Wenger-Abschied "Er ließ wundervollen Fußball spielen"

Jürgen Klopp, Per Mertesacker, Jupp Heynckes: Alle sind voller Lob für die Arbeit des scheidenden Arsenal-Trainers Arsène Wenger. Selbst ein Intimfeind findet höfliche Worte.

Per Mertesacker und Arsène Wenger
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Per Mertesacker und Arsène Wenger


Nach dem angekündigten Abschied von Arsène Wenger beim FC Arsenal hat sich Jürgen Klopp vor dem langjährigen Teammanager des englischen Fußballklubs verneigt. "Seine Karriere ist fantastisch", sagte der Teammanager des Rivalen FC Liverpool und überhäufte die "herausragende Persönlichkeit" mit Komplimenten.

"Er hatte und hat Einfluss im Fußball", sagte Klopp über den Franzosen, der im Sommer nach 22 Jahren und drei Meistertiteln beim Traditionsklub aus London aufhört. Trainer würden normalerweise schnell ausgetauscht, "aber er war 22 Jahre hier. Das ist lang."

Klopp zeigte sich von der Entscheidung überrascht, er könne sie aber nachvollziehen. "Vielleicht war in den vergangenen Monaten nicht jeder mit den Ergebnissen zufrieden", sagte der frühere Cheftrainer von Borussia Dortmund. Arsenal ist in der Premier League aktuell nur Tabellensechster.

"Ich habe seine Arbeit immer bewundert"

"Ich habe seine Arbeit immer bewundert, sie war stets brillant. Er hat seine Teams immer wundervollen Fußball spielen lassen", so Klopp. Der 68-jährige Wenger sei ein Vorbild gewesen. "Ich wünsche ihm alles Gute. Hoffentlich treffe ich ihn irgendwann wieder und kann ihm das persönlich sagen."

Weltmeister Per Mertesacker, der am Ende der Saison seine aktive Karriere beendet und danach Leiter des Arsenal-Nachwuchsleistungszentrums wird, erklärte: "Das ist sehr emotional. Er war so lange hier im Klub und hat mich immer unterstützt. Ein Hauptgrund, warum ich hier bin, ist er."

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Auch Jupp Heynckes würdigte Wenger: "Er hat eine großartige Karriere absolviert. Er hat überwiegend attraktiven Fußball spielen lassen und hatte Erfolge", sagte der Trainer von Bayern München: "Er hat den englischen Fußball sehr positiv beeinflusst durch seine Philosophie."

Sogar Mourinho hält sich zurück

Heynckes glaubt nicht, dass der Franzose noch mal bei einem anderen Klub als Trainer arbeiten wird. "Vielleicht übernimmt er eine Managerposition", sagte er.

Josep Guardiola, einer der Vorgänger von Heynckes als Bayern-Trainer und jetzt mit Manchester City gerade englischer Meister geworden, sagte: "Die Premier League ist das, was sie heute ist, wegen Arsene Wenger, seiner Vision und seines Respekts für den Fußball."

Noch fünf Jahre länger im Amt war Alex Ferguson, die Trainerlegende von Manchester United, der den Klub von 1986 bis 2013 führte. Er kann also nachvollziehen, wie es ist, nach so vielen Jahren Abschied zu nehmen: "Er hat 22 Jahre seines Lebens dem Job gewidmet, den er liebt. In einer Zeit, in der Trainer oft nur ein oder zwei Jahre bleiben, zeigt das, was für eine Leistung er geschafft hat. Er ist ohne Zweifel einer der größten Premier-League-Trainer. Ich bin stolz, Gegner, Kollege und Freund eines solch großen Mannes gewesen zu sein."

Der frühere Nationaltorwart David Seaman erlebte unter Wenger seine beste Zeit. Er twitterte: "Ein trauriger Tag für Arsenal. Können wir ihm jetzt den Respekt zollen, den er verdient?" Und sein früherer Teamkollege in Englands Nationalteam, Manchesters Verteidiger-Legende Gary Neville, schrieb via Twitter: "Wenger stellte die besten Teams, gegen die ich je im englischen Fußball gespielt habe. Das größte Kompliment für ihn ist: Er ließ Fußball so spielen, dass wir unsere Art zu spielen ändern mussten, wenn wir gegen ihn antraten."

Sogar Wengers größter Intimfeind, Manchester Uniteds Coach José Mourinho, vergaß für einen Moment seine Abneigung: "Wenn er jetzt glücklich mit dieser Entscheidung ist, bin ich es auch", so Mourinho: "Ich wünsche meinen Gegnern immer das Beste." Auf die Frage, ob er seine Attacken gegen Wenger nun nicht bedaure, antworte Mourinho in seiner klassischen Art: "Sie wissen nichts über die Art, wie wir Trainer uns gegenseitig respektieren, auch wenn es manchmal nach außen auch nicht so aussehen mag."

aha/sid



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