FC Bayern: Die Hurra-Fußballer

Von Sebastian Winter, München

Mit dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale hat der FC Bayern eine fast perfekte Hinrunde beendet. Die Münchner glänzen mit ihrem flexiblen Spielsystem und einer sehr gut besetzten Offensive. Sorgen macht nur die Innenverteidigung.

Sieg in Augsburg trotz Unterzahl, Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale: Mit dem 2:0-Erfolg beim FCA endete für den FC Bayern eine sehr erfolgreiche Hinrunde, entsprechend entspannt konnten die Münchner am Dienstagabend Bilanz ziehen. "Die Mannschaft kann zufrieden Weihnachten feiern. Wir überwintern in allen drei Wettbewerben und haben uns in der Bundesliga die Pole-Position erarbeitet", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Jetzt ist es wichtig, dass die Mannschaft in den nächsten zwei Wochen gut regeneriert."

Mit Blick auf das Pokalspiel war Rummenigge nicht ganz so ruhig, die Rote Karte für Bayerns Franck Ribéry nach dessen Handgriff ins Gesicht des Augsburgers Ja-Cheol Koo (47.) regte den Boss mächtig auf. "Es war keine Rote Karte, sondern eine Reaktion auf das, was der Koreaner gemacht hat. Ich hoffe, dass man das beim DFB genauso sieht", sagte Rummenigge. Das sah Bayern-Trainer Jupp Heynckes nicht ganz so: "Die Rote Karte ist vertretbar. Einem klasse Spieler darf das nicht passieren, dass man sich provozieren und zu einer solchen Antwort hinreißen lässt."

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FC Bayern München: Qualität vorne, Probleme hinten
Bis zu seiner Hinausstellung war Ribéry wieder einmal glänzend aufgelegt, wirbelte die Augsburger Defensive durcheinander. Der Franzose zeigt sich schon seit Monaten in Top-Form, war der beste Münchner der Hinrunde. Ribéry ist endlich wieder das Überraschungsmoment im Angriffsspiel der Bayern. Und anders als in den Vorjahren hilft er jetzt auch in der Defensive aus. Nur eines muss er noch üben: Disziplin.

Bayern erfolgreich mit dem BVB-Spielsystem

Ribérys Schwung und Elan sind bezeichnend für das neue Spiel der Bayern. Sie sind zwar noch immer auf Ballbesitz fixiert, wie unter Ex-Trainer Louis van Gaal. Doch die Münchner pressen nun früher und weiter vorne. Mit dieser Taktik ist Borussia Dortmund in den beiden vergangenen Spielzeiten Meister geworden.

Zudem spielt der FCB nun mehr vertikale Pässe, anstatt die Gegner mit endlosen Stafetten in der eigenen Hälfte zu zermürben. In Offensiv-Allrounder Xherdan Shaqiri, der gegen Augsburg das 2:0 erzielte (84. Minute), und dem oft nach vorne drängenden linken Außenverteidiger David Alaba haben die Bayern zudem kreative Spieler, die zusammen mit Ribéry wie geschaffen sind für ein effizientes Konterspiel.

Heynckes mit vielen Alternativen in der Offensive

Shaqiri zeigte auch gegen Augsburg, wie sehr er die gegnerische Abwehr mit seiner schnellen, wendigen Art überraschen kann. "Ich bin zufrieden mit meiner ersten halben Saison, ich habe meine Einsätze bekommen", sagte der Schweizer. Der Konkurrenzkampf in der Offensive, wo sich auch noch Toni Kroos, Thomas Müller und irgendwann auch wieder der verletzungsanfällige Arjen Robben tummeln, wird also schärfer.

Auch im Sturmzentrum hat Heynckes nun viele gute Alternativen. Mario Gomez, gegen Augsburg erster Münchner Torschütze (26.), trifft nach seiner Rückkehr wieder. Sein Konkurrent Mario Mandzukic erzielte in der Hinrunde in allen Wettbewerben insgesamt elf Treffer, zudem lauert Claudio Pizzarro auf seine Chance. Der Bayern-Kader ist deutlich stärker geworden - zumindest in der Offensive.

Dagegen hakt es in der Defensive. Bastian Schweinsteiger und Javier Martínez sorgen bislang im defensiven Mittelfeld für zu wenig Schwung nach vorne. Daher bemängelte Heynckes zuletzt immer wieder das Umschaltspiel zwischen Defensive und Offensive. Ihre Abwehrarbeit verrichten Schweinsteiger und Martínez bislang aber sehr gut.

Für die Viererkette gilt das nur bedingt, obwohl sie bislang nur wenig Tore zugelassen hat (sieben in der Bundesliga). Seit der Verletzung von Holger Badstuber, der wegen eines Kreuzbandrisses wohl für den Rest der Saison ausfallen wird, fehlt es an Stabilität im Abwehrverbund. Während Philipp Lahm und David Alaba starke Außenverteidiger sind, trifft das im Zentrum nur für Dante zu. Jérôme Boateng und Daniel van Buyten sind immer für einen Patzer gut. Weitere Alternativen hat Heynckes nicht: Anatolij Timoschtschuk ist in der Innenverteidigung nur eine Notlösung, Martínez wird im Mittelfeld gebraucht.

Das Hauptproblem der Bayern liegt ganz hinten, direkt vor Torwart Manuel Neuer, und weit weg von der brillanten Offensive. Die Innenverteidigung könnte den Münchnern die Saison noch gehörig versauen, zum Beispiel mit einem Aus in der Champions League. Dort könnten die Bayern im Achtelfinale unter anderem auf Real Madrid oder den AC Mailand treffen - und damit auf formidable Offensivreihen.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Bayern ist in der Dvensibe ebenfalls sehr gut besetzt.
kornfehlt 19.12.2012
Besser als Dortmund allemal. Man achte auf die Anzahl der Gegentore in dieser Saison! Irgendwie geht dem SPIEGEL die Statistik ab.
2. ...
deus-Lo-vult 19.12.2012
Zitat von sysopGetty ImagesMit dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale hat der FC Bayern eine fast perfekte Hinrunde beendet. Die Münchner glänzen mit ihrem flexiblen Spielsystem und einer sehr gut besetzten Offensive. Sorgen macht nur die Innenverteidigung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/analyse-der-hinrunde-des-fc-bayern-muenchen-a-873770.html
Die Münchner haben gestern abend alles, aber ganz sicher nicht geglänzt. Höchstens, wenn man zählt, wer die meisten Karten bekommen hat.
3. .
frubi 19.12.2012
Zitat von kornfehltBesser als Dortmund allemal. Man achte auf die Anzahl der Gegentore in dieser Saison! Irgendwie geht dem SPIEGEL die Statistik ab.
Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied. Im manschaftlichen Defensivverhalten sind die Bayern die beste Manschaft der Liga. Die besten Innenverteidiger hat Dortmund mit Subotic, Santana und Hummels. Boateng ist ein guter Innenverteidiger, der aber noch viel zu oft seine Aussetzer hat. Dante ist allerdings auf einer Stufe mit Hummels und Subotic und eine echte Bank. Die Bayern sollten sich aber überlegen, ob sie für Sommer 2013 nicht noch einen absoluten Weltklasse-IV holen. Chiellini von Juve ist so einer. Teuer aber absolut wertvoll.
4. @frubi
kornfehlt 19.12.2012
Hummels im Spiel gegen Italien. Genial. Ja, überall finden sich solche Aussetzer.
5. optional
mbu66 19.12.2012
Subotic und Santana sind sicherlich ganz gute Innenverteidiger, aber keinesfalls besser als Boateng, trotz seiner gelegentlichen Aussetzer.
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