Umstrittenes Foto Merkel kritisiert Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan

Kanzlerin Merkel hat mit Befremden auf das Treffen der Nationalspieler Özil und Gündogan mit dem türkischen Staatschef Erdogan reagiert. Empörung gibt es auch in der Türkei - aus ganz anderem Grund.

Nationalspieler Mesut Özil
Bongarts/Getty Images

Nationalspieler Mesut Özil


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich über ihren Sprecher Steffen Seibert kritisch zu dem Treffen der beiden Fußballnationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. Es sei eine Situation gewesen, "die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud", sagte Seibert in Berlin. Als Nationalspieler hätten die beiden Vorbildfunktion.

Der Regierungssprecher begrüßte, dass die beiden Fußballer sich inzwischen zu dem Vorfall erklärt hätten. Er sei sicher, dass der DFB das Thema noch einmal ansprechen werde.

Özil und Gündogan hatten dem türkischen Präsidenten Erdogan bei einem Termin in London Trikots ihrer Vereine überreicht. Die von Erdogans Partei veröffentlichten Bilder hatten harsche Kritik ausgelöst, da die Spieler mit dem Auftritt Wahlkampfhilfe für den umstrittenen Politiker geleistet hätten. Zu der Frage, ob auch die Kanzlerin das so interpretiere, antwortete Seibert nicht.

Türkischer Verband nennt Grindel-Äußerung "diffamierend"

Der türkische Fußballverband (TFF) hat die Kritik des DFB an dem Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan als inakzeptabel zurückgewiesen. Die "diffamierenden Aussagen" von DFB-Chef Reinhard Grindel habe er mit tiefer Bestürzung zur Kenntnis genommen, teilte der TFF-Vorsitzende Yildirim Demirören mit. "Die Ansichten des DFB-Vorsitzenden sind in keinster Weise hinzunehmen." Demirören - der als Gefolgsmann Erdogans gilt - warf Grindel vor, "den Fußball in die Politik hineinzuziehen".

Grindel hatte den Spielern vorgeworfen, sich von Erdogan für Wahlkampfzwecke missbrauchen zu lassen. Er hatte außerdem mitgeteilt, der Fußball und der DFB stünden für Werte, "die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden".

Demirören teilte mit, es sei "ganz normal", dass die Spieler der Einladung Erdogans zu einem Treffen Folge geleistet hätten. "Dass unser Präsident, der ein ehemaliger Fußballer und ein passionierter Fußball-Liebhaber ist, viel dazu beigetragen hat, dass sich dieser Sport in der Türkei entwickelt, ist eine allseits gut bekannte Tatsache", sagte er. Der TFF werde den Wettbewerb um die Europameisterschaft 2024 "innerhalb der von der Uefa vorgegebenen Regeln" fortsetzen. Die Türkei ist einziger DFB-Konkurrent um die Ausrichtung der EM 2024, die am 27. September von der Uefa vergeben wird.

aha/dpa/sid



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ichliebeeuchdochalle 15.05.2018
1.
Der Einladung zu folgen ist dann problematisch, wenn der Einlader einer wie Erdogan ist. Und den Kniefall vor diesem Typen durch die Widmung auf dem Trikot ist nicht erklärbar. Und die Verharmlosung durch den Manager des DFB ist indiskutabel. Alle drei sind nicht mehr tragbar und sollten gedeuert werden.
Seraphan 15.05.2018
2.
Es ist schade, dass sich Özil und Gündogan von Erdogan politisch missbrauchen lassen. Ich bin sicher, sie wollten damit nicht Erdogan unterstützen. Vielmehr ist es offensichtlich eine große Ehre, für sie und ihre Familie, vom Präsidenten des Landes, in dem beide ihre Wurzeln haben, eingeladen zu werden. Statt auf ihnen herumzuhacken und öffentlich an den Pranger zu stellen, sollte man dies - wenn man sich tatsächlich von Erdogan unterscheiden will - unter 4 Augen klären. Dass Grindel in seiner Profilierungssucht da mitmischt, wundert mich nicht. Gerade beim DFB sollte das Thema intern angesprochen werden, wenn man meint, dass dies notwendig ist.
M. Vikings 15.05.2018
3. Das ist die Krönung - ausgerechnet Merkel.
Hätte Sie jetzt noch erklärt, dass Sie den türkischen Außenminister nicht in Solingen sehen will, auf einer politischen Veranstaltung während des türkischen Wahlkampfes, hätte sie auch das Recht zu einer derartigen Kritik. Zwei Sportler zu kritisieren während die Bundesregierung hier türkische Regierungsmitglieder einreisen lässt, um mit ihren Wahlkampfauftritten Unfrieden zu stiften ist schlicht und ergreifend unverhältnismäßig und unglaubwürdig. Aller billigster Populismus. Solange die Bundesgierung Erdogan hofiert, muss man sich über so einen Auftritt von zwei Sportlern nicht wundern.
mullertomas989 15.05.2018
4. Wieso....
... steht die Türkei nicht einfach dazu, die Pressefreiheit in ihrem Land ... ähm... auszusetzen??!! Wieso muss Herr Grindel jetzt auch noch negativ dargestellt werden? Er hat in höflicher, aber direkter Art erklärt, was Sache ist. Und eins ist auch klar: Den Fußball zieht hier nur einer in die Politik hinein: die Türkei mit solchen Fotos. den Fußball in die Politik hineinzuziehen".
spon_3811901 15.05.2018
5. Wenn es für den grossen Landesvater ...
... nicht für eine eigene Olympiade reicht, muss halt mal der Mesut kommen. :) Ernsthaft ... das gibt es Politiker die ihre Stadt für den G20 hergeben, damit sie mal am am Tisch der großen sitzen dürften und hier wird auf einem Sportler herum eingedroschen, der ein Trikot überreicht. Wie dankbar muss ich sein, dass ich regelmäßig gezeigt bekomme, worin unsere wahren Probleme liegen.
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