Trainerlegende Nach 22 Jahren - Wenger hört bei Arsenal auf

Zehn große Titel, spektakulärer Fußball - niemand hat Arsenal in den vergangenen Jahrzehnten so geprägt wie Trainer Arsène Wenger. Nun gibt der Klub bekannt: Zum Saisonende ist Schluss.

Arsene Wenger
imago/ PA Images

Arsene Wenger


Arsène Wenger tritt zum Saisonende als Trainer beim FC Arsenal zurück. Das teilte der Premier-League-Klub auf seiner Internetseite mit. Ein Nachfolger soll "sobald wie möglich" bekannt gegeben werden.

Wenger, 68, trainiert den Verein seit 1996. Er gewann unter anderem drei Meisterschaften und siebenmal den FA Cup. 2006 stand Arsenal im Finale der Champions League, unterlag damals aber dem FC Barcelona (1:2).

Es sei "der richtige Zeitpunkt" für den Rücktritt gekommen, wird Wenger auf der Arsenal-Webseite zitiert: "Ich bin dankbar für das Privileg, dass ich dem Klub so viele unvergessliche Jahre dienen durfte". Arsenals Mehrheitseigner Stan Kroenke teilte mit: "Dies ist einer der schwierigsten Tage, die wir in all unseren sportlichen Jahren hatten. Einer der Gründe, warum wir uns bei Arsenal engagiert haben, war das, was Arsène auf und neben dem Platz in den Klub gebracht hat."

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Arsène Wenger: Mal Gentleman, mal Rüpel

Wenger hat den Klub von Grund auf verändert. Bevor der Franzose aus Japan nach London wechselte, war Arsenal für seinen defensiven, selten mitreißenden Spielstil bekannt. Wenger aber formte aus den Gunners eine Mannschaft, die stets offensiv auftrat. Mit seinem Kurzpassspiel und dem Blick für Talente wie Stürmer Thierry Henry, der unter Wenger zum Weltstar wurde, prägte der Coach nicht nur den Klub, sondern den englischen Spitzenfußball mit. In der Saison 2003/2004 gingen der Trainer und sein Team in Englands Geschichte ein, als sie sämtliche 38 Spieltage ungeschlagen blieben und Meister wurden.

Von jener Glanzzeit war Arsenal zuletzt allerdings weit entfernt. Der Titel 2004 war die letzte Meisterschaft. In der vergangenen Saison verpasste der Klub erstmals unter dem Coach eine Platzierung unter den Top-Vier und damit auch die Champions League. Ein Szenario, das sich auch in dieser Spielzeit wiederholen könnte: Aktuell belegen die Gunners Rang sechs, der Rückstand auf Platz vier beträgt bei noch fünf ausstehenden Spieltagen 14 Punkte. Mit dem Gewinn der Europa League könnte der Klub aber noch in die Champions League einziehen, in dem Wettbewerb steht Arsenal im Halbfinale und trifft dort auf Atlético Madrid.

mon/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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alaba27 20.04.2018
1. Besser spät als nie
Damals mit Henry, Bergkamp ... war es spektakulär. Die letzten Jahre eher eine Qual und mehr oder weniger erfolglos. Wenn ich nur an die jährlichen Klatschen gegen Bayern denke.
peter.hartung@hamburg.de 20.04.2018
2. Ein mörderischer Job
Der Stress von 22 Jahren ist Wenger ins Gesicht geschrieben, betrachtet man das Foto.
Papazaca 20.04.2018
3. Eben nicht: Es war nicht der richtige Zeitpunkt, ...
der war vielleicht 2004. Den richtigen Zeitpunkt hat Wenger seit langem verpasst. Schade, Denn jetzt denkt man eher an das Arsenal von heute, das auf Platz 6 steht und nicht an die positiven Ergebnisse von Wenger's Arbeit. Wahrscheinlich gilt Guardiola's Erkenntnis, das die ideale Durchschnittszeit bei einem Trainer bei 3 Jahren liegt. Ausnahmen eingeschlossen. Den Wunsch bei den Fans nach Dauererfolgen mit dem selben Trainer kann ich nachvollziehen. Leider ist das oft nur ein frommer Wunsch. Ähnliches stellt man oft auch bei Ehen fest, aber mit anderen zeitlichen Verläufen. Es ist einfach schwer, eine produktive Spannung lange aufrecht zu erhalten. Wäre so schön. Ist aber nicht. Wenger hat den richtigen Moment verpasst. Nicht gestern, sondern schon vor langer Zeit.
ilja.albrecht 20.04.2018
4. Tja,
und die Bayern haben jetzt Niko Kovac. Im Ernst, Kudos für arsene Wenger. Er hat den flüssigen Kombinationsfussball gepaart mit Athletik weitaus eher kreiert und m. E. auch mehr beeinflusst als Guardiolas Barca. Leider hat er ab Mitte 2000er diese Mischung nie wieder richtig hinbekommen. Der letzte grosse diesbezügliche Auftritt war in Liverpool (mit Hleb und Fabregas im Mittelfeld), als man den LFC eine Halbzeit lang komplett filettiert hatte. Und nun wird es spannend, was aus den Gunners wird, bzw. wer sie trainiert. Das wäre ein guter Job für Tuchel gewesen, weitaus besser als im Millionengrab Paris.
Fackel 20.04.2018
5. Respekt, 22 Jahre
Der durchschnittliche HSV Trainer macht es nur ca 22 Wochen.
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