Das ist erst drei Jahre her, dann kam der Wechsel nach Amsterdam, der Aufstieg zum Europa-League-Finalisten, Nationalspieler und Confed-Cup-Sieger im Vorjahr. Und jetzt wieder in der Reserve. Wenn Fußballerkarrieren mit einer Achterbahnfahrt verglichen werden, dann ist die Laufbahn von Younes dafür beispielgebend.

Schon im Vorjahr, als alles noch gut war, wollte Younes Ajax gerne verlassen. Er war als strahlender Gewinner des Confed Cups aus Russland heimgekommen, der Name Younes stand in den Notizbüchern mehrerer europäischer Klubs, aber der Ajax-Sportdirektor hat die Wechselabsichten des Deutschen damals mehr oder weniger ignoriert. Der Klub hatte seinen Erfolgstrainer Peter Bosz an Borussia Dortmund verloren, mehrere Schlüsselspieler hatten den Verein verlassen, da wollte man nicht auch noch den Flügelspieler abgeben. Overmars verweigerte alle Gespräche über einen Wechsel, Younes war, gelinde gesagt, verstimmt.

Die anschließende Hinrunde bei Ajax war dann auch zum Vergessen. Younes kam mit dem neuen Trainerteam nicht besonders gut zurecht, dazu kamen Verletzungen. Wenn Younes spielte, schien er seine Torgefahr aus der Vorsaison komplett eingebüßt zu haben. Unter Coach Ten Hag spielte er dann gar keine Rolle mehr.

Wechsel nach Neapel schien sicher

Im Winter schien es dann mit dem Wechsel zu klappen. Die SSC Neapel, zu dem Zeitpunkt Tabellenführer in Italien, hatte angeklopft, die Verhandlungen schritten zügig voran. Younes hatte schon den Medizincheck absolviert, ließ sich mit dem SSC-Schal fotografieren und saß beim 3:1-Erfolg von Napoli über Bologna bereits als interessierter Zuschauer auf der Tribüne. Selbst über die Ablösesumme von gut 4,5 Millionen Euro hatten sich die beiden Vereine geeinigt. Doch dann platzte der Wechsel in letzter Minute. Private Gründe von Younes wurden dafür angegeben, was genau dahinter steckte, ist bis heute unbekannt.

Seitdem ist Younes wieder bei Ajax, aber seine Situation ist eher komplizierter geworden. Napoli geht davon aus, dass der Profi im Sommer kommt. Younes selbst sagte Sport1 am Dienstag, er habe in Neapel nichts unterschrieben, was ihn an den italienischen Verein binde. "Bis zum 30. Juni werde ich mich voll auf meinen Verein Ajax Amsterdam konzentrieren", da spiele es auch keine Rolle, ob es die erste oder zweite Mannschaft sei: "Ich will Gas geben."

Neapel hat darauf reagiert mit dem Hinweis, dass es gar insgesamt 31 Unterschriften von Younes gebe, die er bei den Italienern bereits abgeleistet habe, wie Vereinsanwalt Mattia Grassani einem italienischen Radiosender sagte. Younes' Version sei "beinahe zum Lachen".

Die wabernden Gerüchte, der FC Bayern habe Younes im Auge, und selbst sein Ex-Verein Borussia Mönchengladbach denke über eine Rückholaktion nach, will er nicht kommentieren. So spielt er am Wochenende erst einmal mit Jong Ajax, der zweiten Mannschaft des Ehrendivisionärs bei De Graafschap, dann gegen die zweite Auswahl von AZ. Einer WM-Nominierung, auf die Younes nach dem Vorsommer mit Fug und Recht hoffen konnte, kommt er auf diese Weise nicht näher.



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archontas 15.03.2018
1. Völlig normal eigentlich
bei Fussballern wird jedoch immer ein Thema daraus gemacht. Kommt mein Chef 5 min vor Feierabend noch mit einem (für ihn och) so wichtigen Auftrag, heisst es auch fast ausnahmslos „heute nicht mehr“ ! Ab und zu macht er’s dann selber... Dazu braucht’s nach Kahn allerdings was in der Hose! Amin ist offenbar so einer was grundsätzlich mal gut ist. Für ihn, für die Medien sowieso. Für macho Trainer, die sich gewohnt sind das alle Junioren machen was man ihnen befiehlt vielleicht weniger.
jujo 15.03.2018
2. ....
Die wahren Gründe kennen ja nur die Beteiligten. Es scheint aber an der Zeit zu sein, den Spielern und hauptsächlich deren Beratern ihre Grenzen aufzuzeigen. Die Klubs in Europa sollte überein kommen, auf die Verpflichtung von Spielern dann zu verzichten wenn diese durch "Streik" ihren vorzeitigen Wechsel erzwingen wollen. Z.Z.ist es doch so das die Spieler damit durchkommen.
Teigkonaut 15.03.2018
3. Spieler sind keine Leibeigenen
eher Künstler, die ihr Potenzial in einem guten Umfeld entfalten. Ob das bei Ajax gegeben ist? Wenn man seitens der Vereinsleitung kategorisch den vorzeitigen Wechselwunsch ablehnt, anstatt die Ursache der Verstimmung zu beheben braucht man sich anschließend nicht zu wundern.
Sal.Paradies 15.03.2018
4. Für die NM sowieso gestorben
Mal unabhängig von seiner Unzuverlässigkeit, kommt die Komponente dazu, dass er wohl auch in seinen Leistungen genau so unzuverlässig ist,was ein klares KO-Kriterium für die NM bedeutet. Yogi hat viel zu viele gute Spieler, als das er so jemanden in die NM berufen wird. Und Leute, die solche Schlagzeilen machen, die konnte Löw noch nie leiden. Selbst Kruse ist, obwohl sehr viel erfolgreicher als Younes, kein Thema für LÖw und Younes wird sich jetzt erst mal länger von der NM verabschieden müssen, da bin ich mir sicher. Younes sollte sich auch mal fragen, warum er erst so kurz vor Schluß eingewechselt wird? Er spielt sportlich schon länger keine Rolle mehr bei Ajax, was bedeutet, dass er eine Kerze ist, die mal kurz brennt (Confed-Cup), um dann immer mehr zu flachern und temporär völlig zu erlischen. Was soll die NM mit so jemandem?
YoRequerrosATorres 15.03.2018
5. Gut verdienender Fußballer wird
...nicht eingewechselt und spielt jetzt in der zweiten Mannschaft eines Profiklubs. Ach so. Ein anderer Fußballer derselben Liga (in NL) bei VVV Venlo pausiert, weil er eine Knochenmarkspende an einen ihm völlig Unbekannten gibt. Er wird vom Verein unterstützt und darüber steht hier nix. Dabei ist das ein echter Star für mich.
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