Gladbachs Sieg gegen Bremen Das Selbstvertrauen ist zurück

Borussia Mönchengladbach hat mit dem Sieg gegen Bremen zurück in die Spur gefunden. Innenverteidiger Andreas Christensen spielte dabei eine entscheidende Rolle. Alle Probleme des Klubs sind damit aber noch nicht gelöst.

Aus Mönchengladbach berichtet

DPA

Es war eine kühne Idee, die ein englischer Reporter aussprach, als der Held des Abends auftauchte und von seinen Großtaten erzählte. Der Mönchengladbacher Innenverteidiger Andreas Christensen hatte beim 5:1 (2:0) gegen Werder Bremen seinen ersten Bundesligatreffer erzielt und kurz darauf einen zweiten nachgelegt. Ob er dann auch noch versucht habe, den Elfmeter, der den Gladbachern ihr viertes Tor bescherte, zu schießen, "damit es ein Hattrick wird", fragte der Journalist. Christensen, der immer sehr ernst schaut, musste lächeln. "Nein", sagte er, "dafür ist eindeutig Raffael zuständig". Und dennoch war es der Abend des Hochbegabten, den Borussia Mönchengladbach im vorigen Sommer für zwei Jahre vom FC Chelsea ausgeliehen hat.

Das Wichtigste sei, "dass das Team nach zwei Niederlagen wieder gewonnen hat", sagte der 19-Jährige pflichtbewusst, aber besonders sein Tor zum 2:0 war ganz erstaunlich. Denn es fiel nicht nach einer Standardsituation, sondern nach einem Konter, an dessen Ende Christensen den Ball aus vier Metern über die Linie schob. In einer Spielsituation, in der ein Innenverteidiger normalerweise nicht vor dem gegnerischen Tor auftaucht. "Andreas hat fast nur gute Leistungen gezeigt, er ist einfach ein sehr guter Innenverteidiger", sagte Trainer André Schubert.

Dass der Däne ein besonderer Fußballer ist, wissen die Gladbacher seit Langem. "Ich war schon vorher ein paarmal nah dran, heute hat es eben geklappt", sagte er zu seinen ersten Bundesligatreffern, die äußerst wichtig waren. Lars Stindl hatte die Borussia früh mit dem 1:0 in Führung gebracht, aber erst "das 2:0 und das 3:0 haben uns das richtige Selbstvertrauen gegeben", sagte Oscar Wendt.

Die Ordnung stimmt wieder

Das hatte zu Beginn der Rückrunde mit zwei Niederlagen und ersten Krisenberichten nämlich sehr gelitten. Nun spielte die Borussia wieder wie in der besten Phase der Hinrunde. Der überragende Mahmoud Dahoud diktierte den Rhythmus, die Stürmer Raffael und Stindl wirkten beweglich, wach und freudvoll, die Ordnung stimmte. Zuletzt sei die Mannschaft körperlich "noch nicht bei einhundert Prozent" gewesen, sagte Schubert. "Heute hat sich eindrucksvoll gezeigt: Wenn die Jungs wieder in den Lauf kommen, wenn die Frische da ist, dann greifen die Dinge wieder."

Wobei es auch eine Phase gab, in der die Partie trotz einer 3:0-Führung hätte kippen können. Zunächst hatte Claudio Pizarro per Foulelfmeter auf 3:1 verkürzt (56. Minute), und in den Minuten danach wirkte die Gladbacher Defensive plötzlich labil. Eine Großchance von Zlatan Junuzovic, in deren Anschluss Pizarro noch eine Nachschussmöglichkeit hatte, war vielleicht der Schlüsselmoment dieser Partie, der alles hätte ändern können. "Nach dem Gegentor zum 3:1 haben wir eine Zeit gebraucht, um uns wieder zu beruhigen, aber das ist klar bei den Dingen, die in den letzten Wochen gekommen sind", sagte Schubert.

Die Unruhe bleibt vorerst

Erst nach Raffaels Elfmetertor zum 4:1 (70.) war die Partie entschieden, wobei die Unruhe der vergangenen Wochen, von der Schubert sprach, noch nicht aus der Welt ist. Der Trainer ist weiterhin dabei, alle möglichen Brandherde zu bekämpfen. So hatte er nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund auf der Pressekonferenz den Eindruck erweckt, der lange verletzte Kapitän Martin Stranzl passe nicht zur etwas riskanteren Verteidigungsstrategie, die seit seiner Amtsübernahme eingeübt wurde. Das stellte er nun richtig. "Insgesamt wird da auch wahnsinnig viel reininterpretiert", erklärte der Trainer, der den Österreicher fünf Minuten vor dem Ende eingewechselt hatte. Das Publikum feierte das Comeback des Kapitäns nach fast fünf Monaten. Stranzl brauche nach seiner schweren Gesichtsverletzung einfach noch Zeit, bis er so weit ist, "auf dem Niveau helfen zu können", sagte Schubert.

Vor dem Spiel wurde bei Sky außerdem ein Beitrag gezeigt, der den Eindruck vieler Journalisten untermauerte, Schubert falle es schwer, sachlich auf kritische Fragen zu reagieren. Im Gladbacher Presseraum ist eine seltsame Stimmung des Widerstands gegen diesen Trainer entstanden, die gefährlich werden kann, wenn die Ergebnisse ausbleiben.

Die Qualität eines Trainers lässt sich nicht anhand seiner öffentlichen Auftritte beurteilen, aber für die Arbeitsatmosphäre ist die Wahrnehmung von außen durchaus relevant. Vermutlich wäre dem 44-Jährigen sehr geholfen, wenn er nervige und in seinen Augen vielleicht auch dumme Fragen einfach sachlich und frei von Emotionen beantwortet, statt Fragestellern das Gefühl zu geben, ahnungslose Nervensägen zu sein. Wobei Siege natürlich das beste Mittel bleiben, um für Ruhe auf solchen Nebenkriegsschauplätzen zu sorgen.



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Seite 1
ftb7 06.02.2016
1.
Langsam wäscht sich die Arbeit von Favre aus und dann wird der Schubert Effekt einsetzen. Ich glaube er über steht kaum das Saisonende.
diezwo 06.02.2016
2. Schubert...
Ich glaube, genau das Gegenteil wird der Fall sein. Im nächsten Spiel steht such Xhaka wieder zur Verfügung und was einzelne Spieler ausmachen können hat Mo Dahoud gestern ja eindrucksvoll bewiesen. Man muss Schubert eben auch die nötige Zeit geben. Ich finde, er macht seine Sache ordentlich, zumal wenn man bedenkt wo er her kommt. Die Profis zu trainieren war ja eigentlich nicht seine Aufgabe... Und mir würden manche Journalisten mit ihren Fragen auch ganz schön auf die Nerven fallen! Herr Schubert ist ja noch jung und sicherlich lernfähig und wird demnächst souveräner auf "dämliche" Fragen reagieren.
freemind2010 06.02.2016
3. getroffene Hunde bellen
"Im Gladbacher Presseraum ist eine seltsame Stimmung des Widerstands gegen diesen Trainer entstanden, die gefährlich werden kann, wenn die Ergebnisse ausbleiben." In Gladbach wurde noch nie ein Trainer auf Grund von schlechter Presse entlassen. Und es wird auch nie dazu kommen. Das mag den einen oder anderen Journalisten ärgern, ist aber seit Jahrzehnten so. Wer was als Journalist bewirken will möge doch bitte zum HSV, Schalke oder Bayern gehen. An sonsten kann ich Schubert nur zustimmen. Macht Euch schlau wie das Spiel wirklich funktioniert, dann gibt es auch gute Antworten. Danke Schubi!!
axelmueller1976 06.02.2016
4. Der Trainer stellt die Mannschaft
Zitat von freemind2010"Im Gladbacher Presseraum ist eine seltsame Stimmung des Widerstands gegen diesen Trainer entstanden, die gefährlich werden kann, wenn die Ergebnisse ausbleiben." In Gladbach wurde noch nie ein Trainer auf Grund von schlechter Presse entlassen. Und es wird auch nie dazu kommen. Das mag den einen oder anderen Journalisten ärgern, ist aber seit Jahrzehnten so. Wer was als Journalist bewirken will möge doch bitte zum HSV, Schalke oder Bayern gehen. An sonsten kann ich Schubert nur zustimmen. Macht Euch schlau wie das Spiel wirklich funktioniert, dann gibt es auch gute Antworten. Danke Schubi!!
Wenn Gladbach sich das von Journalisten bieten läßt sind sie doch selbst schuld. Auch in Bayern und anderen BL-Vereinen versuchen Journalisten sich in Vereinsinternas einzumischen .Man muß solche Leute zurecht weisen.
bigmitt 06.02.2016
5. Was mich....
....als Beobachter und Fan etwas stutzig macht sind die Feststellungen des Trainers das man zu Rückrundenbeginn vom physischen Leistungsstand noch nicht auf dem gewünschten Niveau wäre? Ist das nicht der Grund für ein Trainingslager? Kann da nicht durch Planung ( Periodisierung) erreicht werden das die Fitness am 18. Spieltag so ist wie Sie sein sollte? Bin jedem Fachmann für eine Antwort dankbar.
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