Bayern-Star Robben Holländer im Höhenflug

Ein Tor vorbereitet, eins selbst erzielt: Der überragende Bayern-Spieler gegen Manchester hieß Arjen Robben. Der Holländer begeistert Trainer und Fans schon die gesamte Saison - dabei war die Zeit des Angreifers in München schon fast vorbei.

Von Sebastian Winter, München


Wirklich glücklich sah Arjen Robben nicht aus. Zehn Minuten nach Abpfiff sollte der Niederländer die gerade beendete Partie analysieren. Eigentlich hätte er Grund zum Grinsen gehabt: Der FC Bayern hatte gewonnen, 3:1 gegen Manchester United, und das Halbfinale der Champions League erreicht. Er, Robben, war der überragende Spieler gewesen, hatte ein Tor selbst erzielt und einen weiteren Treffer vorbereitet.

Doch Robben ist stets ein Mann offener Worte, wenn es um die eigene Leistung oder die des Teams geht. Also sagte er: "Die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit war eine Katastrophe. Wir hatten keine Ruhe, wir haben nur lange Bälle gespielt, die zweiten Bälle nicht mehr gewonnen." Der 30-Jährige holte kurz Luft und legte nach: "Wir haben die Initiative weggegeben und sind dafür bestraft worden. Das war gut für die Zukunft, das darf man nicht noch einmal machen."

Das waren messerscharfe Sätze, insbesondere angesichts der Tatsache, dass das eigene Team gerade immerhin Manchester aus der Champions League geworfen hatte. Aber Robben kann sich solche Aussagen erlauben, er ist schließlich ein Führungsspieler. Trainer Pep Guardiola fasste Robbens Leistung mit nur einem Wort treffend zusammen: "Überragend." Das Wort kam dem Spanier pistolenschnell über die Lippen. Vielleicht auch, weil er so erleichtert über den Sieg war und weil Robben das Happy End zu großen Teilen verantwortete.

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Bayern-Einzelkritik gegen ManUnited: Robben ist Manchesters Alptraum
Während Mario Götze in der Offensive blass blieb, Franck Ribéry erst in der zweiten Halbzeit aufblühte und Mario Mandzukic sowie Thomas Müller vor ihren typischen Stürmertoren öfter abtauchten, war Robben die ganze Zeit präsent. Immer wieder rollten die Bayern-Angriffe über seine rechte Seite, immer wieder narrte er seine Gegenspieler Patrice Evra und Nemanja Vidic. Müllers 2:1 bereitete Robben in der 68. Minute vor, acht Minuten später traf er selbst.

Wieder einmal hat sich der in Bedum, etwa 30 Kilometer westlich der deutschen Grenze, aufgewachsene Profi zum Albtraum für Manchester entwickelt. Wie schon vor vier Jahren, als er United mit einem herrlichen Volleyschuss nach einer Ecke im Viertelfinale aus dem Wettbewerb warf. "Das sind die Spiele, für die du Fußball spielst. Das macht mir so Spaß. Dafür lebst du, dafür trainierst du", sagte Robben nach dem Sieg gegen United.

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Bayern-Sieg gegen Manchester: Weckruf vom Gegner
In dieser Saison ist der Flügelstürmer noch wertvoller für die Bayern als damals 2010. Jener Saison, in der er in Deutschland zum Spieler des Jahres gewählt wurde. Und er ist auch wertvoller als vergangene Saison, als er lange Zeit verletzt war, aber das entscheidende Tor im Champions-League-Finale gegen Dortmund erzielte. Unter Guardiola hat Robben gelernt, die richtige Balance in seinem Spiel zu finden.

Der Niederländer dosiert seine rasanten Alleingänge, setzt seine große Stärke in Eins-gegen-Eins-Situationen und den Zug nach innen gezielter ein und nicht mehr so plump wie früher. Er hat mittlerweile auch den Blick für Mitspieler, wenn sie gut postiert sind, wie etwa Müller gegen Manchester. Und er bricht seine Attacken ab, wenn hinter ihm Philipp Lahm oder Rafinha auftauchen, und überlässt ihnen den Ball, um einen Angriff neu aufzubauen. Robben arbeitet zwar nach wie vor nicht so sehr für die Defensive wie beispielsweise Ribéry, aber auch in dieser Hinsicht hat er seit 2010 dazugelernt.

In seiner Zeit bei Chelsea hatte Robben einen Ruf als Schwalbenkönig, danach bei Real Madrid gaben sie ihm den Spitznamen "Man of Glass", wegen seiner vielen Verletzungen. Bei den Bayern schien seine Zeit 2012 fast vorüber zu sein, als er zwei entscheidende Elfmeter verschoss: Gegen Dortmund in der Meisterschaft und gegen Chelsea im Champions-League-Finale. Die Fans pfiffen ihn daraufhin aus, was den empfindsamen Robben zutiefst kränkte.

Nun spielt er seit Monaten in der Form seines Lebens, in Guardiolas System ist er der blitzartige Beschleuniger. Ein Mann, der gerade nach Rückständen wichtig wird, wie gegen Manchester, und womöglich auch im Champions-League-Halbfinale, das nicht einfacher wird. Es passt zu Robbens Höhenflug, dass er seinen Vertrag bei den Bayern vor kurzem bis 2017 verlängert hat.

Sein einstiges Image vom divenhaften Alleingänger hat er längst abgehängt. Wie einen lästigen Gegenspieler.

insgesamt 55 Beiträge
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matthäuspassion 10.04.2014
1. Der neue Robben
Wir erinnern uns noch sehr gut an die Zeit, wo Arjen stinksauer reagierte, wenn er ausgewechselt wurde, vom heimischen Publikum ausgepfifen wurde, und er oftmals stur seine Ego-Trips durchgezogen hat, aber dann kam das CL-Finale und er war der "Herr des Triple". Damit hat er sich als Fußballer unsterblich gemacht, was willst du mehr… Jetzt kann er endlich relaxter, weil gereift, seine Spätkarriere genießen (vorausgesetzt keine schwere Verletzung wirft ihn aus der Bahn). Ich denke er kann dieses Jahr sogar nochmal zum Helden werden, wenn er mitverantwortlich das Triple unter Pep schafft. Das Potential hat er allemal. Wir gönnen es ihm (und dem FCB sowieso ;-).
schwarzwald67 10.04.2014
2. Der Schwalbenkönig wieder
Zitat von sysopDPAEin Tor vorbereitet, eins selbst erzielt: Der überragende Bayern-Spieler gegen Manchester hieß Arjen Robben. Der Holländer begeistert Trainer und Fans schon die gesamte Saison - dabei war die Zeit des Angreifers in München schon fast vorbei. http://www.spiegel.de/sport/fussball/arjen-robben-gegen-manu-bayern-stuermer-in-der-analyse-a-963577.html
Solange er weiter so schön mit seinen Schwalben Elfer für den FCB schindet, wird seine Zeit auch nicht vorbei sein.
Lupus39 10.04.2014
3. Schwalbenkönig
Zum Glück ist er heutzutage kein Schwalbenkönig mehr. Für mich einer der unfairsten Spieler im Moment, allein deswegen.
spiegelleser.78 10.04.2014
4. Diva
Eine Diva ist Robben immer noch, mit einem Hang zu Alleingängen. Aber solange er gut spielt und wichtige Tore macht, verzeiht man ihm die eine oder andere verhudelte Einzelaktion. Zwei verschossene Elfer würde man ihm aber sicher auch dieses Jahr nicht verzeihen. Was aber nicht explizit gegen Robben ist. So was würde man niemandem so einfach verzeihen, wenn er die Meisterschaft und die Champions League verschießt, keinem Lahm, keinem Neuer, keinem Ribery, keinem Manduzic. So ist halt der Fußball, wenn du triffst, bist du der Held, wenn du verschießt der größte Loser. Ich glaube, das muss man bei den entsprechenden Gehältern aushalten können.
tfab 10.04.2014
5. Häh?
Ähh... wie jetzt?! Der kann doch nur einen Trick. Und den kennt doch auch schon jeder. Und der Glasmann ist der doch auch..., oder...? Komisch. Aber wisst ihr was sooo richtig geil war? Das Spiel des BVB. Da wo als wir ausgeschieden sind in der Saison mit mehr als 20 Punkten Rückstand auf die Bauern. Das war richtig geil! Aber der kann doch nur einen Trick!
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