Antisemitische Gesänge 140 Neonazis vor Deutschland-Spiel eingekesselt

Hässliche Szenen vor dem Auftaktspiel der DFB-Elf in Klagenfurt: Eine Gruppe Neonazis wurde aufgrund von antisemitischen Gesängen von der Polizei eingekesselt, zahlreiche Anhänger wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.


Klagenfurt - Das EM-Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Polen in Klagenfurt wurde von fremdenfeindlichen Gesängen überschattet. Eine Stunde vor dem Anpfiff skandierte eine größere Gruppe deutscher Rechtsradikaler Sprüche gegen polnische Fans. Unter anderem sollen die Neonazis gerufen haben: "Alle Polen müssen einen gelben Stern tragen." Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP.

Polizisten in Klagenfurt, deutsche Fans: 140 Anhänger festgesetzt
AP

Polizisten in Klagenfurt, deutsche Fans: 140 Anhänger festgesetzt

Die Parole ist eine Anspielung auf die Zwangskennzeichnung für Juden im Dritten Reich, die von den Nazis gezwungen wurden, ein solches Erkennungssymbol zu tragen. Die Rowdys wurden von einer Polizeieinheit eingekesselt. Einigen Nazis gelang es zu fliehen, rund 140 wurden in Gewahrsam genommen. "Aller Voraussicht nach werden sie festgenommen und wegen Landfriedensbruches angezeigt", sagte die Polizei der österreichischen Nachrichten-Agentur APA.

Unterstützt wurden die österreichischen Sicherheitskräfte von einer Einheit aus Deutschland. Zuvor hatten die Ordnungskräfte bereits fünf ausländische Hooligans, deren Nationalität zunächst unbekannt war, festgenommen. Zudem warnte die Polizei, dass sich voraussichtlich weitere gewalttätige Anhänger in der Stadt befinden würden.

In Klagenfurt waren am Samstagabend gegen 20.50 Uhr in der Fan-Zone zwei jeweils gut 100 Personen starke Gruppen deutscher und polnischer Rowdys, die zumeist stark alkoholisiert waren, aneinander geraten. Die Polizei, darunter auch zahlreiche deutsche Beamte, schritt daraufhin ein und nahm sieben deutsche Hooligans fest. Im Laufe der Nacht kamen weitere zehn Festnahmen hinzu. Sieben Personen, davon drei Deutsche, blieben zunächst in Haft. Auch in Frankfurt gab es in der Nacht Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Fußballfans. Einige türkische Fans hatten nach der 0:2-Niederlage gegen Portugal randaliert.

mig/sid



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