Bundeskanzlerin beim DFB-Team Spiel mit Raute

Die Bundeskanzlerin ist zu Besuch beim Fußballnationalteam. Das hat schon Tradition. Und mit Angela Merkel und Joachim Löw treffen sich zwei, die manche Eigenschaften teilen.

DFB-Delegation mit Angela Merkel (Archiv)
DPA/ Guido Bergman/ Bundesregierung

DFB-Delegation mit Angela Merkel (Archiv)

Aus Eppan/Italien berichtet


Zum politischen Instinkt gehört das Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Fußballnationalmannschaft in Südtirol direkt nach einer Niederlage der Löw-Elf, dann auch noch gegen Österreich - das kann man als schlechtes Timing werten.

Die politischen Spindoktoren würden es natürlich andersherum interpretieren: Immerhin können die Nationalspieler jetzt ein paar aufmunternde Worte ganz gut vertragen. Und Merkel weiß schließlich relativ genau, wie man sich aus Krisensituationen wieder herausarbeitet.

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Die Treffen mit der Bundeskanzlerin seien "immer ein gemütliches Beisammensein", sagt DFB-Manager Oliver Bierhoff. In jedem Fall ist es für beide Seiten eine Gewinnsituation. Die Nationalmannschaft bekommt ihre hohe gesellschaftliche Wertschätzung bestätigt, und für die Kanzlerin ist es ein Termin, mit dem man auf recht einfache Weise Sympathien einfangen kann.

Merkel erspart sich Russland-Besuch

Durch die frühe Stippvisite noch zwei Wochen vor der WM erspart sich Merkel zudem eine Reise nach Russland mit all ihren politischen Komplikationen. Schließlich gibt es immer noch deutlich zu vernehmende Stimmen aus dem politischen Raum, die einen Boykott der WM durch westliche Politiker befürworten. Merkel hat das Thema Nationalelf-Besuch jetzt bereits einigermaßen elegant abgehakt.

Angela Merkel und die Nationalmannschaft, diese Beziehung zieht sich durch ihre gesamte bisherige Kanzlerschaft. Ihr Jubel auf der Tribüne bei der Heim-WM 2006, zwei Jahre später das Pläuschchen mit dem gesperrten Bastian Schweinsteiger auf der Tribüne, Angela Merkel mit Mesut Özil in der Umkleidekabine 2010 - das alles hat ihr beileibe nicht geschadet.

Die Union hat von jeher eine bestimmte Nähe zum Spitzensport gepflegt, hat ihre Funktionäre dort platziert. DOSB-Boss Alfons Hörmann ist in der CSU, der DFB-Boss Reinhard Grindel saß für die CDU im Bundestag, sein Vorvorgänger Theo Zwanziger als Christdemokrat im Landtag von Rheinland-Pfalz. Man tut dem DFB sicher nicht Unrecht, wenn man ihn nicht zuallererst linker Umtriebe verdächtigt.

Löw und Merkel, zwei Moderierer

"Die Mannschaft und ich, wir freuen uns jedes Mal, sie zu sehen", sagt der Bundestrainer. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Bundestrainer Joachim Löw - das ist nicht nur ein auffallend zeitlich kongruentes Zusammentreffen. Beide wirken in ihrem Handeln, in ihrer Mentalität durchaus ähnlich.

Als Löw 2004 zum DFB kam, war noch Gerhard Schröder Kanzler, er ging in sein letztes Amtsjahr, ohne es damals schon zu wissen. Einer, der eher regierte wie der Teamchef Rudi Völler, bis 2004 im Amt. Impulsiv, mit der Faust auf den Tisch hauend, der Basta-Kanzler, ein Politiker der alten Schule, so wie Völler ein Trainer der alten Schule war.

Merkel und Löw sind die Moderierer, in dieser Hinsicht passen sie gut zusammen. Beide umgeben sich seit Jahren mit einem engen Kreis von Vertrauten, Ratschläge von außen werden bestenfalls zur Kenntnis genommen, und zwar eher unwillig. Beide schaffen es, weniger machtbewusst zu wirken, als sie es sind. Beide sind sorgfältig darin, wie sie in der Öffentlichkeit agieren, und beide lassen die Öffentlichkeit auch nicht an sie heran. So schwer es schon zu sagen ist, was Merkel wirklich denkt und wie sie ist, umso schwerer ist das noch bei Löw.

Der Bundestrainer hat die Nähe der Kanzlerin zweifellos gerne, er selbst hat sich allerdings politisch nie wirklich positioniert. Dass ihn die Grünen aus Baden-Württemberg im Vorjahr zur Bundespräsidentenwahl entsandt haben, mag ein Indiz sein, wo Löw politisch steht. Aber er selbst legt sich in dieser Hinsicht größte Zurückhaltung auf. Genau genommen weiß man nicht einmal, ob Löw überhaupt ein politischer Mensch ist.

Von der Tätigkeit beider wird von einer Ära gesprochen, beiden wurde auch schon der Abgesang vorhergesagt, beide sind immer noch da, intern mehr oder weniger unbehelligt. So wie sie vor 13, 14 Jahren gemeinsam begonnen haben, so hören sie vielleicht auch annähernd ähnlich auf. Löw hat seinen Vertrag gerade bis 2022 verlängert. Das sind keine guten Aussichten für die SPD.



insgesamt 5 Beiträge
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tadano 03.06.2018
1. Der Unterschied
Der Unterschied zwischen den beiden liegt wohl darin dass Löw eine Spielidee und Visionen für die Mannschaft hatte und diese auch erfolgreich verwirklicht hat. Angela Merkel hat halt viele Jahre regiert. Vielmehr kann nach 13 Jahren nicht sagen über ihre Kanzlerschaft.
Garda 03.06.2018
2. Naja
Zitat von tadanoDer Unterschied zwischen den beiden liegt wohl darin dass Löw eine Spielidee und Visionen für die Mannschaft hatte und diese auch erfolgreich verwirklicht hat. Angela Merkel hat halt viele Jahre regiert. Vielmehr kann nach 13 Jahren nicht sagen über ihre Kanzlerschaft.
ob man Frau Merkel nun mag oder nicht - aber in 13 Jahren hat sie sicher mehr für Deutschland und Europa geleistet, als überbezahlte Balltreter.....
calvi 03.06.2018
3. Sicher nicht.
Zitat von Gardaob man Frau Merkel nun mag oder nicht - aber in 13 Jahren hat sie sicher mehr für Deutschland und Europa geleistet, als überbezahlte Balltreter.....
LOL, Satire auf höchstem Niveau... Was hat sie genau nochmal für uns geleistet? Ach ja: NSA-Skandal ausgesessen, Flüchtlingschaos initiiert, Dieselskandal gedeckt, Armut gesteigert, Steuern kräftig erhöht (USt + kalte Progression), Milliarden Schadensersatz an Energiekonzerne wegen Atompolitik, Digitalisierung verschlafen, Infrastruktur verkommen lassen, Stillstand in jeder Hinsicht und Vieles mehr. Eine wirklich tolle Bilanz!
briancornway 04.06.2018
4. Wie einst Helmut
Zitat von calviLOL, Satire auf höchstem Niveau... Was hat sie genau nochmal für uns geleistet? Ach ja: NSA-Skandal ausgesessen, Flüchtlingschaos initiiert, Dieselskandal gedeckt, Armut gesteigert, Steuern kräftig erhöht (USt + kalte Progression), Milliarden Schadensersatz an Energiekonzerne wegen Atompolitik, Digitalisierung verschlafen, Infrastruktur verkommen lassen, Stillstand in jeder Hinsicht und Vieles mehr. Eine wirklich tolle Bilanz!
In der Finanzkrise 2007 und den folgenden Fast-Pleiten von Banken und Staaten hätte man denken können, unsere Stabilität und unser Wohlstand könnten dabei zusammenbrechen, aber ... wir leben noch. Die Tradition von Kanzlerbesuchen bei der Mannschaft hatte auch Helmut Schmidt bedient, Kohl und Schröder sowieso. Aber schon vor 4 Jahren wurde Frau Merkel geneidet, dass sie wohl in einem sehr guten Hotel wohnen würde. Heute finden viele gerne alles falsch.
fastlander 04.06.2018
5. Einiges...
Zitat von calviLOL, Satire auf höchstem Niveau... Was hat sie genau nochmal für uns geleistet? Ach ja: NSA-Skandal ausgesessen, Flüchtlingschaos initiiert, Dieselskandal gedeckt, Armut gesteigert, Steuern kräftig erhöht (USt + kalte Progression), Milliarden Schadensersatz an Energiekonzerne wegen Atompolitik, Digitalisierung verschlafen, Infrastruktur verkommen lassen, Stillstand in jeder Hinsicht und Vieles mehr. Eine wirklich tolle Bilanz!
...stimmt. Aber sorry, ich lebe seit 12 Jahren in Estland und komme einigermassen rum: Deutschland wird nicht nur beneidet, es ist Vorbild. Die Welt hat sich ziemlich geändert.
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