Star-Einkauf im Taktikprofil So gut passt Arturo Vidal zum FC Bayern

Der spektakulärste Bundesligatransfer des Sommers steht kurz bevor: Arturo Vidal soll für geschätzt 35 Millionen Euro nach München wechseln. Was hat Bayern-Trainer Guardiola mit dem Chilenen vor? Die Analyse.

AP/dpa

Von


Spitzenklubs achten bei der Verpflichtung neuer Spieler auf jede Kleinigkeit. Nimmt der Spieler den Ball stur mit demselben Fuß an, oder kann er sich auf verschiedene Spielsituationen einstellen? Passt er den Ball in den richtigen Fuß des Mitspielers? In welcher Stellung empfängt er Pässe? Wie gering ist seine Verweildauer am Ball, prüft er per Schulterblick, wo Mit- und Gegenspieler stehen, ehe er einen Pass annimmt?

Arturo Vidal, dessen Wechsel zum FC Bayern kurz bevorsteht, schneidet in all diesen Bereichen gut ab. Aber nirgends herausragend.

Wenn es hektisch wird, Vidal sich von Gegnern umringt sieht, geht ihm schon mal der Blick fürs Ganze verloren. Statt das Spiel als riesige Abfolge von Handlungen und Folgehandlungen zu durchschauen, verengt sich Vidals Blick, er wirkt dann, als sei er erleichtert, wenn er den Ball fehlerfrei losgeworden ist. An Ideen, wie sich ein Angriff entwickeln wird, ob der Passempfänger Anspielstationen findet oder in der Sackgasse steckt, scheint es dem 28-Jährigen mitunter zu mangeln.

Vidals Pässe im Champions-League-Finale gegen Barcelona (1:3): 83,3 Prozent seiner Zuspiele landeten beim Mitspieler. Nur wenige brachten Raumgewinn.
Opta

Vidals Pässe im Champions-League-Finale gegen Barcelona (1:3): 83,3 Prozent seiner Zuspiele landeten beim Mitspieler. Nur wenige brachten Raumgewinn.

Vidal ist ein überragender Fußballer. Trotzdem scheint er auf den ersten Blick nicht dem Ideal seines neuen Trainers Josep Guardiola zu entsprechen.

Doch wer den Kader des FC Bayern durchgeht, dem wird schnell klar, dass es dem Verein nicht an Strategen mangelt, trotz des Abgangs des enorm spielintelligenten Bastian Schweinsteiger. Xabi Alonso, unter Guardiola gesetzt, dominiert die Zone vor der eigenen Abwehr; Philipp Lahm und Thiago handeln ebenfalls stets vorausschauend. und dann sind da noch die hochveranlagten Joshua Kimmich, Pierre-Emile Højbjerg und Gianluca Gaudino.

Woran es in Bayerns Mittelfeld mangelt, sind andere Dinge. Etwa Zug zum Tor. Insbesondere Schweinsteiger, der unter Guardiola die Hoheit im Sechserraum an Alonso verlor, glänzte in der vergangenen Saison meist dann, wenn er aus der Tiefe in den Strafraum eindrang. Oft waren es solche Läufe, die den Münchnern gegen gut organisierte, eher passive Gegner Durchschlagskraft verliehen. Ein Mittelfeldspieler, der solch dynamische vertikale Läufe bieten kann, fehlte nun. Einer wie Arturo Vidal.

Fotostrecke

9  Bilder
Arturo Vidal: Die Karriere des neuen Bayern-Stars

Neben dieser Dynamik würde der Chilene dem Münchner Mittelfeld eine weitere neue Qualität verleihen; durch seine zum Teil wie Raserei anmutende, auf Zweikämpfe angelegte Spielweise werden die Bayern noch mehr Bälle erobern. Er ergänzt Lahm, Thiago und Alonso, bringt Aggressivität und Energie ein. Und dann ist da noch etwas, das Vidal wertvoll macht für Guardiola: Flexibilität.

Einer der besten Allrounder der Welt

Am 13. Mai setzte sich Juventus Turin im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid durch. Arturo Vidal spielte dabei eine Hauptrolle. Er pendelte zwischen offensivem und defensivem Mittelfeld. Wenn nötig, weicht er auf die Flügel aus. Wie ein Chamäleon, das seine Hautfärbung verändert, sofern es die Umstände erfordern, wandelte sich der Fußballer Arturo Vidal während der 90 Minuten auf dem Spielfeld immer wieder aufs Neue, half dort, wo er gebraucht wurde. Vidal ist mehr als der Kämpfer, als der er sich selbst gern ausgibt.

Bei der Copa América verhalf er Chile wahlweise als rechter Flügelspieler oder zentral im Mittelfeld zum Triumph, in Leverkusen, wohin ihn der heutige Bayern-Mann Reschke 2007 lotste, begann er als Außenverteidiger und wechselte ins offensive Mittelfeld, davor hatte er in Chile bereits Erfahrungen im Abwehrzentrum gesammelt. Vidal ist ein Allrounder, vielleicht sogar der weltbeste.

Vidals Heatmap aus dem Duell mit Barcelona: Links und rechts, hinten und vorne - der Chilene tauchte auf dem ganzen Feld auf.
Opta

Vidals Heatmap aus dem Duell mit Barcelona: Links und rechts, hinten und vorne - der Chilene tauchte auf dem ganzen Feld auf.

Vidals Vielseitigkeit passt zu den Vorstellungen seines neuen Trainers. Guardiola kreierte in seiner Zeit beim FC Bayern Außenverteidiger, die während einer Partie zugleich das defensive Mittelfeld besetzten; er entwickelte eine Mischrolle für David Alaba, halb Verteidiger, halb Mittelfeldspieler, tat Ähnliches mit Schweinsteiger.

Mit Vidal bekäme Guardiola einen weiteren Hybridspieler. Gut möglich, dass auch er zum Verteidiger wird, der bei Ballbesitz ins Mittelfeld vorrückt; zum Sechser, der mit Flügelspielern die Positionen tauscht und so die Gegenspieler verwirrt; oder zum Außenverteidiger, der zum verkappten Spielmacher wird. Selbst eine Rolle als ausweichender Mittelstürmer ist denkbar.

Vidal verstärkt alles gleichzeitig: Abwehr, Mittelfeld, Angriff. Mit ihm könnte Guardiola vorantreiben, womit er in München längst begonnen hat - die Dekonstruktion von allzu starren Formationen und Positionen.



insgesamt 123 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Msc 23.07.2015
1.
Als Vidal noch bei Leverkusen spielte, hätte es nie so einen Artikel gegeben, obwohl er da auch schon gut war. Kurz nach Italien gewechselt, im meilenweit besten Team dort bisl was gerissen, schon ist er Weltklasse, der chilenische Messi und was nicht alles. Vidal wird im Bayernkader nicht herausragen. Da können die Sportredaktionen überall schreiben was sie wollen.
Klartext_2Punkt0 23.07.2015
2. diesesmal kein spanier!
der umbau beim fc bayern geht weiter. das herzstück der mannschaft herausgerissen und nach england verkauft! dafür wurde wieder ein spanisch sprechender spieler neu verpflichtet die medizinische abteilung wurde rausgemobbt, denn kritische anmerkungen aufgrund der vielen verletzten zu den trainingsmethoden darf es nicht geben wann endlich kommt der spanische busfahrer? der trainer darf weiter die identität des clubs zerstören in der hoffung, dass er seinen vertrag verlängert. doch was, wenn er das nicht macht..? ich bin bayern fan, aber das ist nicht mehr mein verein. ich mach pause
antelatis 23.07.2015
3. Kein gutes Gefühl
Bei dem Transfer hab ich, rein subjektive gesehen, einfach kein Gutes gefühlt. Meiner Meinung nach wird das der teuerste Flops bei den Bayern aller Zeiten! Mal schaun, wie die das verkraften werden...
road_warrior 23.07.2015
4. Fehlt da nicht was?
Yoh, ist bestimmt ein super Fang, denn er spricht Spanisch, mag schnelle Autos und denkt immer rund-um-die-Uhr (vor allem nachts) an sein Team ... siehe hier: http://www.spiegel.de/panorama/leute/arturo-vidal-unfall-mit-ferrari-fussballer-in-polizeigewahrsam-a-1039198.html
ge1234 23.07.2015
5. der chilenische Messi...
Zitat von MscAls Vidal noch bei Leverkusen spielte, hätte es nie so einen Artikel gegeben, obwohl er da auch schon gut war. Kurz nach Italien gewechselt, im meilenweit besten Team dort bisl was gerissen, schon ist er Weltklasse, der chilenische Messi und was nicht alles. Vidal wird im Bayernkader nicht herausragen. Da können die Sportredaktionen überall schreiben was sie wollen.
.. ist er mit Sicherheit nicht, dafür sind beide viel zu unterschiedliche Spielertypen, als dass man sie vergleicen könnte. Aber wenn Sie zurückliegenden CL-Spiele von Juve sowie die diesjährige Copa americana verfolgt hätten, wüßten Sie, was für ein überragender Weltklassespieler Vidal ist. Schade, dass wir ihn nicht schon dieses Jahr im CL-HF gegen Barca zur Verfügung hatten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.